Gestrandete Cantus-Reisende

Spontane Hilfe für Sturmopfer im Bahnhof von Hann. Münden

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Mit Tatkraft dabei: Maria Caruso, Pächterin des Bistros Voie 1 im Bahnhof Hann. Münden, öffnete am Sonntagabend ihr Lokal und die Bahnhofshalle. Sie versorgte auch die Helfer, die sich um die Zugreisenden gekümmert haben.

In Hann. Münden öffnete Maria Caruso, Betreiberin des Voie 1, ihr Bistro und die Halle des Bahnhofs für die wegen des Sturmtiefs gestrandeten Zugreisenden.

Der Sonntagabend sollte für Maria Caruso eigentlich anders verlaufen. Die Pächterin des Bistros Voie 1 im Bahnhof Hann.Münden dachte noch kurz nach 21 Uhr nicht daran, ihr Lokal wenige Augenblicke später zu öffnen.

Doch ein Anruf änderte alles. „Mich hat gegen 21.30 Uhr ein Bekannter, der Polizist ist, angerufen und gefragt, ob ich für zehn Reisende, die in einem nicht fahrfähigen Zug im Bahnhof Münden festhingen, die Bahnhofshalle und das Bistro öffnen kann“, sagt Maria Caruso, die das Bistro seit knapp drei Jahren betreibt. „Das war für mich eine klare Sache“, sagt die 47-jährige gebürtige Sizilianerin, die seit 38 Jahren in Deutschland lebt: „Ich helfe gern.“ Und das tat sie, nachdem sie sich vom Eigentümer des Bahnhofsgebäudes grünes Licht für diese spontane Hilfsaktion geholt hatte, um auch die Halle des Gebäudes nutzen zu können.

Doch aus den zehn im Bahnhof gestrandeten Zugreisenden wurden im Laufe des Abends noch viel mehr. Denn ein zweiter Cantuszug lag durch Sturm Eberhard auf der Bahnstrecke zwischen Speele und Kragenhof wegen einer defekten Oberleitung stundenlang fest – mit etwa 100 Personen. Der Zug wurde in der Nacht von einem Dieseltriebwagen zum Bahnhof Münden abgeschleppt. Im Bahnhof wurden die Reisenden vom Bevölkerungsschutz des Landkreises versorgt. Dazu wurden auch in der Bahnhofshalle Sitzgarnituren aufgestellt.

Bistro bis drei Uhr nachts geöffnet

Ungefähr 60 von ihnen waren im Bahnhof, schätzt Maria Caruso. Die Betroffenen erhielten von Landkreismitarbeitern und Dutzenden ehrenamtlichen Helfern von verschiedenen Rettungsorganisationen Getränke und einen Imbiss. Maria Caruso bewirtete das helfende Personal.

Der Bevölkerungsschutz, so Caruso, sorgte in der Nacht dafür, dass die Zugreisenden wieder nach Hause kamen. „Ich war bis um 3 Uhr hier, wäre aber auch bis 5 geblieben“, sagt Caruso.

Der Dank ist ihr gewiss. „Der Landkreis bedankt sich ausdrücklich bei der Pächterin des Bahnhofs für ihre Bereitschaft, das Gebäude nachts zur Verfügung zu stellen“, sagt Verwaltungssprecher Ulrich Lottmann.

Die Chefin des Mündener Stadtwalds, Susanne Gohde, sagt selbstironisch: „Ich weiß nicht, was ich dem Wald getan habe.“ Damit bezieht sie sich auf den jüngsten Sturm, der im Stadtwald etwa 20 000 Festmeter Schadholz hinterlassen hat. Fichten, aber auch viele Buchen seien durch Eberhard umgeworfen worden. Und das bedeutet zusätzliche Arbeit.

Im Januar 2018 war es Sturm Friederike, der seine zerstörerischen Spuren hinterlassen hat. Zehn Prozent der städtischen etwa 2700 Hektar Waldfläche wurden beschädigt. Auf breiter Fläche waren auch die Landesforsten und private Waldstücke betroffen. Der trockene Sommer ließ dazu die Borkenkäferpopulation explodieren.

Am gestrigen Dienstag waren noch einige Straßen im Altkreis Münden gesperrt, weil Bäume im Weg lagen. Doch die Situation hat sich deutlich entspannt. Im Laufe des Tages waren noch gesperrte Straßen, etwa zwischen Löwenhagen und Bursfelde, wieder befahrbar - ob alle „Sturmstraßen“ wieder freigegeben werden konnten, war bis Redaktionsschluss unklar.

Wieder frei ist die Bahnstrecke zwischen Hann.Münden und Kassel. Das teilte der Nordhessische Verkehrs-Verbund mit.

Mehr zum Sturmtief Eberhard in der Region lesen Sie hier.

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