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Mythentage: Zwei Ausstellungen in Hann. Münden zu Fabeln und Fabelwesen

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Von: Michael Caspar, Jens Döll

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Liebt Fabelwesen: Ausstellungsmacher Florian Schäfer mit einem der scheuen Einhörner im Kabinett der Kreaturen.
Liebt Fabelwesen: Ausstellungsmacher Florian Schäfer mit einem der scheuen Einhörner im Kabinett der Kreaturen. © Michael Caspar

Mythentage in Hann. Münden: Es gibt zwei Ausstellungen dazu. Eine beschäftigt sich mit Fabelwesen, die andere mit Fabeln. Die Mythentage laufen noch bis Ende des Monats.

Hann. Münden - In Hann. Münden laufen seit dem 14.08.2022 die Mythentage. Es gibt ein reichhaltiges Angebot mit Vorträgen, Lesungen und auch mit Ausstellung. Fabelwesen wurden gezeigt und der französischen Literatur wird gewürdigt.

„Kabinett der Kreaturen“ zeigt Fabelwesen und Monster zu den Mythentagen

Einhörner, Drachen und viele andere Fabelwesen präsentiert der Biologe und Künstler Florian Schäfer während der Mythentage in den Denkräumen für Kulturgeschichte(n) an der Hann. Mündener Radbrunnenstraße 17. „Im Mittelalter nahmen europäische Gelehrte die Berichte griechischer Autoren über Einhörner für bare Münze“, berichtet Schäfer. Er hat eines der scheuen Wesen für die Ausstellung „Kabinett der Kreaturen“ aus Modelliermasse und Kunstfell nachgebildet. Groß wie eine Ziege ist der Paarhufer mit dem gedrehten Horn auf der Stirn.

„Weil dem Horn Heilkräfte nachgesagt wurden und es – als Trinkgefäß verwendet – gegen Gifte immun machen sollte, gab es bis in die Frühe Neuzeit eine große Nachfrage“, fand Schäfer bei seinen Studien heraus. Gedeckt wurde sie mit den Stoßzähnen des Narwals. Wikinger tauschten sie zunächst bei den grönländischen Inuit ein. Später gelang es nordischen Walfänger selbst, die Zahnwal-Art zu erbeuten.

Schäfer präsentiert in seinem 40 Quadratmeter großen Kabinett im ersten Stock der Denkräume auch Drachen wie den germanischen Lindwurm oder den alpenländischen Tatzelwurm. Zudem gibt es bei ihm nur regional bekannte Wesen wie den Aachener Bahkauv zu sehen. Dieses kalbsgroße, zottige Fabelwesen springt nachts betrunkenen Männern auf den Rücken, wenn diese von der Kneipe nach Hause torkeln. Das versuchen Zecher jedenfalls ihren Ehefrauen glauben zu machen.

Eindrucksvoll ist der mannshohe Rollibock des Kabinetts, von dem Schweizer berichten. Das steinbockähnliche Wesen ist mit Schnee und Eisschollen bedeckt. Der Überlieferung nach soll es Naturfrevler unter Lawinen begraben. Das würde das Geschöpf eigentlich zu einem guten Maskottchen von Klimaschutzaktivisten machen, findet Schäfer. In Hann. Münden zeigt der Biologe auch bayrische Wolpertinger. Tierpräparatoren setzen sie seit dem 19. Jahrhundert aus Körperteilen verschiedener Tiere zusammen und verkaufen sie an leichtgläubige Touristen.

Den Sattenhäuser (Gemeinde Gleichen) haben Fabelwesen schon als Kind begeistert. In der Schule hielt Schäfer ein Referat über das Thema. Später studierte er Biologie mit dem Schwerpunkt Naturschutz. Nach Tätigkeiten in Museen hat er sich 2017 wieder dem alten Sujet zugewandt. Er hat bereits ein Buch über Hausgeister veröffentlicht. Nun soll ein Buch über Fabelwesen folgen. Erste Ergebnisse seiner Recherchen präsentiert er in der Ausstellung. (Michael Caspar)

Begegnung mit den Fabelwesen

Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober jeweils donnerstags bis sonntags zwischen 12 bis 18 Uhr in den Denkräumen, Radbrunnenstraße 17 zu besichtigen.

In der Casa Feliz wird den Fabeln von La Fontaine gewürdigt

Eintauchen in Frankreichs Fabeln: Gudrun Bartels zeigt ein Buch mit Illustrationen zu den Fabeln Jean de La Fontaines. Zu sehen ist das Stück „Der Delfin und der Affe“. Im Hintergrund sind die Kunstdrucke des Illustrators J. J. Grandville zu erkennen.
Eintauchen in Frankreichs Fabeln: Gudrun Bartels zeigt ein Buch mit Illustrationen zu den Fabeln Jean de La Fontaines. Zu sehen ist das Stück „Der Delfin und der Affe“. Im Hintergrund sind die Kunstdrucke des Illustrators J. J. Grandville zu erkennen. © Jens Döll

Tiere mit Klamotten oder mit menschlichen Eigenschaften. Motive wie Habgier, Krankheit, Pest und Neid, aber auch Tugend. Das sind Bestandteile der Fabeln, die der französische Schriftsteller Jean de La Fontaine (1621 bis 1695) verfasst hat. Sein Werk gilt als Klassiker der französischen Literatur und ist auch heute noch vielen Franzosen präsent.

„Man kann das mit den Grimm’schen Märchen vergleichen“, sagt Gudrun Bartels, Künstlerin und Vorstandsmitglied des Vereins Göttinger Märchenland. Im Zuge der Mündener Mythentage hat sie eine Ausstellung zum Werk La Fontaines in der Casa Feliz, Lohstraße 3, zusammengestellt. Zu sehen sind Illustrationen zu den Fabeln von den Künstlern Gustave Doré (1832 bis 1883) und J. J. Grandville (1803 bis 1847). Zudem noch vom Illustrator Benjamin Rabier (1864 bis 1939) und von unbekannten Künstlern, deren Wirken auf Ende des 18. Jahrhunderts datiert werden. Die Zeichnungen schmücken die Wände in der Casa Feliz. Die Kupferstiche von Grandville sind eher düster, zeigen die vermenschlichten Tiere in erschlagender, detaillierter Natur.

Zu sehen sind auch Monster, Geister und ein Delfin, der mehr an einen Hund erinnert. Dieser rettet vor der Küste Griechenlands einen Affen, der Schiffbruch erlitten hat. Der Affe täuscht vor, dass er ein Mensch ist, am Ende fliegt der Schwindel auf, der Affe wird ertränkt. Die Moral: „Lügen lohnen sich nicht“. Doré hat bunte Illustrationen angefertigt. Darunter auch zu einer berühmten Fabel von La Fontaine. Ihr Titel ist „Der Rabe und der Fuchs“. Ein Rabe hat ein Stück Käse und sitzt unerreichbar für den Fuchs auf einem Baum. Der Fuchs schmeichelt dem Raben so lange, dass er seinen Schnabel zum Gesang öffnet und den Käse fallen lässt. Eitelkeit wurde als Waffe gegen den Vogel eingesetzt.

Die Illustrationen hat Gudrun Bartels aus ihrer reichhaltigen Bibliothek, wie sie erzählt, und aus dem Fundus eines Göttinger Antiquariats. Die Drucke wurden vom Göttinger Verlag der Kunst angefertigt. „Die Fabeln haben Ähnlichkeit mit Märchen, sind aber doch etwas Eigenes“, berichtet sie. Ähnlich wie die Brüder Grimm habe La Fontaine sie von älteren Quellen zusammengetragen. Sie erhalten oft Anspielungen auf die griechische Antike.

Die Ausstellung „Fabelhafte Illustrationen“ war bereits Anfang Oktober im Göttinger Apex zu sehen. „Der Mitorganisator der Mythentage, Florian Schäfer, hat mich angesprochen, ob ich nicht ausstellen möchte.“ Fabeln gehören in das Reich der Mythen, daher habe sie zugesagt. Sie berichtet aber auch, dass das Thema Märchen und Fabeln früher an der Uni präsenter war, es war für Veranstaltungen leichter, Helfer zu finden. Der Verein Göttinger Märchenland, dem sie als Organisatorin angehört, hat die Göttinger Märchenwoche organisiert. Die letzten davon waren 2019 zum Thema „Seidenstraße“. Der Verein existiert seit über 20 Jahren. (Jens Döll)

Besondere Öffnungen möglich

Die Ausstellung ist am 22. und 23.10.2022 jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Am kommenden Wochenende, 28. bis 30.10.2022, ist sie ebenfalls von 12 bis 17 Uhr offen. Der Eintritt ist frei. Eine Spende wird gerne gesehen. „Wenn eine Gruppe aus frankreich- oder fabelaffinen Leuten zusammenkommt, kann man auch gerne eine Öffnung außerhalb der Zeiten vereinbaren“, sagt Bartels. Wenn sich Gruppen zusammenfinden, E-mail an info@maerchenlandgoe.de

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