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Oscarpreisträger zeigt Trickfilme in Hann. Münden

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Von: Kim Henneking

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Für den Film Quest erhielt Thomas Stellmach einen Oscar. In Hann. Münden erklärte er, wie der Film produziert wurde.
Nach der Vorstellung: Thomas Stellmach und Kinobetreiber Wolfgang Würker (linkes Bild). Für den Film Quest erhielt Thomas Stellmach einen Oscar. In Hann. Münden erklärte er, wie der Film produziert wurde. © Kim Henneking

Trickfilme als Kunst. Das zeigte Regisseur Thomas Stellmach im Mündener Kino. Dies war Teil des DKKD-Festivals.

Hann. Münden – Einen Oscar-prämierten Film aus Deutschland gibt es selten. Einen Oscar-Gewinner aus Kassel noch seltener. Doch genau das war am Dienstagabend im Capitol-Kino Hann. Münden anlässlich des Denkmal-Kunst-Kunst-Denkmal-Festivals (DKKD) zu sehen: Thomas Stellmach war mit seinem Film „Quest“ zu Gast, für den er in der Kategorie „bester animierter Kurzfilm 1996“ ausgezeichnet wurde.

Hann. Münden: Oscarpreisträger zeigt Trickfilme

„Ich möchte, dass sie Filme mit anderen Augen sehen“, sagte Stellmach. Der Kasseler Filmemacher gab anhand acht seiner Werke einen Einblick in die Welt der Filmproduktion - ein Auszug aus seinem Vortrags- und Workshop-Angebot.

Nach der Vorstellung: Thomas Stellmach und Kinobetreiber Wolfgang Würker
Nach der Vorstellung: Thomas Stellmach und Kinobetreiber Wolfgang Würker © Kim Henneking

Als „Macher“ und „Bastler“ bezeichnet sich der gebürtige Bayer, der sich leidenschaftlich über mehrere Jahre mit seinen Projekten beschäftigt. „Ich weiß manchmal selbst nicht, wie ich auf die Ideen komme“, beantwortete Stellmach eine Frage aus dem Publikum. „Man muss schon verrückt sein“, sagte er, auch in Bezug auf die unregelmäßigen und geringen Einnahmen, die Kurzfilmproduzenten erhielten.

Seine Filme stelle er aus Überzeugung nicht ins schnelllebige Internet, präsentiere sie lieber auf Filmfestivals. „Ich möchte Kurzfilme wieder ins Kino bringen“, sagt er. Der erste Film des Abends war ein Trickfilm mit dem Titel „Unkraut“ aus dem Jahr 1991, der die Geschichte einer Schnecke erzählt, die ihre grüne Wiese an Bauarbeiten verliert.

Für das kleine grüne Quadrat inmitten weißer Fliesen benötigte er 24 Bilder pro Sekunde. Diese zeichnete und kolorierte er mit der Hand. Auf jedem Bild bewegte sich die Schnecke ein kleines Stück fort. Die bemalten Folien wurden übereinandergelegt, um einen dreidimensionalen Effekt zu erzeugen. Nach 18 Monaten hatte Schellmann genug Material für einen vierminütigen Film im Kasten.

„Ich möchte, dass sie Filme mit anderen Augen sehen“

Mit dem Geld von „Unkraut“ finanzierte Stellmach große Teile der Produktion von „Quest“ (deutsch: Suche). Vier Jahre lang arbeitete er mit seinem Partner Tyron Montgomery an der Kunsthochschule Kassel daran.

Der knapp zwölf Minuten lange Film erzählt die Geschichte einer Sandfigur, die auf der Suche nach Wasser in immer tiefere Erdschichten gerät. Was heute wohl mit Computer und Green Screen animiert würde, hat das Duo in den 90er-Jahren selbst gebaut. Drei Modelle der Sandfigur konnten über ein Metallskelett ihre Mimik und Gestik verändern. Sand, Papier, Steine und rostige Metallgegenstände haben die Filmemacher in Detailarbeit aufgebaut, bewegt und gefilmt.

Eine besondere Technik kam im „Virtuos Virtuell“ zum Einsatz. Darin visualisieren Thomas Stellmach und Maja Oschmann die klassische Ouvertüre von Louis Spohrs „Der Alchymist“.

Schwarze Tusche bewegt sich in Rhythmus und Geschwindigkeit der Musik über ein weißes Papier. Besonders dieser Film begeisterte das Publikum, das auch nach vier Stunden Aufenthalt im Kino - und damit für das DKKD-Format leider deutlich zu lang - interessiert Fragen stellte und persönliche Gespräche mit dem Filmemacher suchte. (Kim Henneking)

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