Verfahren ziehen sich hin

Rasant steigende Kosten fordern Kies-Oppermann in Hedemünden heraus

In der Meenser Sandkulhe: Werkleiter Ulf Lück und der Technische Geschäftsführer Süd-Ost, Markus Oberholz (v. l.).
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In der Meenser Sandkulhe: Werkleiter Ulf Lück und der Technische Geschäftsführer Süd-Ost, Markus Oberholz (v. l.).

Die August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs GmbH aus Hedemünden (Hann. Münden) betreibt mehre Werke. Auch in Meensen (Samtgemeinde Dransfeld). Die Auftragslage ist gut, die Kosten steigen aber.

Hedemünden/Meensen – Die Baubranche, die trotz Corona boomt, leidet unter Lieferengpässen und rasant steigenden Kosten. „Wir können unsere Kunden zuverlässig mit Sand und Kies, Kalkstein und Grauwacke versorgen, haben aber selbst mit den in die Höhe schießenden Preisen zu kämpfen“, berichtet Markus Oberholz, der technische Geschäftsführer Süd-Ost der Hedemüdener August Oppermann Kiesgewinnungs- und Vertriebs GmbH.

Firma wurde 1860 gegründet

„Sehr gut ausgelastet“ sind die knapp 30 Werke des 1860 gegründeten Familienunternehmens, das heute in fünfter Generation geführt wird, sagt der Diplom-Ingenieur. So versorgt zum Beispiel das 1979 eröffnete Werk in Meensen Kunden im Umkreis von 50 Kilometern mit einigen 10 000 Tonnen feinkörnigem Sand im Jahr. Das Spezialprodukt, das nach Auskunft der Hedemündener sonst nirgendwo in Südniedersachsen gefördert wird, benötigen die Hersteller von Mörtel und Zement.

„Baufirmen setzen unseren Sand, der sich vor 30 Millionen Jahren in einer Mächtigkeit von bis zu 22 Metern abgelagert hat, zum Abdecken von Gas- oder Wasserleitungen“, erläutert Werkleiter Ulf Lück. Ihm steht in der Sandkuhle noch eine Aushilfe zur Seite.

Oppermann beschäftigt insgesamt 120 Mitarbeitende. „Wir sind ständig auf der Suche nach Schlossern, Maschinisten und Anlagenführern, die gerne an der frischen Luft arbeiten“, sagt Oberholz. Das Unternehmen bildet selbst aus. Zu schaffen machen den Hedemündenern unter anderem die steigenden Preise für Stahl, der zum Reparieren der Maschinen benötigt wird. „Wir rechnen in diesem Bereich 2021 mit einer Verdoppelung der Kosten“, sagt der technische Geschäftsführer.

„Mehr als zehn Jahre zieht sich so ein Verfahren heute hin“

Aufgrund der wieder in Schwung kommenden Weltkonjunktur, aber auch wegen der neuen, dynamischen Kohlendioxidsteuer zieht der Dieselpreis kräftig an. „Rapide durch die Decke“ geht der Strompreis. Das hat mit gestiegenen Steuern, Abgaben und Umlagen zu tun. Der Preis für Kohlendioxid-Zertifikate hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt. Die Herausforderung der Branche: Lieferverträge werden für ein, zwei Jahre im Voraus abgeschlossen. So können Firmen auf Kostensteigerungen nicht kurzfristig mit Preisanpassungen reagieren. Auch unter Lieferengpässen leidet das Unternehmen. „Auf einen neuen Kühler für den Bagger müssen wir zum Beispiel derzeit zwei Monate lang warten“, verrät Osterholz. Mit solchen Problemen kämpfen derzeit alle Unternehmen, betont der Ingenieur.

Eine Besonderheit der Stein- und Erdenindustrie sind die Genehmigungsverfahren, die seit den 1970er Jahren immer komplexer geworden sind. Die Behörden prüfen intensiv Aspekte wie Lärm, Staub oder Verkehr. „Mehr als zehn Jahre zieht sich so ein Verfahren heute hin“, berichtet der technische Geschäftsführer. Schneller geht es, wenn bereits eine Rahmengenehmigung vorliegt. (Michael Caspar)

In der Stadt Hann. Münden merken auch manche Einzelhändler die verschärfende Situation auf dem Weltmarkt. Anderen haben keine Probleme.

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