Grenzgangsfest

Tonnenschwerer Stein markiert die Grenze in Wiershausen

Grenzgangsfest Wiershausen: Herbert König und Horst Böddener enthüllen den Grenzstein (von links).
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Grenzgangsfest Wiershausen: Herbert König und Horst Böddener enthüllen den Grenzstein (von links).

In Wiershausen wurde ein neuer Grenzstein aufgestellt. Das tonnenschwere Ungetüm fiel den Initiatoren fast vor die Füße. Beim Aufstellen kam bei bestem Wetter Stimmung auf.

Wiershausen – Alle zehn Jahre findet in Wiershausen ein Grenzgangsfest statt, bei dem gemeinsam mit Abordnungen der Nachbargemarkungen die gemeinsamen Grenzen abgewandert werden. Für 2020 war es erneut geplant –musste aber coronabedingt abgesagt werden.

Ursprüngliches Fest für 2020 geplant

Derweil war aber schon der neue Grenzstein in Arbeit. Mittlerweile der sechste Stein dieser Art, den Horst Böddener gestaltet hat. Dem 81-jährigen, ehemaligen und langjährigen Vorsitzender der Forstgenossenschaft Wiershausen, fiel dieser Stein sprichwörtlich in die Hände: Als Böddener nach dem Sturm Friederike im Januar 2017 interessehalber die Schäden im Wald begutachtete, entdeckte er zwei schöne Sandsteine, die der Wurzelteller einer mächtigen umgestürzten Fichte ans Tageslicht beförderte. Perfekt für einen wuchtigen Grenzstein, dachte er sich.

Gemeinschaftswerk: Willi Petereit, Eckhard Finger, Horst Böddener und Herbert König (von links) haben den Grenzstein geborgen, gestaltet und aufgestellt.

Gemeinsam mit Eckhard Finger und schwerem Gerät konnte er den rund eine Tonne wiegenden Koloss bergen. In vielen Stunden mühsamer Handarbeit fertigten Böddener und sein Unterstützer Alfred Arand aus dem Rohling einen schmucken Stein. Maler Willi Petereit bemalte ihn schließlich. Mit vereinten Kräften von Ortsrat, Arand, Böddener und Finger wurde er kürzlich aufgestellt.

Dieser Stein wurde am vergangenen Sonntag (05.09.2021) bei bestem, sonnigen Spätsommerwetter an der Grenze zu Lippoldshausen zwischen den Gemarkungsteilen Bruck und Sieke enthüllt. Von dort hat man einen besonders schönen Blick auf Wiershausen. Eine Bank und ein Baum vervollständigen das Ensemble.

120 Wiershäuser wanderten zum Stein

Zuvor wanderten 120 Wiershäuser aus dem Ortskern zum neuen Stein. Neben Grußworten von Ortsbürgermeister Herbert König sowie von Horst Böddener zur Entstehungsgeschichte des Steins sprachen auch Pastorin Gunda Hansen sowie Christian Mühlhausen von der Feldmarkinteressentenschaft Lippoldshausen.

„Auch wenn das eigentliche Grenzgangsfest verschoben ist und erst 2025 wieder stattfinden wird, wollten wir doch in diesen schwierigen Coronazeiten mal wieder eine gemeinsame dörfliche Aktion auf die Beine stellen“, sagt Herbert König. Zusammen kommen, miteinander ins Gespräch kommen – das sei auch ein Ziel der Grenzsteinenthüllung gewesen und das sei gelungen. Maßgeblich dazu beigetragen hätten auch die zahlreiche Kuchen- und Kaffeespenden aus dem Dorf, dadurch habe die Feierstunde für den Ortsrat kostenneutral organisiert werden können. (Christian Mühlhausen)

Tradition mit Ursprung im Mittelalter

Der Ursprung der Grenzgangswanderungen geht offenbar bis ins frühe Mittelalter zurück. Die Kenntnis des genauen Verlaufs von Grenzen einer Gemarkung war aus vielerlei Gründen wichtig, im Mittelpunkt standen Land- und Forstwirtschaft sowie Steuern und die Jagd. Bei Grenzgangswanderungen wurden dieses Wissen von den Älteren an die Jüngeren weitergegeben, außerdem konnten derweil mit den benachbarten Gemarkungen Grenzstreitigkeiten geklärt und beigelegt werden. In Zeiten von GPS und digitalen Karten sind Grenzwanderungen scheinbar überflüssig geworden, sie stärken aber die Heimatbindung sowie die Ortskenntnis der Grundeigentümer in einer Feldmark.

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