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Dr. Eisenbart in Aktion: Künstler Gustav Eberlein und der Wanderchirurg

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Von: Bettina Wienecke

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Eisenbart und sein Patient: Der Bildhauer Gustav Eberlein (1847-1926) stellte den Wanderchirurgen beim Ziehen eines Zahnes dar.
Eisenbart und sein Patient: Der Bildhauer Gustav Eberlein (1847-1926) stellte den Wanderchirurgen beim Ziehen eines Zahnes dar. Auf dem rechten Bild ein Selbstbildnis Gustav Eberleins im Jahr 1900. © Bettina Wienecke

„Ich bin der Dr. Eisenbart, kurier die Leut nach meiner Art“, heißt es in einem bekannten Spottlied über den Wanderarzt, der in Hann. Münden verstarb. Auch der Künstler Gustav Eberlein hat sich mit dem Wanderchirurgen auseinandergesetzt.

Hann. Münden – Nach der Ausstellung „Von Münden in die Welt!“, die anlässlich des 175. Geburtstages des Bildhauers, Malers und Poeten Gustav Heinrich Eberlein (1847-1926) stattfand, bleibt das Städtische Museum im Welfenschloss noch bis Anfang April 2023 geschlossen.

Hann. Münden: Dr. Eisenbart verstarb 1727 in der Stadt

Dort gab es nicht nur ein modern anmutendes Selbstbildnis des Künstlers von 1900 aus dunkel getöntem Gips zu sehen, Gustav Eberlein erinnerte mit einer großen Figurengruppe aus Gips aus dem Jahr 1913 auch an den barocken Wanderchirurgen Doktor Eisenbart (1663-1727), zu dessen 250. Geburtstag er ein Denkmal entworfen hatte. Die geplante Bronzeskulptur als Mittelpunkt der Brunnenanlage wollte der Künstler eigentlich der Stadt Hann. Münden schenken. „Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat die Realisierung verhindert, ein zweiter Anlauf scheiterte 1917 an der schwierigen Finanzlage der Stadt“, erfuhren die Besucher im Museum.

„Ich bin der Dr. Eisenbart, kurier die Leut nach meiner Art. Kann machen, dass die Blinden gehen und dass die Lahmen wieder sehn“, heißt es in einem Spottlied. Dabei hatte Eisenbart durchaus Erfolge aufzuweisen: Er erfand eine Nadel zum Starstechen und einen Haken, um Polypen zu entfernen. Er soll auch Medikamente entwickelt und Bruchbänder angefertigt haben. Bei Frauenkrankheiten assistierte ihm seine Frau Elisabeth. Das Paar hatte sieben Kinder. Die Geschichte des Doktors Eisenbart (auch: Eisenbarth, Eysenbart oder Eysenparth) erfährt man unter anderem auf der Homepage der Erlebnisregion Hann. Münden verbunden mit einem touristischen Angebot.

Künstler Eberlein hatte Pläne für große Eisenbart-Statue

Johann Andreas Eisenbart wurde 1663 in der Oberpfalz als Sohn eines Augenarztes (Okulisten) sowie Bruch- und Steinschneiders (Wundarztes) geboren. Zehn Jahre lernte er bei seinem Schwager in Bamberg, der ebenfalls Okulist und Wundarzt war. In Altenburg in Thüringen machte er sich schließlich selbstständig und wohnte dort von 1685 bis 1703 mit seiner Familie. 1703 erwarb Eisenbart in Magdeburg ein stattliches Haus. In 83 Orten war der Wanderchirurg auf Märkten tätig und erhielt von deutschen Fürsten Privilegien.

Er soll Augenleiden (Staroperationen), Leisten- und Hodenbrüche, Blasensteine, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Krebs behandelt haben. 1727 machte er nach einem Schlaganfall in Göttingen sein Testament. Am 11. November 1727 starb er in Hann. Münden im damaligen Gasthaus Zum Wilden Mann an der Langen Straße. Beigesetzt wurde Eisenbart in einer Gruft im Chorraum vor dem Altar der St. Aegidienkirche, an deren Nordseite 1837 ein barocker Grabstein zu seinem Gedenken aufgestellt wurde. Das Städtische Museum am Schlossplatz 5 wird nach seiner Winterpause Anfang April 2023 wieder öffnen. (Bettina Wienecke)

Hann. Münden und Dr. Eisenbart gehörten fest zusammen. Der Doktor trat auch in einem Krimi-Teaser aus der Dreiflüssestadt auf.

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