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Nachruf auf Karl-Wilhelm Lange: Pionier für den Denkmalschutz

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Von: Petra Siebert

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Soziale Stadtentwicklung: Das war eines der Herzensanliegen von Karl-Wilhelm Lange. Er hinterlässt bleibende Erinnerungen.
Soziale Stadtentwicklung: Das war eines der Herzensanliegen von Karl-Wilhelm Lange. Er hinterlässt bleibende Erinnerungen. (Archivfoto) © Petra Siebert

Karl-Wilhelm Lange galt als Protestant und Demokrat, Vordenker des Denkmalschutzes und Menschenfreund. Er starb nun mit 88 Jahren. Er hinterlässt viele bleibende Spuren.

Hann. Münden – Karl-Wilhelm Lange ist gestorben. Der ehemalige Stadtdirektor und Ehrenbürger von Münden, Regierungspräsident a.D. in Braunschweig und Präsident a. D. des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde 88 Jahre alt. Was bleibt, sind die Erinnerungen und die vielen nachhaltigen Spuren, die er hinterlassen hat und die auch über seinen Tod Bestand haben werden.

Hann. Münden: Karl-Wilhelm Lange mit 88 Jahren gestorben

Eine der Spuren ist beispielsweise die Altstadtsanierung. Er war Pionier für den Denkmalschutz, zugleich aber verband er den Erhalt der städtebaulichen und historischen Qualität des vorhandenen Gebäudebestandes mit der erforderlichen sozialen und baulichen Modernisierung. Er gründete mit etlichen anderen die heute noch wichtige „Arbeitsgemeinschaft historischer Fachwerkstädte“.

Die „soziale Stadtentwicklung“ war für ihn eine Herzensangelegenheit. Früh wurde die wichtige Aufgabe der Integration von Bürgerinnen und Bürgern ausländischer Herkunft erkannt. Für junge Menschen unterschiedlicher Nationen ist das Geschwister-Scholl-Haus bis heute ein Ort der Kommunikation und Kooperation geblieben.

Auf seine Initiative wurde im Jahre 1972 der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum gegründet, der bis heute aktiv und erfolgreich wesentliche Beiträge zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte geleistet hat.

Er setzte sich für die Völkerverständigung ein

Mit anderen zusammen gründete er 1988 den Verein für Städtepartnerschaften. Der Jugendaustausch zwischen den Partnerstädten Chelmno (Polen), Holon (Israel), sowie Surenes (Frankreich) findet noch regelmäßig statt. Mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern rief Karl-Wilhelm Lange 1995 den Verein „Erinnerung und Mahnung“, ins Leben, mit dem Ziel, die Erinnerung an die früheren jüdischen Mitbürger wach zu halten und zur Förderung der deutsch-israelischen Verständigung beizutragen.

Ein Brief an Karl-Wilhelm Lange

Einer von Karl-Wilhelm Langes ehemaligen langjährigen Mitarbeitern hat in einem Brief an ihn seine Empfindungen so ausgedrückt:

„Wir waren ein gutes Team, unterschiedlich in den Temperamenten, in den Fähigkeiten und Erfahrungen, aber freundschaftlich verbunden im gegenseitigen Vertrauen, loyal miteinander. Der gemeinsame unbedingte Wille war, die Stadt Münden voranzubringen. Wir wollten aus diesem Kleinod zwischen den Großstädten Kassel und Göttingen eine wirtschaftlich gesunde, sozial vorbildliche und vor allem auch kulturelle Perle entwickeln. Beeindruckt bis heute hat mich deine Zuneigung und Hilfsbereitschaft für Schwächere in unserer Gesellschaft, die Hilfe und Unterstützung brauchten“.

Später hat er von 1998 bis 2002 als Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge versucht, Brücken zu bauen für Verständigung und Frieden zwischen ehemals verfeindeten Ländern. „In seiner Grundhaltung war Karl-Wilhelm Lange geprägt als Protestant und Demokrat und hat auch stets sein Denken und Handeln danach ausgerichtet“, betont Manfred Wesemann. Er war Direktor des Bildungsinstituts der Polizei Niedersachsen in Hann. Münden, und durch 17 Jahre gemeinsame Kommunalpolitik mit dem Verstorbenen befreundet. Die Freundschaft der beiden Männer und deren Familien bestand seit 1973. „Wenige Tage vor seinem Tod haben Karl-Wilhelm Lange und ich noch einmal die lange Zeit unserer freundschaftlichen Verbundenheit und unserer politischen Arbeit in einem längeren Gespräch mit vielen Erinnerungen lebendig werden lassen“, berichte Wesemann. Sein gesamtes berufliches Leben habe Lange in den Dienst der Gesellschaft gestellt.

Karl-Wilhelm Lange hinterlässt vier Kinder, neun Enkel- und drei Urenkelkinder

Er konnte und wollte nie abseitsstehen, er wollte Probleme anpacken und lösen, möglichst Verbesserungen schaffen. Das habe er auch über seine aktive Dienstzeit in seinem (Un-) Ruhestand noch getan. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, habe ihm als Lebensmotto gegolten. „Vor allem aber handelte er mit Weitsicht und Klugheit, mit politischem Geschick und hatte die nötige Ausdauer, den Mut und das Durchsetzungsvermögen, um mit anderen gemeinsam erforderliche Veränderungen und Entwicklungen zum Wohle der Allgemeinheit voranzubringen“, erinnert sich Wesemann. „In all seinen Ämtern und Funktionen hat er die Zusammenarbeit mit anderen, den Zusammenhalt besonders geschätzt“.

Ratsherr Hartmut Teichmann sagt über Lange, den er sehr schätzte: „Auch mir geht der plötzliche Tod von Karl-Wilhelm Lange sehr nahe. Noch Mitte März hatte er mich angerufen. Denn eines seiner Herzens-Themen war der Erhalt der Wallanlagen. Mehrfach hatte er sie mit der Initiative Hände weg vom Wall vor der Zerstörung gerettet. Und jetzt sah er die Wallanlagen erneut durch eine unangemessene Nutzung gefährdet. Das muss ihm sehr nahe gegangen sein. Sein unermüdliches Engagement für unsere Stadt ist in höchstem Maße anzuerkennen. Seine Stimme wird uns fehlen.“

Im Ruhestand unternahm er mit seinem „Fahrradfreund“ gern und oft Fahrradtouren in der näheren Umgebung, aber auch in überregionalen Bereichen, manchmal auch über mehrere Tage. Karl-Wilhelm Lange hinterlässt vier Kinder, neun Enkel- und drei Urenkelkinder. (Petra Siebert)

Träger vieler Auszeichnungen

Karl-Wilhelm Lange wurde 1966 vom Rat der Stadt zum Stadtdirektor gewählt und war mit 33 Jahren einer der jüngsten Stadtdirektoren in Deutschland. 27 Jahre engagierte er sich in diesem Amt. Im schleswig-holsteinischen Meldorf hatte er zuvor als Bürgermeister kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt. Er kehrte als Stadtdirektor in seine Heimatstadt Hann. Münden zurück, in der er seine Jugend verbracht und am Gymnasium 1954 sein Abitur gemacht hatte. Sein Studium der Rechtswissenschaften absolvierte er in Freiburg und Göttingen. Mit seiner Frau Heike und seinen Kindern fand er 1966 dann hier eine dauerhafte Bleibe. Lange ist Träger des großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, des großen Verdienstkreuzes des Landes Niedersachsen und des Kommandeurskreuzes der Republik Polen. 

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