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Prozess in Hann. Münden: Mutmaßlicher Zuhälter scheitert mit Anklage vor Gericht

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Von: Michael Caspar

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Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich ein Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten.
Vom Vorwurf der gemeinschaftlichen Körperverletzung hat der Richter drei Mündener freigesprochen – nach fast sieben Stunden Verhandlung. (Symbolbild) © Peter Steffen/dpa

Ein mutmaßlicher Zuhälter scheitert mit Anklage vor Gericht. Das Ganze wurde in Hann. Münden verhandelt. Es gab viele Widersprüche.

Hann. Münden – Vom Vorwurf der gemeinschaftlichen Körperverletzung hat Richter Matthias Thielbeer, Direktor des Amtsgerichts, drei Mündener freigesprochen – nach fast sieben Stunden Verhandlung.

Freispruch in Hann. Münden nach sieben Stunden Verhandlung

Unbedingt sprechen wollte eine Mündenerin ihren ehemaligen Lebensgefährten im März 2021. Ihre gemeinsame Tochter werde von einem Mann zur Prostitution gezwungen, eröffnete sie ihrem Ex-Partner auf einem Parkplatz in Hann. Münden. Nun wollten die zwei fortziehen.

Weil die 21-jährige Tochter telefonisch nicht zu erreichen war, gingen sie zur Wohnung des 25-jährigen Mannes. Dieser ist bereits in einem anderen Fall aufgrund von Zwangsprostitution – noch nicht rechtskräftig – verurteilt worden. Begleitet wurden die Eltern vom jetzigen Verlobten der Mutter.

Unterwegs schloss sich der Gruppe ein Bekannter der Tochter an. Als die vier bei der Wohnung ankamen, klingelte dort gerade der Postbote. Der mutmaßliche Zuhälter öffnete. Der Vater stieß die Tür auf. Erschreckt lief der junge Mann in die Wohnung. Im Esszimmer soll der Vater den jungen Mann lautstark aufgefordert haben, die Stadt zu verlassen, anderenfalls werde er ihn töten. So stellte es der mutmaßliche Zuhälter später gegenüber der Polizei dar.

Gab es einen Angriff mit dem Messer oder nicht?

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, so der junge Mann, habe der Stiefvater ihn am Arm gepackt. Der Vater habe dann versucht, ihm, dem Bedrohten, die Hand mit einem Messer abzuschneiden. Tatsächlich klaffte an seinem linken Unterarm eine fünf Zentimeter lange Schnittwunde.

Die Angeklagten bestritten den geschilderten Tathergang. Sie hätten nur mit der jungen Frau sprechen wollen. Der Stiefvater machte dem Gericht glaubhaft, dass er – seit Misshandlungen in der Kindheit – in bedrohlichen Situationen erstarre.

Der Postbote berichtete dem Gericht, dass die drei Männer sich nur kurz in der Wohnung aufgehalten und sie dann ohne Hast mit der jungen Frau verlassen hätten. Erst abends sei er unruhig geworden und habe die Polizei über den Vorfall informiert. Der junge Mann wollte der Polizei zunächst nicht aufmachen, sagte die Beamtin vor Gericht. Erst auf ihr Drängen hin habe er von dem Überfall berichtet.

Behandlung abgelehnt: Narben erhöhen Chancen bei Frauen

Zwei Tage später ging der 25-Jährige zum Arzt, um sich die Verletzung attestieren zu lassen. „Eine Behandlung lehnte er mit der Begründung ab, dass eine Narbe seine Chancen bei Frauen erhöhe,“ wunderte sich der Doktor. Ein knappes Jahr später erschien der junge Mann erneut beim Arzt. Diesmal ließ er sich attestieren, dass er seit der Verletzung seine Hand teilweise nicht mehr spüren könne. Er schrieb dann an den Stiefvater einen Brief, in dem er ihn zur Zahlung von 3500 Euro Schmerzensgeld aufforderte.

Der mutmaßliche Zuhälter verstrickte sich im Laufe der Befragung durch den Richter immer mehr in Widersprüche. Am Ende war er sich nicht einmal mehr sicher, ob ihn der Vater tatsächlich verletzt hatte. Vielleicht habe er den Angeklagten mit einer Selbstverletzung nur eins auswischen wollen, erkundigte sich der Richter schließlich. Der junge Mann schwieg und verließ schließlich den Gerichtssaal wie ein geprügelter Hund.

Für Familie auch nach dem Freispruch noch nicht ausgestanden

Für die Familie ist der Fall jedoch noch immer nicht ausgestanden. Die junge Frau lebt wieder beim 25-Jährigen. Sie geht anschaffen. Er lebt weitgehend von ihrem Geld, bekannte das vermeintliche Opfer vor Gericht. Die Mutter ist am Boden zerstört, weint viel, benötigt psychologische Betreuung. (Michael Caspar)

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