Corona-Krise

Kinder nicht verlieren: Schulstart nach den Ferien im Raum Hann. Münden

Werra-Realschule: Die Abschlussklassen der Schule werden ab Montag im Wechselprinzip beschult.
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Werra-Realschule: Die Abschlussklassen der Schule werden ab Montag im Wechselprinzip beschult.

Die Corona-Pandemie wirbelt weiterhin den Betrieb in niedersächsischen Kindertagesstätten und Schulen durcheinander. Nun ist klar, wie es dort nach den Ferien weitergehen soll: Von Montag, 11. Januar bis zum Ende des Schulhalbjahres am 29. Januar wird es Wechselunterricht und Distanzlernen sowie eine Notbetreuung geben.

Landkreis Göttingen – Coronakrise und kein Ende in Sicht: Für die Schüler im Landkreis Göttingen beginnt ab kommenden Montag, 11. Januar, wieder der Unterricht. In den Grundschulen soll eine Woche das Szenario C – digitaler Fernunterricht – und ab 18. Januar Szenario B – Wechselunterricht – gelten.

Hann. Münden: Situation für Schulen ist nicht neu

„Homeschooling ist nicht neu“, sagt Stephanie Bachmann, Schulleiterin der Carl-Friedrich-Gauss-Grundschule in Dransfeld. „Wir hatten das schon mal.“ Für die Schüler werden Aufgaben vorbereitet, die dann von der Lehrkraft herausgegeben werden. „Es handelt sich um einen Wochenplan“, so Bachmann. Zudem wird eine Notfallbetreuung für Schüler eingerichtet, deren Eltern nicht die Chance haben, sie zuhause zu lassen. Das soll aber nur im absoluten Notfall gelten, so die Schulleiterin.

Der Bedarf werde gerade via Mail abgefragt. Ab übernächsten Montag gilt dann der Wechselunterricht, die Schüler kommen einen Tag zur Schule und bleiben einen Tag zu Hause. Auch das sei alles erprobt. Die Angst, dass man die Schüler „verlieren könnte“, kennt Bachmann, aber man stehe mit den Kindern im engen Kontakt. „Wir kennen unsere Schüler, wir wissen, auf wen wir achten müssen“, berichtet sie. An die Eltern gilt der Aufruf: „Melden sie sich bei uns, wenn etwas ist.“

Chancengleichheit als Problem beim Fernunterricht

Auch Schulleiter Stefan Eckardt von der Grundschule Hermannshagen sagt, dass man gut vorbereitet sei. „Es war abzusehen“, sagt er. Das Gute sei, dass man nur eine Woche unter Szenario C agieren müsse, danach unter B. Chancengleichheit sei im Szenario C nämlich nicht gegeben, das sei allen bewusst.

„Wir versuchen, es aufzufangen“. Lehrer geben Material an die Schüler aus. Die Elternvertreter der Klassen stehen bezüglich der Notfallbetreuung in Kontakt mit Eltern und Klassenlehrern.

Abschlussklassen im Wechselunterricht

„Die Schüler der Abschlussklassen sind im Szenario B“, sagt die Schulleiterin der Drei-Flüsse-Realschule in Hann. Münden, Johanna Jesionowski. Der Rest der Schüler wird am Montag zuhause unterrichtet. Dazu wird das Programm „IServ“ vom Landkreis Göttingen verwendet. Damit habe man seit April gut Erfahrungen gemacht. Ähnlich wird die Situation an der Werra-Realschule in Hann. Münden gehandhabt: Auch hier wird auf „IServ“ gesetzt und der Unterricht über Videokonferenzen abgehalten. Außerdem stellen die Lehrer Arbeitsblätter bereit, die sich die Schüler dann ausdrucken und zu Hause bearbeiten können.

Diejenigen, die keine Möglichkeit haben, auf das Programm zuzugreifen, oder keinen Drucker besitzen, können sich die Materialien vor Ort abholen. Ausnahmen gibt es für die Schüler der Abschlussklassen: Die Zehntklässler werden in Gruppen aufgeteilt und abwechselnd, unter Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen, in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet. Für Schüler der fünften und sechsten Klassen wird eine Notfallbetreuung eingerichtet.

Corona-Pandemie soll keine Auswirkungen auf Abschlüsse haben

Die Berufsbildenden Schulen Münden schließen sich weitestgehend an das Verfahren der anderen Schulen im Kreis an – für die Jüngeren gibt es Distanzunterricht und die Älteren werden aufgeteilt und abwechselnd unterrichtet.

Die coronabedingt besondere Situation soll laut Schulleiter Gerd Reddig keine Auswirkungen auf die Abschlüsse haben. Für bedürftige Schüler, die keinen Computer besitzen, würden Laptops bereitgestellt, um niemanden auf dem Bildungsweg zu verlieren, so Reddig.

Notbetreuung in Schulen in Niedersachsen

Notbetreuung wird angeboten für die Kinder der Schuljahrgänge 1-6 in den Szenarien B und C, meist zwischen 8 Uhr und 13 Uhr. Die Notbetreuung gilt für Kinder, bei denen mindestens ein Erziehungsberechtigte in betriebsnotwendig in einem Beruf von allgemeinem öffentlichem Interesse tätig ist. Härtefälle gelten für Kinder, deren Betreuung laut Jugendamt erforderlich ist, sowie bei drohender Kündigung oder erheblichem Verdienstausfall der Erziehungsberechtigten.

Kritik vom Landeselternrat in Hannover

Der Landesschülerrat Niedersachsen steht nicht hinter den am späten Dienstag von Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) vermeldeten Regelungen im Rahmen des Infektionsschutzes. Kritisiert werden von den Landesschülervertretern vor allem die weitgehenden Schulschließungen und das schwerpunktmäßige Ausweichen auf das Homeschooling im Januar.

Das sei unangemessen hart, sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates Florian Reetz. „Wir gehen mit dem Homeschooling das Risiko ein, Schüler langfristig zu verlieren und Rückstände unaufholbar zu vergrößern. Corona darf nicht zum Damoklesschwert ganzer Schullaufbahnen werden.“

Reetz aber lobt, dass insbesondere an Grundschulen bis zum Schulhalbjahresende noch ein Wechselmodell möglich ist, ebenso wie für Abschlussklassen und Abiturjahrgänge. „Dem Infektionsschutz wird Rechnung getragen und die Lerninhalte werden angesichts des fortgesetzten Lockdowns vergleichsweise gut vermittelt“, sagte Reetz. Mit den angekündigten Kürzungen der Lehrpläne werde 2021 für einen hinreichend fairen Abschluss in jeder Schulform gesorgt sein. Dennoch müssten auch jetzt bereits die kommenden Jahre in den Blick genommen werden.

Sind faire Abschlussprüfungen möglich?

„Durch das Homeschooling werden faire Abschlussprüfungen auch 2022 ohne Kürzungen der Curricula nur noch schwer möglich sein“, betonte Justus Scheper, Schüler des 12. Jahrgangs und Vorstand des Landesschülerrats. „Es muss schon jetzt ein zukunftsfähiges Konzept für die Abschlüsse der kommenden Jahre her“, machte Scheper deutlich. Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR sieht es ähnlich: „Wir müssen aufpassen, dass die heranwachsende junge Generation nicht auf die Verliererstraße gerät.“

Er betont auch, dass die in den vergangenen Jahren „nicht konsequent und insbesondere nicht rechtzeitig umgesetzte Digitalisierung der Schulen, sich in der Situation des Distanz- und Wechselunterrichts negativ bemerkbar machen wird“. So dürften dadurch Schülerinnen und Schüler nicht benachteiligt werden. Neumann steht aber hinter den Entscheidungen des Kultusministers: „Sie waren zu erwarten und tragen der Situation Rechnung. Sie geben allen eine gewisse Planungssicherheit.“

Überbelastung der Lehrkräfte als Thema ansehen

Wechselunterricht sei sehr wichtig für die Abschlussklassen in den Sekundarbereichen I und II. „Diese Schülerinnen und Schüler müssen sich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten können, das geht am besten im Präsenzunterricht.“ Trotzdem dürften alle anderen Schülerinnen und Schüler, insbesondere die jüngeren, nicht benachteiligt werden. Neumann sagte auch: „Unsere Lehrkräfte werden weiterhin ihr Bestes geben, um mögliche Defizite gar nicht erst aufkommen zu lassen und diese gering zu halten.“ Er wies auch auf die Überbelastung der Lehrkräfte hin. Sie sei schon viel zu hoch gewesen. ( Lea-Sophie Mollus, Thomas Kopietz und Jens Döll)

Auch in Hessen gibt es die angepassten Corona-Regeln für den Unterricht nach den Ferien.

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