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Ein „Riesenthema“ bei Schülern: Stimmen zur Cannabis-Legalisierung aus dem Raum Hann. Münden

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Die Blätter von Hanfpflanzen.
„Wann Bubatz legal?“ heißt es im Moment in ganzen Land. Die Regierung will Cannabis legalisieren, das ruft bei manchen Experten Sorge hervor. (Symbolbild) © Oliver Berg/dpa

Die Berliner Ampel-Regierung plant die Legalisierung von Cannabis. Das trifft nicht bei allen auf große Freude.

Hann. Münden – Die Berliner Ampel-Koalition will Cannabis legalisieren, vielleicht bereits im kommenden Jahr. Ein „Riesenthema“ sei das derzeit unter jungen Menschen, berichtet Uta Masche von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks in Hann. Münden.

„Vielfach verteufeln sie Alkohol und verklären Cannabis“

Teenager konsumieren im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich oft Cannabis. „Vielfach verteufeln sie Alkohol und verklären Cannabis“, beobachtet Masche. Die jungen Leute fühlten sich durch die bevorstehende Legalisierung in ihrer Ansicht bestätigt. Dabei seien legale Mittel nicht zwangsläufig ungefährlich, wie die Beispiele von Alkohol und Tabak zeigten.

„Regelmäßiger Cannabiskonsum in jungen Jahren verlangsamt die Entwicklung“, gibt Masche zu bedenken. Allgemein könnten sich Cannabis-Konsumenten schlechter konzentrieren. Lernleistung und Reaktionsfähigkeit nähmen ab. Wie bei Tabak und Alkohol bestehe immer das Risiko des Kontrollverlusts. Vor allem bei persönlichen Krisen griffen Konsumenten häufiger zur Droge. Irgendwann lasse sich der Konsum nicht mehr steuern. Er beginne das Leben zu dominieren.

„Dauer-Konsumenten werden unzuverlässiger, die Leistung fällt ab“, warnt die Suchtberaterin. Betroffene kämen in Schule, Ausbildung oder Beruf nicht mehr mit, schafften die Abschlüsse nicht, verlören ihre Stelle. Hinzu kämen Geldprobleme. Wer zwei Gramm Cannabis am Tag benötige, müsse bei einem Grammpreis von 13 Euro 780 Euro im Monat aufbringen. Manche Jugendliche würden beginnen zu dealen oder zu stehlen. Die Fachstelle in Münden bekommt regelmäßig junge Leute von der Jugendgerichtshilfe zugewiesen.

Deutschland: Sechs Prozent der Einwohner im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert

„Die jungen Menschen brauchen meistens einige Zeit, bis sie sich ihre Sucht eingestehen“, sagt Masche. Andere würden ihr Problem erkennen, wenn sie mit 20 Jahren nach einem positiven Drogentest bei einer Fahrzeugkontrolle den Führerschein verlieren. „Im vergangenen Jahr suchten 17 reine Cannabis-Konsumenten unsere Beratungsstelle auf, gut zehn Prozent aller unserer Klienten“, sagt Masche. Unter den übrigen Personen benutzten viele nebenher auch Cannabis. Die Gesamtzahl der Cannabis-Konsumenten in Hann. Münden schätzte Mündens Polizeichef Manfred Weber, der 2016 in Ruhestand gegangen ist, vor zehn Jahren auf 250 bis 300 Personen. Nach repräsentativen Studien haben in Deutschland sechs Prozent der Einwohner mindestens einmal im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert.

Bei 24 000 Einwohnern in Hann. Münden wären das 1440 Personen. Die von Weber genannte, deutlich niedrigere Zahl könnte sich auf die Menschen beziehen, die die Droge wöchentlich oder gar täglich konsumieren. Zu aktuellen Zahlen macht die Polizei in Münden keine Angaben. Polizeisprecherin Jasmin Kaatz teilt aber mit, dass es in Münden bei 80 Prozent aller Drogen-Fälle um Cannabis geht.

Hann. Münden: Polizei spricht nicht von offener Drogenszene

Da es in Hann. Münden, anders als etwa in Göttingen oder Kassel, keine offene Drogenszene gibt, kommt die Polizei Konsumenten in der Regel nur durch Zufall auf die Spur, berichtet Kaatz. Häufig fielen Kiffer im Straßenverkehr auf. Bei einem positiven Bluttest folge eine Strafanzeige aufgrund des Verdachts des illegalen Rauschmittel-Erwerbs. Auch dazu nennt die Polizei keine konkreten Zahlen. Bei den beschlagnahmten Cannabis-Produkten in der Region Göttingen liegt der durchschnittliche Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC, dem Hauptwirkstoff) bei 13 bis 14 Prozent, berichtet Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue. Die Wirkstoffkonzentration habe sich im Laufe der vergangenen Jahre erhöht. Der THC-Gehalt von Cannabisprodukten, die künftig legal zu erwerben seien sollen, wird voraussichtlich bei 15 Prozent liegen.

Die Zahl der Drogenhändler, die vor zehn Jahren in der Dreiflüssestadt in Erscheinung traten, schätzte Mündens ehemaliger Polizeichef Weber seinerzeit auf 25 bis 30 Menschen.

Im Jahresdurchschnitt würden fünf bis zehn Dealer zu Haftstrafen verurteilt. Bei den Händlern in der Region Göttingen handelt es sich nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Laue um Personen, die – anders als in Berlin, Frankfurt oder Hamburg – „eher nicht“ zur organisierten Kriminalität gehörten.

Die Polizei in Hann. Münden entdeckt im Jahr ein bis zwei Cannabis-Plantagen mit bis zu fünf Pflanzen im Jahr, in der Regel nach Hinweisen von Bürgern. Oberstaatsanwalt Laue berichtet für den Raum Göttingen von „mehreren Plantagen“ im Jahr. Das Spektrum erstrecke sich vom kleinen Zelt bis hin zu Pflanzungen, die über mehrere Stockwerke reichten. Auch Outdoor-Plantagen, etwa im Wald, gebe es. Nach Plänen der Berliner Ampel soll künftig der Anbau einer begrenzten Anzahl an Hanf-Pflanzen legal sein. (mic)

Eine der ältesten Nutzpflanzen

Der wohl aus Zentralasien stammende Hanf (Cannabis) zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit.
Aus den Fasern der Stängel lassen sich widerstandsfähige Seile und Stoffe, aber auch Papiere herstellen, aus dem Samen Speiseöl pressen. Zur Rauschmittel-Erzeugung dienen weiblichen Pflanzen. Das Harz ist als Haschisch, die getrockneten Blütenstände sind als Marihuana bekannt. Durch Züchtung ist der Wirkstoffgehalt in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

Cannabis und dessen Konsum sowie eine eventuelle Legalisierung waren Themen bei einer Aufverklärungsveranstaltung an einer Mündener Schule.

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