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Als die Zeitung Milliarden kostete: Einblicke in die 1920er-Jahre

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Von: Jens Döll

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Schönes Sammelstück: Ein Seriennotgeldschein der Stadt Hann. Münden. Das Geld wurde rein für Sammler gedruckt. Das Katharinenläuten (rechtes Bild) war ein Brauch in Münden. Es dient als Motiv auf einem Schein. Repros: Thomas Grebe/NH
Schönes Sammelstück: Ein Seriennotgeldschein der Stadt Hann. Münden. Das Geld wurde rein für Sammler gedruckt. (Repro) © Repro: Thomas Grebe

Thomas Grebe ist auf den ersten Blick ein Milliardär. Nur hat das Geld, das er mit Leidenschaft sammelt, eher Sammlerwert. Er beschäftigt sich mit Notaphilie, dem Sammeln von Zahlungsmitteln.

Hann. Münden/Sinntal – Bunte Geldscheine, die Motive von Doktor Eisenbart, der Altstadt, dem Brauch des Katharinenläutens und das Stadtwappen von Hann. Münden tragen. Dieses sogenannte Seriennotgeld gehört zum Besitz des Sammlers Thomas Grebe, der in Hann. Münden geboren wurde und nun seit geraumer Zeit in der Gemeinde Sinntal im hessischen Main-Kinzig-Kreis, unweit Fuldas, lebt.

Hann. Münden: Notgeld aus der Zeit der Weimarer Republik

Viele Sammelstücke hat er zuhause, verteilt auf gut 90 Ordner. „Dieses Seriennotgeld war in Hann. Münden aber nie im Umlauf“, sagt Grebe. Demnach war es ein reines Sammlerstück, das bereits nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) in den 1920er-Jahren bei den Sammlern beliebt war.

Hintergrund war die Zeit des Kriegs: Das Deutsche Reich gab Unsummen für den Kampf auf, Menschen wurden aufgerufen, ihre Münzen zu spenden. Diese wurden dann zu Rüstungsgütern verarbeitet. Viele Orte gaben dann selbst gedrucktes Geld heraus, um die Wirtschaft irgendwie am Laufen zu halten.

Auch nach dem Krieg wurde das Notgeld weiter beibehalten, da es im ganzen Deutschen Reich an Zahlungsmitteln fehlte. Daraus entwickelte sich eine Sammelleidenschaft bei vielen Menschen, trotz der schweren Zeit der Nachkriegsjahre. „Druckereien kamen auf die Städte und Gemeinden zu und fragten an, ob Seriennotgeld gedruckt werden soll“, berichtet Grebe, der in Veckerhagen aufwuchs. „Es wurde halbe-halbe zwischen der Stadt und der Druckerei gemacht.“

Hann. Münden: Geld war schon damals bei Sammlern sehr beliebt

Die Scheine die Grebe aus Hann. Münden in seinem Ordner hat, wurden am Bodensee in Lindenberg gedruckt. Sie wurden zu dem abgedruckten Nennwert verkauft, obendrauf kam noch eine Bearbeitungsgebühr. Es wurden Sammlernoten von der Stadt Hann. Münden und von der Creditbank zu Hann. Münden herausgegeben.

Thomas Grebe aus Veckerhagen. Er ist in Hann. Münden geboren und lebt in Weiperz in der Gemeinde Sinntal
Thomas Grebe lebt in der Gemeinde Sinntal. Er sammelt Geldscheine aus der deutschen Geschichte. © Jens Döll

Zur Person

Thomas Grebe wurde 1970 in Hann. Münden geboren. Er wuchs in Veckerhagen auf und besuchte die weiterführende Schule in Hann. Münden. Nach anschließender Ausbildung studierte er in Kassel. Seit 2005 wohnt der Diplom-Maschinenbauer-Ingenieur im hessischen Main-Kinzig-Kreis zwischen Frankfurt und Fulda. Seit vier Jahren lebt Thomas Grebe in der Gemeinde Sinntal, davor in Kassel (Gemeinde Biebergemünd). Seit 2008 ist er Produktionsmanager bei einem größeren französischen Automobilzulieferer. Grebe ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. Eines seiner großen Hobbys, neben dem Sammeln von Zahlungsmitteln, ist das Angeln. Grebe ist großer Schweden-Fan.

Auch hat Thomas Grebe in dem Mitteilungsblatt Reichsanzeiger einen interessanten Fund gemacht. Im November 1922 ist die Stadt Hann. Münden in einer Liste eingetragen, welche Städte und Gemeinden dazu berechtigt sind, Notgeld zu drucken. Münden steht an 217. Stelle. Allerdings wurde nie welches vonseiten der Stadt gedruckt oder es ist kein Schein bis jetzt überliefert, berichtet Grebe. Notgeld wurde gedruckt, um der Hyperinflation in den frühen 1920er-Jahren Herr zu werden. Dabei verlor das Geld massiv an Wert. Das zeigt auch ein Sammelstück von Thomas Grebe: Alte Zeitungsquittungen der „Mündenschen Nachrichten“.

Mündensche Nachrichten vom 11. Dezember 1923. Während der Hyperinflation verlor das Geld massiv und schnell an Wert. Die Zeitung kostete in der Woche 650 Milliarden Mark.
Mündensche Nachrichten vom 11. Dezember 1923. Während der Hyperinflation verlor das Geld massiv und schnell an Wert. Die Zeitung kostete in der Woche 650 Milliarden Mark. (Repro) © Repro: Jens Döll/Stadtarchiv Hann. Münden

Die Nachrichten kosten vom 26. November bis 2. Dezember 1923 500 Milliarden Mark in der Woche. Dazu berichtet Hann. Mündens Stadtarchivar Stefan Schäfer, dass das Geld rapide an Wert verlor. Während die Arbeiter am Freitag mit der Lohntüte bezahlt wurden, verlor ihr Lohn schon an Wert. Die Preise kletterten schneller als der Wert der Banknoten. Vom 10. bis zum 16. Dezember kostete die Zeitung für eine Woche schon 650 Milliarden Mark. Am Stichtag 15. Dezember griff dann die Währungsreform.

Währungsreform schaffte die Grundlage für „Goldene Zwanziger“

Die im Oktober 1923 eingerichtete Rentenbank begann die Rentenmark als neues Zahlungsmittel herauszugeben. Der Wechselkurs einer Rentenmark war mit einer Billion Papiermark festgelegt worden, ein US-Dollar entsprach 4,20 Rentenmark. Der Zeitungspreis betrug nach der Umstellung 50 Goldpfennig der Woche.

Diese Reform läutete eine Zeit des Aufschwungs in der Weimarer Republik ein, die bis Ende der 1920er-Jahre dauerte. Danach förderte eine weitere Wirtschaftskrise die radikalen Kräfte in der Republik. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers endete 1933 die Geschichte er ersten deutschen Demokratie.

Sammelleidenschaft find in Hann. Münden an

Thomas Grebes Sammelleidenschaft fing in Hann. Münden an. In einem Briefmarkenladen unweit der Langen Straße habe er damals ein Kästchen mit alten Geldscheinen gesehen. Diese hätten ihn interessiert, er kaufte ein paar. Später hing er dann seine Gesuche, „ganz klassisch“, in Supermärkten in seinem Heimatort Veckerhagen auf.

Das Bild zeigt einen 75 Pfennig Schein Seriennotgeld aus Hann. Münden mit einem Motiv des Katharinenläutens
Stadt Hann. Münden: Das Geld wurde rein für Sammler gedruckt. Das Katharinenläuten war ein Brauch in Münden. Es dient als Motiv auf einem Schein. (Repro) © Repro: Thomas Grebe

„Ich habe alle möglichen Geldscheine gekauft“, berichtet er. Neben dem Sammeln gefällt es ihm auch, dadurch historisch viel zu lernen. Mittlerweile gehört er zu einer international vernetzten Szene. Zusammen mit Gerd Holzbach hat er den Katalog „Die deutschen Banknoten Spezialkatalog Kaiserreich 1874 bis 1918“ veröffentlicht. Zudem arbeitet er „in jeder freien Minute“ an einem Katalog über das Notgeld in der Zeit der Weimarer Republik. Das sei ein großer Aufwand. „Ich kenne einige Leute, die als Händler und Sammler davon leben“, berichtet er.

Geld auch aus Bad Karlshafen

In Thomas Grebes Sammlung, die er in einem eigenen Raum aufbewahrt, finden sich interessante Fundstücke. Immer wieder würden Kellerfunde auftauchen. So beispielsweise Notgeld von Henschel in Kassel und auch Lagergeld aus einem Offiziersgefangenenlager aus dem Bereich Hann. Münden. Diese Scheine wurden an die Gefangenen ausgeben und diente im Lager als Zahlungsmittel. Außerhalb war es aber unbrauchbar.

Auch aus Bad Karlshafen, damals noch mit „C“ geschrieben, hat er Seriennotgeld. „Die Farbenfabrik in Veckerhagen soll es auch herausgegeben haben“, sagt Thomas Grebe. Allerdings besitzt er davon keinen Schein. (Jens Döll)

Auch in der Schwalm kursierte in den 1920ern Notgeld.

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