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Über 2800 Nieren im Klinikum Hann. Münden verpflanzt

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Von: Michael Caspar

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Jeder Mensch sollte sich eine Meinung zu Thema Organspende machen und darüber seine Angehörigen informieren: Dafür werben Dr. Jens Küster und Prof. Ute Eisenberger vom Klinikum Hann. Münden.
Jeder Mensch sollte sich eine Meinung zu Thema Organspende machen und darüber seine Angehörigen informieren: Dafür werben Dr. Jens Küster und Prof. Ute Eisenberger vom Klinikum Hann. Münden. © Michael Caspar

Das Hann. Mündener Klinikum blickt auf 50-jährige Geschichte zurück. Es wurden über 2800 Nieren verpflanzt, damit ist das Klinikum deutschlandweit an der Spitze.

Hann. Münden – Zu den deutschlandweit führenden Zentren für Nierentransplantationen gehört das Klinikum Hann. Münden, das vor 50 Jahren als Nephrologisches Zentrum Niedersachsen (NZN) gegründet worden ist.

Hann. Münden: Klinikum ist eines der führenden Zentren für Nierentransplantationen

„Als Professor Eduard Quellhorst 1972 unsere Vorläufereinrichtung aufbaute, gab es fast keine Dialysestationen in der Bundesrepublik“, berichtet Dr. Jens Küster, der Ärztliche Direktor des Klinikums und Chefarzt der Urologie. Damals war die Lebenserwartung von Patienten, deren Nieren nicht mehr funktionierten, niedrig. Harngift reicherte sich in ihrem Körper an. Betroffene wurden immer müder und starben schließlich.

Quellhorst, der an der Universitätsmedizin Göttingen arbeitete und forschte, wollte neue Wege bei der Blutreinigung gehen. Für diese Idee gewann er Niedersachsens damaligen Sozialminister, Kurt Partzsch (SPD). Unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt, dessen Bundesvorsitzender Partzsch in Personalunion war, entstand das NZN.

Vorläufereinrichtung 1972 in Hann. Münden aufgebaut

1974 eine Weltneuheit: Der Mündener Techniker Christoph Klein war maßgeblich an der Entwicklung der ersten nach dem Prinzip der Filtration funktionierenden Künstlichen Niere beteiligt.
1974 eine Weltneuheit: Der Mündener Techniker Christoph Klein war maßgeblich an der Entwicklung der ersten nach dem Prinzip der Filtration funktionierenden Künstlichen Niere beteiligt. © Michael Caspar

Es kam in einer aufgegebenen Reha-Klinik am Vogelsang 105 unter. „Das Gebäude hatte die Größe eines Mehrfamilienhauses“, erinnert sich Küster. Oben wohnten anfangs Ärzte. Quellhorst perfektionierte Am Vogelsang gemeinsam mit Techniker Christoph Klein Dialysegeräte. Unterstützung kam von der Urologie, die Dr. Friedrich Grabner und Dr. Winfried Schott leiteten.

Schott wollte Patienten heilen, indem er ihnen eine gesunde Niere einsetzte. Die weltweit erste längerfristig erfolgreiche Nierentransplantation hatte 1954 der spätere Nobelpreisträger Joseph Murray in den USA durchgeführt. 1963 gelang dies erstmals in Deutschland.

Der Mündener Urologe ging seinerzeit für einige Wochen nach Amerika, um sich fortzubilden. Der medizinische Eingriff galt damals als risikoreich. Schott führte 1977 die ersten elf solcher Operationen in Hann. Münden durch. Bei einem dieser Patienten arbeitet das damals erhaltene Organ noch immer. Mittlerweile sind in der Dreiflüssestadt 2841 Nieren erfolgreich verpflanzt worden, seit Februar unter Chefärztin Professorin Ute Eisenberger.

Klinikum Hann. Münden: Transplantation kostet etwa 20 000 Euro

Eine Nierentransplantation rechnet sich trotz ihrer Kosten von heute 20 000 Euro sowie regelmäßiger Nachuntersuchungen auch für die Krankenkassen“, betont der Ärztliche Direktor des Klinikums Hann. Münden, Dr. Jens Küster. Die regelmäßige Dialyse ist nämlich auf Dauer teurer.

In den 1970er- und 1980er- Jahren kamen die Patienten von weit her nach Hann. Münden. Heute gibt es deutschlandweit rund 40 Einrichtungen, die Nierentransplantationen vornehmen, überwiegend Universitätskliniken. Hann. Münden mit seinen fünf Operateuren und den eingespielten Teams, die 365 Tage im Jahr auf Abruf bereitstehen, gehört mit jährlich rund 50 Operationen zum vorderen Drittel.

Vorangebracht hat die Einrichtung ihre Fusion mit dem örtlichen Vereinskrankenhaus 2012. Nun sind Ärzte verwandter Richtungen mit im Haus. Das medizinische Angebotsspekturm hat sich deutlich erweitert.

Bundesweiter Skandal führte zu Einbruch bei Transplantationen

„Zu einem Einbruch bei den Transplantationen kam es 2012 bundesweit im Zusammenhang mit dem bis dato größten solchen Skandal in der Republik“, sagt Küster. Mediziner sollen Krankenakten gefälscht haben, um ausgewählte Patienten mit Spenderorganen zu versorgen.

Das hatte auch für Hann. Münden Folgen, wo in Spitzenzeiten 110 Organe im Jahr verpflanzt worden sind. „Wir müssen uns das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen“, weiß der Ärztliche Direktor. Er betont, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Organ abzugeben, kleiner sei als die, eines zu empfangen. Küster, der selbst einen Organspenderausweis besitzt, bittet Menschen, sich eine Meinung zum Thema zu bilden. Das Ergebnis sollten sie den Angehörigen mitteilen. „Das erleichtert dann Hinterbliebenen im Falle eines Hirntods die rasche Entscheidung“, ergänzt die Mündener Nephrologie-Chefärztin Prof. Ute Eisenberger. (Michael Caspar)

Im Klinikum in Hann. Münden werden auch Pflegekräfte ausgebildet. In diesem Jahr wurde dort das erste Baby geboren.

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