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Wie Dörfer und Stadt verschmolzen: 50 Jahre kommunale Gebietsreform in Hann. Münden

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In Hemeln war man weit weg von der Stadt. Die Bewahrung dörflicher Kultur spielt bis heute noch eine ganz besondere Rolle. Die Dorfstraße um 1970.
In Hemeln war man weit weg von der Stadt. Die Bewahrung dörflicher Kultur spielt bis heute noch eine ganz besondere Rolle. Die Dorfstraße um 1970. © Stadtarchiv Hann. Münden/Repro: Stefan Schäfer

50 Jahre kommunale Gebietsreform. Städte und Dörfer wuchsen damals zusammen. So auch Hann. Münden und seine Ortsteile.

Hann. Münden – Zehn Ortsteile und die Kernstadt bilden seit dem 1. Januar 1973 die Stadt Münden. Sie heißt zudem seit dem 1. Januar 1991 Hann. Münden. Emotional verlief für einige die Eingemeindung schon, waren es doch seit Jahrhunderten die Greben, Bürgermeister oder nach der damaligen Niedersächsischen Gemeindeordnung die Gemeindedirektoren, die für die Geschicke der Dörfer verantwortlich waren.

Aus Hemelnern wurden Mündener

Fragt man die länger ansässigen Bewohner der Ortsteile, so werden sie sich sicherlich als Oberöder, Hemelner oder „Wiershüser“ bezeichnen. Ein Gimter ist ein „Hechtskopp“, weil dieser auf dem Gemeindewappen prangt. Wer sich bei denen unbeliebt machen wollte, sprach von „Krimpenfretern“, darunter verstand man grätenhaltige Kleinfische, die öfters als gewünscht das karge Mahl im Fischer- und Flößerdorf darstellten. Doch schon damals war der Wandel in den Dörfern spürbar. Leben und Arbeit in einem Dorf wurden zur Ausnahme.

Einige Jahrzehnte zuvor konnte ein Bürgermeister bildlich gesprochen vom Küchentisch die laufenden Geschäfte der Verwaltung regeln. Doch die Ansprüche wuchsen rasant: Straßenausbau, Kanalisation und Stromversorgung, Erschließung von Baugebieten, aber auch als verlängerter Arm des Staates mit Meldewesen, Renten- und Sozialberatung, all das musste eine kleine Gemeindeverwaltung regeln. Dieses unvollständige Portfolio an Aufgaben macht deutlich, dass eine Bündelung und Professionalisierung der Aufgaben zwingend erforderlich wurde.

Niedersachsen: Reform vor 50 Jahren

Gimtes Gemeindeverwaltung mit Einliegerwohnung, dazu der Brunnen zum 1000. Ortsjubiläum von 1970. Die Nähe zur Kernstadt ließ die Einwohnerschaft schnell anwachsen.
Gimtes Gemeindeverwaltung mit Einliegerwohnung, dazu der Brunnen zum 1000. Ortsjubiläum von 1970. Die Nähe zur Kernstadt ließ die Einwohnerschaft schnell anwachsen. © Stadtarchiv Hann. Münden/Repro: Stefan Schäfer

In Niedersachsen wurden diese Reformen in der Zeit von 1972 bis 1978 durchgeführt. Sie wurden vor allem als Kreisreformen gedacht. Ebenfalls zum 1. Januar 1973 ging der Landkreis Münden im Landkreis Göttingen auf. 1971 unterbreitete die Stadt den Vorschlag, Atzenhausen, Barlissen, Speele und Lutterberg auch zu Münden einzugemeinden. An Mielenhausen hatte Dransfeld Interesse. Letztlich erarbeitete das Innenministerium den Gemeindezuschnitt.

Der Landtag verabschiedete am 20. November 1972 das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Kreis Göttingen. Nun schlossen die zehn einzugemeindenden Dörfer jeweils Gebietsänderungsverträge mit der Stadt. Im Rat der Stadt Münden machte man sich Gedanken darüber, dass man rund 5 Mio. DM Schulden aus den Gemeinden zu übernehmen habe. 4 Mio. DM stünden keine realen Gegenwerte gegenüber.

Aber es gab auch Sahnestücke. Bonaforth, mit etwa 700 Einwohnern, hatte einen potenten Gewerbesteuerzahler, die Zellstofffabrik Alphalint. Stadtdirektor Karl-Wilhelm Lange kämpfte für die Stadt, denn er sah die Abwanderung von Behörden voraus, die auch folgen sollten. Die Verlegung der Forstlichen Fakultät nach Göttingen Ende 1971 hatte man noch vor Augen. Hierzu bilanzierte die Stadt, dass rund 200 Arbeitsplätze verloren gingen und ein Einwohnerverlust von 500 Personen hingenommen werden musste.

Rest der Selbstbestimmung ist in den Ortschaften geblieben

Nach der Eingemeindung verfügte die Stadt zum 30. Juni 1973 über 27 466 Einwohner (Vergleich 31. Dezember 2022, 24 254 Einwohner). Zu den ersten großen Aufgaben der Flächenstadt Münden gehörte die Entwicklung eines Industriegebietes entlang der Göttinger Straße, aber auch der Dorfgemeinschaftshäuser in den Ortsteilen. Ein Rest der gemeindlichen Selbstbestimmung ist geblieben: Ortsbürgermeister und Ortsbürgermeisterinnen sowie Ortsrätinnen und Ortsräte kümmern sich um die Belange der Ortsteile. So entsteht ein örtlicher Zusammenhalt, den die Kernstadt sich wünschen kann. (Stefan Schäfer)

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