Umweltprojekt 

Seltene Fische  für die Weser - Aalquappen bei Hann. Münden ins Freie entlassen 

Aus dem Fluss in den Fluss: Dr. Matthias Emmrich (links) und Ronald Schminke setzen die Aalquappen in einen flachen Bereich der Weser, beobachtet von Ernst-August Hannemann. 
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Aus dem Fluss in den Fluss: Dr. Matthias Emmrich (links) und Ronald Schminke setzen die Aalquappen in einen flachen Bereich der Weser, beobachtet von Ernst-August Hannemann. 

Die Aalquappe ist ein seltener Fisch. Nun soll das Wasserlebewesen wieder in der Weser angesiedelt werden. In Hann. Münden wurden nur Exemplare ins Freie entlassen. 

Hann. Münden – Um die Aalquappe in der Weser wieder anzusiedeln setzte die Fischereigenossenschaft Münden kürzlich 1000 Exemplare aus dem Bestand des Anglerverbandes Niedersachsen, mit Sitz in Hannover, im Bereich Hann. Münden in die Weser.

Aalquappe: Ein gefährdeter Fisch für die Weser 

„Wir möchten mit der Aalquappe einen stark gefährdeten Fisch fördern, der aus unseren Gewässern fast vollständig verschwunden ist“, sagt dazu der Vorsitzende Ronald Schminke. „Aalquappen lieben kiesigen und sandigen Grund, darum sehen wir die Oberweser als besonders geeigneten Standort an“, ergänzt der zweite Vorsitzende Ernst-August Hannemann.

Die Aalquappe hält sich am Boden auf und ist nachtaktiv. Sie wird in der Regel bis zu 50 Zentimeter groß, in Einzelfällen sogar bis zu 90 Zentimeter. Sie ist der einzige Fisch aus der Ordnung der Dorschartigen, der ausschließlich im Süß- und Brackwasser vorkommt.

Aalquappenprojekt in der Weser kostet 1000 Euro 

1000 Euro zahlte die Fischereigenossenschaft Münden für das Aalquappenprojekt, wobei ein Teil von der EU gefördert wurde. Zudem wurden 27500 Euro für das Einsetzen von 100000 Farmaalen in Werra, Fulda und Weser ausgegeben. „Wir arbeiten ausschließlich mit Wildfischen aus Leine und Weser. Anders als bei künstlichen Aquaanlagen steigert die Methode die Lebenserwartung der Fische“, sagt Dr. Matthias Emmrich, Fischereibiologe beim Anglerverband Niedersachsen.

Das bedeutet, dass vor Weihnachten Elternflusstiere aus dem Weserflusssystem gefangen und in Rundstrombecken einer Teichanlage gesetzt wurden. Nach dem Schlupf wurden die Larven zur weiteren Aufzucht in Brutbecken und Teiche gesetzt.

„Die Quappen werden ausschließlich mit lebendem Naturfutter versorgt, damit sie instinktiv Beute jagen lernen“, macht Steffen Göckemeyer, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Niedersachsen deutlich. „Diese Fische sind kurzlebig und erreichen ein Alter von maximal zehn Jahren“.

Aalquappen können bis 100 Kilometer zurücklegen - Seltene Fische für die Weser

Ab einer Größe von circa fünf Zentimetern können die Quappen abgefischt und in geeigneten Gewässern ausgesetzt werden. Bereits nach zwei Jahren haben die Aalquappen eine Länge von 40 Zentimetern. Sie laichen immer in der kältesten Jahreszeit, wobei sie teilweise über 100 Kilometer zurücklegen und danach wieder zurückkommen.

„Landet die Aalquappe auf dem Teller, stellt man fest, dass sie sehr schmackhaft und grätenarm ist. Außerdem gilt die Quappe als äußerst effizienter Jäger der hier nicht heimischen hoch invasiven Schwarzmundgrundel“, informiert Ronald Schminke. Um Nachhaltigkeit zu erzielen, soll diese Aktion nach Darstellung von Schminke über mehrere Jahre erfolgen. Gefördert wird dieses Projekt durch die Niedersächsische Bingo Umweltstiftung, die Anschubfinanzierung leistete die HIT Umweltstiftung. 

Ähnliche Artenschutzprojekte gibt es bereits an den Flüssen Lippe, Stever, Ruhr, Nidda, Oste und Neckar. Neben der Aalquappenaktion setzte die Fischereigenossenschaft Münden bereits 100 000 kleine Farmaalen mit Stückgewicht fünf Gramm in Fulda, Werra und Weser aus. 

Hintergrund zur Aalquappe: Nicht nur in der Weser selten

Mit 700 000 Eiern und mehr pro Kilogramm Körpergewicht ist die Quappe der produktivste heimische Süßwasserfisch. Trotzdem ist die Art in Niedersachsen gefährdet. Als Hauptursachen für den Bestandsrückgang gelten die weitestgehende Entkopplung der Fließgewässer von ihren Auen sowie die Querverbauungen der Flüsse. Ausgedehnte Laichwanderungen von geschlechtsreifen Quappen sind nicht möglich. Zur Bestandsförderung der Quappe hat die Renaturierung der Fließgewässer oberste Priorität.

Von Petra Siebert 

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