Über 30 Vogelnester 

Zuhause für Schwalben - Um die 200 Vögel leben bei Lippoldshäuser Landwirt

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Hans Joachim Haberstock (links) zeigt Denis Schmahl in einer Broschüre, wie wichtig es ist, die Schwalben zu schützen.

Wenn man auf den Hof des Nebenerwerbslandwirtes Denis Schmahl in Lippoldshausen kommt, dann umschwirren einen Rauchschwalben, die eifrig nach Fliegen, Mücken und Käfern jagen.

Über 30 Schwalbennester hat Denis Schmahl im Kuh- und Schweinestall gezählt. Pro Nest, das der Rauchschwalben ist oben offen, werden zwischen vier und sieben Junge von den Eltern versorgt. Das heißt, dass um die 200 dieser Vögel dort ihr Zuhause haben. 

„Viele der Schwalben sind schon in der zweiten Brut“, berichtet Schmahl. Bereits seit vielen Jahren nisten sie auf dem Hof.

Manchmal benutzen sie vorhandene Nester, oft bauen sie aber auch neu. „Unsere Familie freut sich über die Schwalben und wir sind stolz darauf, dass sie sich hier anscheinend wohlfühlen“, erzählt der Landwirt.

Im Frühjahr werden die Tore für die Schwalben geöffnet

Im Frühjahr werden auf dem Hof die Tore und Fenster geöffnet, damit die Schwalben ein und ausfliegen können. Wenn man bedenkt, dass pro Schwalbe 300 Insekten am Tag vertilgt werden, dann kann man nur staunen über den Fleiß und den Arbeitsaufwand dieser schnellen Jäger.

„Hier in den Ställen würde es eigentlich von Fliegen und Mücken nur so wimmeln, aber wir haben hier während der Jungvogelaufzucht kaum eine Fliege“, betont Denis Schmahl. Der Misthaufen auf dem Hof bietet den Schwalben nicht nur Nestmaterial, sondern auch viele Insekten, sodass die Jungen gut gefüttert werden können.

Rauchschwalben: Sie ziehen auf dem Hof von Denis Schmahl fleißig Junge auf. 

Für diese Gastfreundschaft gegenüber den Vielfliegern erhält Denis Schmahl in Kürze die NABU-Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“. Hans-Joachim Haberstock vom Nabu Northeim war auf dem Hof und hat sich von dem Wohl der Schwalben überzeugt. 

Der Nabu würdigt Personen, die Nester erhalten

Als ausgebildeter Nabu Naturschutzberater liegt sein Schwerpunkt beim Gebäudeartenschutz. Hier berät Haberstock sowohl im privaten wie im öffentlichen Bereich. Dabei geht es um Erhalt und Förderung der Kulturfolger wie Schwalben, Mauersegler, Fledermäuse, Eulen und Falken – vor allem dann, wenn ein Haus neu gebaut oder ein altes saniert wird.

Mit dieser Auszeichnung, die durch eine Plakette am Gebäude sichtbar gemacht wird, würdigt der Nabu Bewohner, die Schwalbennester an oder in ihren Gebäuden erhalten. Natürlich auch in der Hoffnung, andere Menschen so auf die Wichtigkeit der Schwalben aufmerksam zu machen. 

„Leider sind viele Häuser und Gebäude glatt, sauber und steril, sodass die Schwalben Probleme haben dort zu bauen“, stellt Haberstock fest.

Diese Plakette (links) erhält Denis Schmahl.

Umso wichtiger sei es, die Nester zu schützen, denn Schwalben stünden auf der Liste gefährdeter Arten. Wer Schwalbennester entfernt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Entfernen von Nestern während der Brutzeit ist eine Straftat

Die Entfernung von Nestern während der Brutzeit ist sogar ein Straftatbestand gemäß Tierschutzgesetz und kann mit einer Strafe von bis zu 50 000 Euro geahndet werden. 

Das gelte auch bei Sanierungsmaßnahmen an Häusern, da sollte auf jedem Fall ein Berater der Unteren Naturschutzbehörde oder ein Artenschutzbeauftragter hinzugezogen werden. Haberstock selbst stehe dafür auch zur Verfügung.

Menschen, die verhindern möchten, dass Schwalbenkot Balkone, Fensterbänke und Hauswände verschmutzt, kann ein Kotbrett unter dem Nest anbringen.

Jahrhundertelang waren Schwalben ganz selbstverständliche Mitbewohner, nicht nur in Dörfern und auf Bauernhöfen, sondern auch in Städten. Heute finden sie leider immer seltener geeignete Nistmöglichkeiten und auch das Nahrungsangebot wird knapp.

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