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Hann. Münden: Rote Frauen als Aktion gegen Gewalt an Frauen

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Von: Kim Henneking

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Sie setzen sich für die Sicherheit von Frauen ein: Janne Wand (Frauennotruf Göttingen), Mirja Ramola (Koordinatorin Istanbul-Konvention im Landkreis Göttingen), Melissa Castillo (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hann. Münden), Barbara Jankowski (Kirchenkreissozialarbeit Hann. Münden) neben der „roten Frau“ in der Stadtverwaltung Hann. Münden.
Sie setzen sich für die Sicherheit von Frauen ein: Janne Wand (Frauennotruf Göttingen), Mirja Ramola (Koordinatorin Istanbul-Konvention im Landkreis Göttingen), Melissa Castillo (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hann. Münden), Barbara Jankowski (Kirchenkreissozialarbeit Hann. Münden) neben der „roten Frau“ in der Stadtverwaltung Hann. Münden. © Kim Henneking

Seit 20 Jahren gibt es das Gewaltschutzgesetz. In Hann. Münden und im ganzen Landkreis Göttingen gibt es eine Aktion gegen häusliche Gewalt. Diese nennt sich „Rote Frau“.

Hann. Münden – „Rote Frauen“ sind ab sofort und in den kommenden Wochen an verschiedenen Orten in Hann. Münden zu sehen. Mit den Pappaufstellern wollen der Frauennotruf und die Gleichstellungsstelle im Landkreis Göttingen auf das 20-jährige Bestehen des Gewaltschutzgesetzes in Deutschland aufmerksam machen und über Anlaufstellen für Frauen in Not informieren.

„Das Gewaltschutzgesetz war damals eine Sensation“, erinnert sich Barbara Jankowski, Sozialpädagogin bei der Diakonie im Kirchenkreis Münden. Opfer von häuslicher Gewalt haben dadurch zivilrechtliche Möglichkeiten erhalten, erklärt Janne Wand vom Frauennotruf Göttingen. Kernstück sei dabei der Verweis des gewaltsamen Partners aus der Wohnung, was dem Opfer einen sicheren Rückzugsort bieten soll. Auch die Möglichkeit von Eilanträgen, beispielsweise für ein Kontaktverbot, sei ein wichtiger Baustein. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Situation der Opfer „definitiv verbessert“, sind sich Wand und Jankowski einig.

Verein ist auf Spenden angewiesen

Der Verein Frauennotruf Göttingen wird finanziert durch Zuschüsse von Stadt und Landkreis Göttingen sowie des Landes Niedersachsen. Diese Mittel reichen laut Verein nicht für die Finanzierung des Angebots aus, weshalb er zusätzlich auf Spenden angewiesen ist. Aktuell fehle es an finanziellen Mitteln und Personal. Dadurch entstünden Wartezeiten für Hilfesuchende von mehreren Wochen. Innerhalb dieser Zeit gehe der Kontakt zu einigen leider verloren. Infos unter frauen-notruf-goettingen.de.

„Doch leider sind Frauen und Kinder immer noch stark von Gewalt betroffen“, sagt Mirja Ramola, Koordinatorin für die Umsetzung der Istanbul-Konvention im Landkreis Göttingen. „Viele denken beim Wort ,Gewalt’ sofort an körperliche Gewalt“, sagt sie. Doch gebe es auch psychische Gewalt, beispielsweise in Form von Stalking, sowie Gewalt im digitalen Raum. Auch ökonomische Gewalt, in Form von finanzieller Abhängigkeit, sei nicht zu unterschätzen. Und Gewalt sei auch ein Generationenproblem, sagt Barbara Jankowski: „Kinder bekommen das mit und übernehmen das Verhalten in ihren Beziehungen.“ Etwa 1300 Fälle häuslicher Gewalt beschäftigen den Frauennotruf Göttingen pro Jahr im Landkreis, berichtet Janne Wand.

Die Zahlen stiegen seit Jahren. Das bedeute aber nicht unbedingt, dass auch die Gewalt allgemein zunehme. Vielmehr werde sie stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen und Opfer suchten eher Hilfe. Die Pandemie habe diesen Trend noch verstärkt, so seien seit 2020 die bekannten Fälle häuslicher Gewalt um 27 Prozent gestiegen – Opfer und Täter haben oft mehr Zeit in der gemeinsamen Wohnung verbracht. Diese Notsituation verschärfe sich bei vielen noch durch die zeitgleich entstandenen wirtschaftlichen Sorgen, die eine mögliche Trennung vom gewaltsamen Partner erschweren könnten. Die Aktion „Rote Frau“ soll auch auf die weiterhin bestehende Not hinweisen, sagt Ramola. „Wir bitten die Öffentlichkeit darum, Augen und Ohren offen zu halten.“ Wer Streit und Gewalt beobachtet, beispielsweise bei den Nachbarn, soll diese aktiv ansprechen oder die Polizei bitten, nach dem Rechten zu sehen. (Kim Henneking)

Anlaufstellen für Opfer von Gewalt

In akuter Gefahr ist die Polizei unter Tel. 110 Ansprechpartner für Opfer von Gewalt. Der Frauennotruf Göttingen berät unter Tel. 05 51/446 84 und unter frauen-notruf-goettingen.de/onlineberatung/. Das Frauenhaus Göttingen bietet Schutz und berät unter Tel. 05 51/521 18 00. Die Beratungsstelle befindet sich in der Groner Straße 32/33. Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter Tel. 08000 116016 verfügbar. Die Mündener Gleichstellungsbeauftragte ist unter Tel. 055 41/75-255 erreichbar. 

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