Ungelöstes Problem

Fehlende Rampe, Klingel nicht erreichbar: Post in Hann. Münden ist nicht barrierefrei

+
Barriere vor der Poststelle in Hann. Münden: Zwei Stufen vor dem Eingang, keine Rampe, und die Klingel, mit der Rollstuhlfahrer Hilfe rufen können,   mit einem Fahrradständer zugestellt. Hier: Rollstuhlfahrerin Ulrike Naumann, stellvertretende Behindertenbeauftragte der Stadt Hann. Münden.  

Hann. Münden. Fehlende Rampen oder nicht erreichbare Klingel: In Hann. Münden gibt es Probleme mit der Postfiliale in der Bahnhofstraße. Diese ist nicht barrierfrei. 

Was viele Passanten im Alltag nicht wahrnehmen, kann sich für Behinderte als ein großes Problem entpuppen. Betroffene machen darauf aufmerksam.

Das Amtsgericht in Hann. Münden ist neuerdings barrierefrei zu erreichen. Das begrüßen Peter Klempert, Behinderten-Beauftragter der Stadt Münden, und seine Stellvertreterin Ulrike Naumann, und wünschen sich, dass auch an einer anderen alten Problemstelle die Situation verbessert würde: In die Post kommen Menschen, die auf Rollstuhl oder auf Rollator angewiesen sind, in Hann. Münden in der Bahnhofstraße immer noch nicht.

Ulrike Naumann berichtet: „Seit nunmehr 42 Jahren lebe ich in Münden, und ich musste seitdem ganze zwei Mal zum Gericht. Die Mündener Post hingegen brauche ich laufend, etwa einmal pro Woche. Der Zugang zu öffentlichen Gebäuden ist laut UN-Behindertenrechts-Konvention aus dem Jahre 2007 den Behinderten im Sinne der Teilhabe am öffentlichen Leben zu gewähren.“

Zwei Stufen vor der Postfiliale

Vor der Post führen zwei Stufen zum Eingang. Seit Jahren fordern Behindertenbeauftragte und Kommunalpolitiker immer wieder, dass sich hier etwas ändern müsse.

Vor gut sechs Jahren hatte Kirsten Klein, damals Die Linke, heute Aufstehen für Münden, beantragt, hier Barrierefreiheit herzustellen. Hohe Kosten einer Rampe wurden damals gegen einen Umbau ins Feld geführt. Tatsächlich sei eine Klingel neben der Tür „bisher eine annehmbare Hilfe“ gewesen, beschreibt es Ulrike Naumann. „Seit kurzem versperrt ein breiter Fahrradständer jedoch den Zugang zu dieser Klingel, so dass Behinderte sich nicht mehr bemerkbar machen können.“ Steht im linken Halter des Ständers ein Fahrrad, kommt man mit Rollstuhl oder Rollator gar nicht mehr an die Klingel heran.

Aber auch leer verhindert er, dass sie seitlich an die Wand fahren könne – und frontal ist der Klingelknopf für sie unerreichbar, da sie sich in ihrem Rollstuhl nicht weit genug nach vorn beugen kann. Auf der anderen Seite der Tür wäre Platz für den Fahrradständer. Dort hat er auch jahrelang gestanden. Martin Gröger, Geschäftsführer der Poststelle, sagte zu, sich umgehend darum zu kümmern, dass der Fahrradständer wieder aus dem Weg gestellt wird.

Mit Klingel sind immerhin Postgeschäfte möglich. Die Beschäftigten bemühten sich, brächten alle verfügbaren Briefmarken dann nach draußen, sagt Ulrike Naumann. Aber besonders in der kalten, nassen Jahreszeit sind diese Geschäfte vor der Tür nicht eben angenehm. Seit 1991 sei sie mit dem Rollstuhl unterwegs, „und seitdem versuche ich, an der unsäglichen Eingangs-Situation der Post etwas zu ändern, mal allein, mal mit Unterstützung anderer Betroffener, zum Beispiel des Behinderten-Beirats der Stadt.“ Allerdings bisher ohne Erfolg. Dabei gab es schon zahlreiche Besprechungen und auch Begehungen.

Umbau würde um 20.000 Euro kosten

Von um die 20.000 Euro war die Rede, die der Umbau zur Barrierefreiheit kosten würde. Hausbesitzer Dirk Hüther würde sich nicht querstellen, wenn der Mieter auf ihn zukäme, sagte er auf HNA-Anfrage, jener müsste aber die Kosten übernehmen. Die genannte Summe jedoch sei für einen Kleinunternehmer mit zeitlich begrenztem Mietvertrag zu hoch, so Gröger.

Der Denkmalschutz, der früher immer wieder als Hindernis oder Verteuerungsfaktor genannt worden war, hätte nichts gegen eine Rampe, auch nicht gegen eine einfache Metallrampe, sagt Denkmalpfleger Burkhard Klapp. Bedenken habe er einmal geäußert, als ein zusätzlicher Eingang im Gespräch war, der die Symmetrie des Hauses zerstört hätte. „Die Denkmalpflege hat die Aufgabe, behindertengerechte Zugänge zu ermöglichen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.