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Nachtabschaltung von Straßenlaternen: Wirklich eine Gefahr für die Sicherheit?

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Von: Jens Döll

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Mit großer Mehrheit haben die Schauenburger Gemeindevertreter beschlossen, dass die Straßenlaternen trotz Energiekrise auch nachts weiter eingeschaltet bleiben. Unser
In Hann. Münden soll nachts in einem bestimmten Zeitraum die Straßenbeleuchtung heruntergefahren werden. (Symbolbild) © Sebastian Schaffner

Eine Gefahr für die Sicherheit oder halb so wild? Hann. Münden will nachts Straßenlaternen abschalten. In anderen Städten wird das schon länger gemacht. Mit durchaus positiven Erfahrungen.

Hann. Münden – In der Stadt gehen die Lichter aus. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum. In Hann. Münden, so hat es der Rat beschlossen, soll die Nachtabsenkung von Straßenleuchten ab 20 Uhr bis 6 Uhr eingerichtet werden. Zudem werden alle Leuchten, die nicht an Gefahrenpunkten wie etwa Kreuzungen stehen, von 1 bis 5 Uhr morgens komplett ausgeschaltet.

Hann. Münden Kritik an Aussagen von Weißem Ring

Das sorgt für Unmut. In einem Statement wird dies von der Opferschutzorganisation Weißer Ring kritisiert. In zunehmender Dunkelheit erhöhe sich die Gefahr von Gewalt- und Sexualdelikten, hieß es. Auch in einem Leserbrief an unsere Zeitung wurden diese Befürchtungen geäußert. Dagegen hält Hermann Dreyer, Bündnis 90/Die Grünen in Münden. Er bezieht sich in seiner Kritik auf Studien über die Stadt Rheine oder den Staat Liechtenstein.

Auch aus Wales gibt es Studien. Dort habe es keinen signifikanten Anstieg der Kriminalität nach solchen Abschaltungen gegeben. Die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM) berichten, dass mit der Stadt Northeim ein reger Austausch im Vorfeld stattfand. Dort wurde keine größere Kriminalitätslage festgestellt, heißt es. Auch in anderen Teilen Deutschlands werden nachts die Straßenlaternen ausgestellt, um so die Umwelt zu schonen, aber auch um Energie zu sparen. Ein Beispiel dafür ist die osthessische Kleinstadt Tann in der Rhön im Landkreis Fulda.

Tann in der Rhön: Nachtabschaltung sogar ausgeweitet

Sie hat knapp 4600 Einwohner. Dort wird seit dem Jahr 2015 jeweils sonntags bis donnerstags von 0.30 Uhr bis 3.30 Uhr die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Seit der vergangenen Magistratssitzung am 11. November wurde diese Maßnahme sogar noch ausgeweitet: Die Abschaltung gilt montags bis freitags von 23 Uhr bis 4.30 und samstags von 0.30 Uhr bis 5.30 Uhr. Das berichtet Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) unserer Zeitung. Auch in der Rhön habe es Sicherheitsbedenken gegeben, berichtet der Bürgermeister.

Um aufzuklären, wurden dort Informationsabende veranstaltet. Zudem wurden auch die Feuerwehr sowie die Polizei vorher angehört. „Es stellte sich im Rahmen der Evaluierung ganz klar heraus, dass Sicherheitsbedenken nur in Form vom sogenannten ,subjektivem Sicherheitsempfinden‘ existieren. Dies bedeutet, dass der Bürger zwar das Empfinden von mehr Unsicherheit hat, dieses aber nicht objektiv vorhanden war“, berichtet Dänner. Der Verwaltung und auch der Polizei seien in den Jahren der Abschaltung keine Vorfälle und insbesondere eine Zunahme von Kriminalität bekannt.

Hann. Münden: Modellversuch im Jahr 2021 mit Evaluation

In Hann. Münden gab es im Jahr 2021 einen Modellversuch im Gebiet Talblick, Am Sonnenhang und Ebereschenring. Dort wurde von 1 Uhr bis 5 Uhr morgens die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Das Projekt lief vom 1. Juni bis 30. Juni. Im Anschluss wurde eine Evaluation vorgenommen. „Die im Nachgang durchgeführte Befragung in Bezug auf Sicherheitsgefühl und andere Themen war ausgewogen, aber nicht repräsentativ, da nicht alle Anwohner an den Befragungen teilgenommen hatten“, so Stefan Beer, Technischer Leiter von den VHM. Das Licht soll in Gefahrenbereichen weiter angeschaltet bleiben. „Die sogenannte Verkehrssicherungspflicht obliegt der Stadt Hann. Münden. Hier sind noch, in Abstimmung mit dem Ordnungsamt, Gefahrenpunkte festzulegen, um diese von der Regelung der Abschaltung auszuschließen“, so Beer. (Jens Döll)

Stadt Hann. Münden verweist auf Fallbeispiele 

Die Stadt Hann. Münden hat auf ihrer Internetseite hann.muenden.de Fragen und Antworten zum Thema Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung gesammelt. Darunter sind auch Erfahrungsberichte aus der Stadt Staufenberg in Hessen (Landkreis Gießen) und Moers (Kreis Wesel). In Staufenberg wird die Nachtabschaltung seit 2013 praktiziert. Dazu heißt es auf der Seite der Stadt: „In dieser (Polizeistatistik der Polizei Gießen, Anmerkung der Redaktion) sind für das komplette Jahr 2012, also das Jahr vor der Einführung der Nachtabschaltung, für ganz Staufenberg gerade einmal acht Straftaten in der Zeit von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr registriert. Diese Zahl hat sich nach Einführung der Nachtabschaltung nicht wesentlich verändert. So lag die Kriminalitätsrate in den Jahren 2013 bis 2017 durchschnittlich bei gerade einmal neun Straftaten pro Jahr. Im letzten Jahr lag sie sogar nur bei sieben Straftaten“. 

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