1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

Abschied vom Raddampfer: Wenn die Weser zum Kohlefresser wird

Erstellt:

Von: Ekkehard Maass

Kommentare

Seltenes Bild: Zwei Ausflugsschiffe auf der Weser am Tanzwerder. Im Vordergrund ist die MS Weserstein zu sehen dahinter der „Kaiser Wilhelm“ bei der Anfahrt zum Anleger am Mittwochmorgen.
Seltenes Bild: Zwei Ausflugsschiffe auf der Weser am Tanzwerder. Im Vordergrund ist die MS Weserstein zu sehen dahinter der „Kaiser Wilhelm“ bei der Anfahrt zum Anleger am Mittwochmorgen. © Jens Döll

Am Mittwoch hat der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ Hann. Münden wieder Richtung Lauenburg verlassen. Am Abend zuvor mussten noch die Kohlebunker aufgefüllt werden. Die Weser war ein „Kohlefresser“.

Hann. Münden – Mehrmals schallte der lang gezogene Pfeifton am Mittwochmorgen (27.08.2022) noch einmal durch das Wesertal. Diesmal zum Abschied. Der „Kaiser Wilhelm“ sagte Adieu und nahm vom Tanzwerder in Hann. Münden aus Kurs auf seinen Heimathafen in Lauenburg. Die Fahrt ging zunächst nach Hameln.

der Raddampfer Kaiser Wilhelm auf der Bergfahrt richtung Hann Münden. Fotografiert in Wesertal- Oedelsheim
Der Raddampfer Kaiser Wilhelm auf der Bergfahrt richtung Hann Münden. Fotografiert in Wesertal- Oedelsheim. © Jörg Westermann

Am Montag (18.07.2022) vor einer Woche hatte der historische Raddampfer am Tanzwerder angelegt, 52 Jahre nach seiner letzten Fahrt nach Hann. Münden. Der „Kaiser Wilhelm“ war damals noch Teil der Flotte der Oberweserdampfschifffahrt (OWD), die auf der Oberweser im Linienverkehr fuhr. Hann. Münden war in den vergangenen Tagen praktisch der zweite Heimathafen des Dampfers, von dem aus er mehrere Fahrten unternahm.

Hann. Münden: Weser erweist sich als Kohlefresser

Nachschub für den „Kaiser Wilhelm“: Am Dienstagabend hatte das Schiff an der Weserumschlagstelle angelegt, um von dort Kohle zu verladen.
Nachschub für den „Kaiser Wilhelm“: Am Dienstagabend hatte das Schiff an der Weserumschlagstelle angelegt, um von dort Kohle zu verladen. © Ekkehard Maass

Am Dienstagabend (19.07.2022) war das Schiff gegen 21 Uhr voll besetzt mit Passagieren aus Bad Karlshafen zurückgekommen. Diesmal legte es nicht direkt am Tanzwerder an, sondern an der Weserumschlagstelle. Der „Kaiser“ musste noch Kohle bunkern. Mitarbeiter der Firma Stemmer aus Hann. Münden standen dort mit schwerem Gerät bereit, um Steinkohle zu verladen, die in einem Container bereitstand. Es war bereits das zweite Mal, dass Brennstoff gebunkert werden musste. Schon am Samstagmorgen musste die Besatzung die Kohlebunker auffüllen.

Hann. Münden: Verein betreibt das Schiff

Auf seinen Fahrten auf der Oberweser hatte das Schiff mehr Kohle verbraucht, als kalkuliert. Wegen des Niedrigwassers musste der „Kaiser“ an vielen Stellen langsamer fahren und war damit bei jeder Tour länger unterwegs gewesen als geplant. Pro Tag etwa zwei Stunden, schätzt Jan Kruse, der als zweiter Kapitän und Lotse für die Oberweser mit an Bord ist. Die Weser hatte sich als richtiger Kohlefresser erwiesen.

Kohle bunkern: Über einen Trichter rutscht die Kohle in die beiden Bunker im Schiffsraum der „Kaiser Wilhelm“.
Kohle bunkern: Über einen Trichter rutscht die Kohle in die beiden Bunker im Schiffsraum der „Kaiser Wilhelm“. © Jan Kruse

Bereits am Donnerstag (21.07.2022) zeichnete sich ab, dass die Vorräte dringend aufgefüllt werden müssen. Aber erst für Montag (25.07.2022) hatte die Besatzung acht Tonnen Kohle bestellt. Und es sei derzeit sehr schwierig, kurzfristig Ersatz zu bekommen, erläutert Kruse die Notlage. Die Fahrten am Wochenende drohten auszufallen. Die Lösung lag in den eigenen Vorräten, die der „Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“, dem das Schiff gehört, zu Hause hatte. Aber die Kohle musste von Lauenburg nach Hann. Münden transportiert werden. Kruse rief am Freitagmorgen (22.07.2022) die Firma Stemmer an. Und die stand sofort bereit.

Im Kesselraum: Das Schiff unter Dampf zu halten ist Schwerstarbeit. An heißen Tagen steigt im Kesselraum die Temperatur auf über 50 Grad. Unser Bild zeigt Heizer Peter Winter vor den beiden Feuerungen.
Im Kesselraum: Das Schiff unter Dampf zu halten ist Schwerstarbeit. An heißen Tagen steigt im Kesselraum die Temperatur auf über 50 Grad. Unser Bild zeigt Heizer Peter Winter vor den beiden Feuerungen. © Ekkehard Maass

Unternehmer half in der Not: Lastwagen nach Lauenburg geschickt

Für Inhaber Fred Stemmer war klar: „Da müssen wir helfen.“ Der Raddampfer liegt ihm am Herzen. Als Siebenjähriger habe er schon auf den Planken gestanden. Sonntags habe seine Familie damals mit dem „Kaiser“ oft Ausflüge nach Bad Karlshafen unternommen, sagte der 69-Jährige. Den Transport der Kohle von Lauenburg gab es zum Selbstkostenpreis und für das Verladen am Dienstagabend hätten sich spontan mehrere Mitarbeiter ehrenamtlich bereit erklärt, zu helfen. Am Samstag (23.07.2022) wurden dann die beiden Bunker im Kesselraum bis zum Rand gefüllt, ein verbliebener Rest nach den Wochenendfahrten dann am Dienstagabend verladen.

Die Dampfmaschine aus dem Jahr 1900 hat eine Leistung von 168 PS.
Die Dampfmaschine aus dem Jahr 1900 hat eine Leistung von 168 PS. © Ekkehard Maass

150 Kilogramm Steinkohle werden pro Stunde gebraucht, um die 168 PS starke Dampfmaschine aus dem Jahr 1900 anzutreiben. Sechs Heizer gehören zu den 27 Besatzungsmitgliedern, die alle ehrenamtlich auf dem „Kaiser Wilhelm“ arbeiten. Jeweils zu zweit schippen sie die Kohle, damit das Schiff mit Volldampf fahren kann. (Ekkehard Maaß)

Kerzenschein und der Dampf der „Kaiser Wilhelm“ löste einen Feuerwehreinsatz aus. Es handelte sich glücklicherweise um falschen Alarm. Auf seinem Weg nach Münden begeisterte das Dampfschiff viele Menschen.

Auch interessant

Kommentare