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Martin Czichelski war 16 Jahre lang Ortsheimatpfleger von Hann. Münden

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Von: Petra Siebert

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Seine neu gewonnene Zeit nutzt Martin Czichelski, auch um sich im Garten zu betätigen, Fische und Hühner zu füttern.
Seine neu gewonnene Zeit nutzt Martin Czichelski, auch um sich im Garten zu betätigen, Fische und Hühner zu füttern. © petra siebert

Martin Czichelski war 16 Jahre lang Ortsheimatpfleger von Hann. Münden. Nun geht er in den Ruhestand. Zeit, zurückzublicken. Was hat ihn besonders bewegt und was angetrieben?

Hann. Münden – „Die Arbeit als Ortsheimatpfleger hat mir Freude bereitet“, sagte Martin Czichelski nach 16 Jahren aktiver und erfolgreicher Tätigkeit. Auf eigenen Wunsch legte der 83-jährige ehemalige Bänker das Amt vertrauensvoll in jüngere Hände von Thomas Tölle. Czichelski wurde kürzlich von Bürgermeister Tobias Dannenberg mit Dank verabschiedet.

Hann. Münden: Martin Czichelski war 16 Jahre Ortsheimatpfleger

„Es war eine reizvolle Aufgabe, vielschichtig, interessant und abwechslungsreich“, machte Czichelski deutlich. Das hänge nicht zuletzt mit der Geschichte und Bedeutung der Stadt zusammen, aber auch mit den vielen Kontakten, die sich nicht nur lokal und regional, sondern auch bundesweit ergeben hätten. Ergebnisse zur Geschichte ließen sich nicht auf der Straße finden, man müsse schon bereit sein, viele Wege zu gehen, zu forschen und auch herausarbeiten, wo etwas zum Thema zu finden sei. Wichtig sei es, die Erkenntnisse abzusichern, was den Aufwand erhöhe, aber das Ergebnis festige.

In einem Gespräch berichtet er, dass die Wahl der Schwerunkte erleichtert wurde, weil in der Stadt auch weitere Personen und Gruppen an Themen zur Heimatpflege arbeiten. Wie unter anderem der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden, der Arbeitergeschichtsverein, die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt und der Naturpark Münden. Auch mit dem Stadtarchivar Stefan Schäfer und Museumsleiterin Martina Krug sowie mit jetzt im Ruhestand befindlichen Denkmalpfleger Burkhard Klapp stand Czichelski im engen Kontakt. Czichelskis größte Herausforderung als Ortsheimatpfleger war die Gründungsfrage der Stadt.

Zahlreiche Buchveröffentlichungen über Hann. Münden

Bereits vor seiner Zeit als Ortsheimatpfleger entstanden zahlreiche Schriften von Martin Czichelski, die als Bücher über den Verein Sydekum veröffentlicht wurden und sich reger Nachfrage erfreuten. Die meisten Bücher sind bereits vergriffen. Schon sehr früh schrieb er die Monografie über Leben und Werk des Künstlers Alfred Hesse (erschienen 1988). Zugleich gründete er mit Freunden eine Alfred-Hesse-Stiftung. Die gesammelten Originalbilder wurden im Jahr 2019 als beachtlicher Bestand an das Mündener Kunstnetz übertragen und werden dort fachgerecht bearbeitet. Zehn Jahre später (1998), kam die Chronik zum Schützenwesen der Stadt sowie zur Geschichte des Mündener Schützenvereins heraus. „Gemunde im frühen und hohen Mittelalter“, erschien 2006, zeitgleich mit seiner Ernennung zum Ortsheimatpfleger, was ein Zufall war. Es folgten weitere Themen, die in Buchformat gedruckt und durch den Sydekum herausgegeben wurden: Mündener Persönlichkeiten aus sechs Jahrhunderten, (als Gruppen-Arbeit mit weiteren Mitstreitern, erschienen 2007), Hansestadt Münden (2008), Mündener Kirchenbau-Historik am Beispiel von Sankt Blasius (2013), Königshof Münden (2016) sowie Neues zu Altmünden (2018). 

Hann. Münden: Weiter bei „Münden blüht und summt“ tätig

Die bis dahin vorhandenen, begrenzten Publikationen waren nach seiner Darstellung widersprüchlich, die aktuellen Aussagen von Wissenschaftlern ebenfalls. „So war die Recherche in diesem Feld sehr umfangreich, kompliziert und in andere Bereiche übergreifend“, berichtete er. Dennoch habe sich die Mühe gelohnt, mit dem Ergebnis, dass die Stadt von den Welfen gegründet wurde. Historiker und Wissenschaftler haben dies anerkannt. Dies ist in Buchform im Jahr 2002 beim Sydekum erschienen. Auf die Frage, was ihn in der Zeit als Ortsheimatpfleger besonders beeindruckt hat, antwortete er: „Auf einer Veranstaltung mit Thema Fachwerk meinte einer der Referenten, wenn sie Genaues über Fachwerk wissen möchten, dann fragen sie Heinz Hartung, der kennt alle Balken mit Vornamen“.

Heinz Hartung war Czichelskis Vorgänger, den er sehr geschätzt und bewundert hat. „Als Fazit halte ich fest, dass die Arbeit eines Ortsheimatpflegers nicht nur interessant, sondern auch wichtig im Interesse der Gemeinschaft einer Stadt und auch für einzelne Personen oder Familien ist“, resümierte Martin Czichelski diese Zeit. Die neue gewonnene Freizeit wird er unter anderem mit Lesen und Gartenarbeit verbringen. Dazu gehören auch die Hühner, an denen er seit einiger Zeit zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Eleonore Dehnerdt, viel Freunde hat. „Ich bin stolz auf meinen Mann, dass er das Amt abgeben konnte und ich nun auch Unterstützung in ihm habe“, betont sie, die aktiv in der Initiative „Münden blüht und summt“ tätig ist. (Petra Siebert)

Für den Denkmalschutz hat sich auch Karl-Wilhelm Lange eingesetzt. Er starb vor Kurzem. Ein Nachruf auf einen Mann, der viel in Hann. Münden geleistet hat.

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