Geteiltes Echo im Rat

Weihnachtsmarkt in Hann. Münden verlegen? - Fraktionen sind sich uneins

Das Krokodil vor dem Glühweinstand. Dieser Stand gehört auch zum Konzept des Weihnachtsmarktes in den Wallanlagen in Hann. Münden.
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Das Krokodil vor dem Glühweinstand. Dieser Stand gehört auch zum Konzept des Weihnachtsmarktes in den Wallanlagen in Hann. Münden.

Weihnachtsmarkt in den Wallanlagen? Ja, nein, vielleicht? Die Ratsfraktionen in Hann. Münden sind sich uneins. Wir haben nachgefragt.

Hann. Münden – Den Weihnachtsmarkt in den Wallanlagen trotz Kritik durchziehen, absagen oder an einen anderen Standort verlegen? Die Mündener Politik ist uneins, wie eine Nachfrage unserer Zeitung an die Fraktionen ergeben hat.

Dr. Manuela Gantzer (Bürgerforum) sieht keine Gefährdung der Wallanlagen: „Aus unserer Sicht ist dieser Wintermarkt eine zunächst einmalige Aktion, die bei negativen Auswirkungen in den nächsten Jahren auch wieder anders gestaltet werden kann. Wir denken, dass auch, wenn es Schäden gibt, diese reparabel sein werden und würden daher für die Durchführung und anschließende Evaluation plädieren“, so Gantzer. Die vorgeschlagene Alternative an den Schlagden halte das Bürgerforum für hochgefährlich und ungeeignet, denn die Nähe zum Wasser, das meist große Interesse der Kinder daran und die kurzen Tage mit viel Dunkelheit berge große Gefahren für die Jüngsten, so Gantzer.

Müna: Verstetigung ist kritisch

Wallanlagen in Hann. Münden: Hier soll der Weihnachtsmarkt entstehen. Erste Buden wurden bereits aufgebaut.

Die Fraktion Münden Aktiv (Müna) begrüße die Initiative, eine Belebung der Innenstadt durch einen Weihnachtsmarkt zu fördern. Die Lichtinstallationen in den Wall-Anlagen seien im vergangenen Jahr gut aufgenommen worden. Gleichwohl müsse angemerkt werden, dass der Übergang von einer einmaligen Veranstaltung im letzten Jahr zu der nun stattfindenden Verstetigung und Ausweitung der Aktivitäten in den Wallanlagen nicht mit den nun vorliegenden Gutachten zur Umweltverträglichkeit zu vereinbaren sei. Diese Gutachten wiesen hin auf entstehende irreparable Schäden, insbesondere an dem alten Baumbestand und machten ein erneutes Nachdenken über alternative Standorte dringend notwendig, so die Fraktion. „Wir sehen nach Rücksprache mit den verschiedenen Akteuren eine kurzfristige Verlegung an einen anderen Standort als wünschenswert an und würden in dieser Frage eine ähnliche Flexibilität begrüßen, wie sie auch das sich verändernde Corona-Geschehen erfordert“, teilte Birgit Nolte-Schuster für Müna mit.

FDP: Kann es ein Zurück geben?

Die Stadt Hann. Münden biete mit den neu gestalteten Bereichen Dielengraben und Wanfrieder Schlagd oder dem Kirchplatz ein breites Angebot an Möglichkeiten, ohne auf die schützenswerten Wallanlagen ausweichen zu müssen, meint FDP-Ratsmitglied Dirk Peter Weiß. In Anbetracht des bereits in zwei Wochen beginnenden Weihnachtsmarktes und der bereits geleisteten Vorarbeiten, sei eine kurzfristige Verlegung oder gar Absage aber weder wirtschaftlich vertretbar, noch ratsam.

Vorstellung im Stadtentwicklungsausschuss

Der Weihnachtsmarkt in den Wallanlagen wurde am 4. Oktober im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Laut Sitzungsprotokoll begrüßte Lena Kürschner (Grüne) das neue Format, fragte jedoch, inwieweit Grünflächen beansprucht würden. Jan Christokat (CDU) mahnte den Schutz von Wegen und Grünflächen an. Der Ausschussvorsitzende Kurt Koppetsch (SPD) wünschte, ebenso wie Christokat, Biroth und dessen Team, Erfolg bei der Umsetzung des Projekts. 

Man sehe den sensiblen Bereich der Wallanlagen kritisch, bekräftigen die Grünen. „Von diesem Standort haben unser Umweltpfleger, der Klimaschutzbeauftragte und auch der Ortsheimatpfleger dringend abgeraten“, teilte Hartmut Teichmann für die Grünen mit.

Grüne: „Grüne Lunge der Stadt“ gefährdet

„Sowohl die Baggerarbeiten als auch die hohe Bodenverdichtung während des Marktes gefährden die grüne Lunge der Altstadt erheblich: Wir laufen Gefahr, ein rund 200 Jahre altes Naturdenkmal unwiderruflich zu zerstören. Und das für neuneinhalb Wochen Glühwein und Bratwurst. Es gibt in Münden hervorragende Orte, die sich für den geplanten Massentourismus besser eignen“, so Teichmann weiter.

Ein Blick von oben auf den Mündener Weihnachtsmarkt am „alten“ Standort.

„Die SPD-Fraktion steht dem „Weihnachtsmarkt in den Wallanlagen, der den Charakter einer eher touristisch gewerblichen Marktveranstaltung trägt, nicht unkritisch gegenüber, zumal der neu gestaltete Bereich an den Schlagden mit dem Packhof ein attraktiver Alternativstandort wäre“, teilte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Joachim Atzert mit. Überdies bestünde hier keinerlei Gefährdung des für die Stadt so wichtigen Grüngürtels.

SPD: „Eine Informationspolitik, die so nicht akzeptiert werden kann“

Erst am 4. Oktober sei die Politik im Stadtentwicklungsausschuss grob über die Idee informiert worden, eine detaillierte Konzeption sei nicht vorgelegt worden. Gleiches gelte für den Umfang der Kabelverlegemaßnahmen sowie die unpassend in den Wall gesetzten Stromkästen. „Eine Informationspolitik, die so nicht akzeptiert werden kann“, so Dr. Atzert.

Dies habe die SPD-Fraktion zum Anlass genommen, Aufklärung in die Vorgänge zu bekommen und im Verwaltungsausschuss bezüglich der Vertragsdaten, dem Genehmigungsdatum, den Überlassungsfestlegungen, der Regelung der Reparatur eventueller Schäden entsprechend nachgefragt. Eine Antwort der Verwaltung stehe noch aus. Dennoch stelle sich die Fraktion nicht grundsätzlich gegen den „Weihnachtsmarkt im Wall“ als Pilotprojekt, zumal die Öffentlichkeit mit den Baumaßnahmen vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei und ein Zurück zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll erscheine. Überdies wolle man nicht Verhinderer sein, wenn etwas Neues probiert werde, so Dr. Atzert abschließend.

„Lassen wir doch den Bürgern ihren Weihnachtsmarkt. Zur Not auch in den Wallanlagen“, schrieb Ratsmitglied Michael Goldmann (AfD) zum Thema. (Thomas Schlenz)

Ein Ausflug in die Vergangenheit. Märkte hatten schon immer einen großen Stellenwert in Hann. Münden.

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