Aussaat gut, Wachstum problematisch

Landwirte in der Region hoffen auf anhaltenden Regen

Das Regendefizit des Sommers 2018 ist noch nicht aufgeholt: Auch kurze Schauer wie zu Beginn dieser Woche schaffen da keine Abhilfe, so Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolks Göttingen, Kreisbauernverband.

Der Februar war viel zu trocken und zu mild, um die Feuchtigkeitsspeicher im Boden wieder aufzufüllen. Wetterexperte Kai Neumann, der in Landwehrhagen eine Wetterstation betreut, sagt es in seiner Statistik für die hiesige Region deutlich: Mit 15,1 Litern Niederschlag pro Quadratmeter fiel nur die Hälfte dessen, was in einem Februar normal gewesen wäre. Im heißen Sommer vorigen Jahres habe man noch von Reserven gezehrt, skizziert es Hübner: Die zweite Hälfte des Jahres 2017 sei extrem nass gewesen. 

Eine gute Ackerkrume könne pro Quadratmeter 400 Liter Wasser speichern bis in die Tiefe, in die die Wurzeln hinabreichen. Doch ab 50 Zentimetern Tiefe seien die Böden in einigen Regionen heute komplett trocken, berichtet Werner Bosse, Referent für pflanzliche Produkte beim Landvolk Niedersachsen. 

Laut Deutschem Wetterdienst habe es im vergangenen Winter in Niedersachsen zwar überdurchschnittlich viel geregnet, doch gleichzeitig stieg die Zahl der Sonnenstunden, so Bosse weiter, wodurch viel Feuchtigkeit verdunstete, anstatt sich im Boden ihren Weg zu suchen. So sei selbst der Schnee im Harz durch Sonneneinstrahlung geschmolzen und zum Teil verdunstet, anstatt durch Regen zu tauen und mit diesem das Erdreich zu tränken. „Wir bräuchten jetzt so viel Regen, dass er gerade noch einsickern kann“, formuliert es Hübner. Für Prognosen sei es noch zu früh. Entscheidend sei, wie die Wasserversorgung im Mai und Juni aussehe.

Das Getreide steht zurzeit nur wenige Zentimeter hoch auf den Feldern. Entsprechend kurz sind auch noch die Wurzeln, beschreibt es Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Für die Bestellung der Felder im Herbst seien die Bedingungen insgesamt gut gewesen, erklärt Werner Bosse, Referent für pflanzliche Produkte beim Landvolk Niedersachsen. „Mit dem Auflaufen des Wintergetreides und dem Stand der Wintersaaten sind die Landwirte zufrieden.“ Der milde Winter habe den Stoffwechsel der Pflanzen angeregt. Doch in einigen Regionen sei es weiter sehr trocken. Hübner bestätigt: Nach einem der kurzen Regengüsse der vergangenen Tage ist der Boden vielleicht oberflächlich feucht, doch wenn man die Ackerkrume aufgräbt, stößt man schnell auf trockenen Boden.

Zudem konnten die Pflanzen aufgrund der fehlenden Frostperiode keine Winterhärte entwickeln, so Bosse. „Hier kann es noch bis in den Mai zu Kahlfrösten kommen, die den Pflanzen schaden.“

Zur Frühjahrsbestellung fahren die Landwirte jetzt auf ihre Felder, um zu düngen, den Boden vorzubereiten und die Frühjahrsaussaat vorzunehmen. Zunächst werden Sommergerste und Hafer gesät, dann folgen die empfindlicheren Hackfrüchte wie Kartoffeln und Zuckerrübe sowie schließlich der Mais, informiert das Landvolk weiter. „Landwirte wünschen sich jetzt leichte Regenschauer, die der Pflanze gerade am Anfang bei Keimung und Jugendentwicklung helfen“, erklärt Bosse. Tiefer wurzelnde Pflanzen wie Raps oder Zuckerrübe werden es nach Ansicht des Getreidereferenten in diesem Jahr schwerer haben in den entsprechenden Bodenschichten Wasser zu finden, wenn sich keine nennenswerten Niederschläge einstellen.   

Rubriklistenbild: © dpa

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