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DLRG Hann. Münden klärt auf: Beim Baden in Flüssen lauern besondere Gefahren

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Von: Jens Döll

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Weiß, wie man sich im Wasser verhält: Dieter Hoppe am Anleger in Vaake.
Weiß, wie man sich im Wasser verhält: Dieter Hoppe am Anleger in Vaake. © Jens Döll

Beim Baden in Flüssen lauern besondere Gefahren. Darüber klärt die DLRG Ortsgruppe Hann. Münden auf. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Weser gelegt. Schleusen und Wehre sind besonders gefährlich.

Hann. Münden/Reinhardshagen – Die Weser fließt in stetem Strom an Vaake, einem Ortsteil von Reinhardshagen vorbei, das Wasser kräuselt sich am Bootsanleger. „Solche Anleger sind nicht ohne“, sagt Dieter Hoppe, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Polizei Hann. Münden. Er steht am Ufer und berichtet von den Gefahren, die die Flüsse für Schwimmer mit sich bringen. Die Weser habe eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit von etwa fünf Kilometern in der Stunde.

Hann. Münden: Die Weser fließt relativ schnell

Ungeübte Schwimmer könnten durch diese gegen Anleger, Stege oder Ähnliches schlagen und unter sie gezogen werden, das kann lebensgefährlich sein. Prinzipiell ist das Schwimmen in Flüssen nicht verboten, es sei aber besondere Vorsicht geboten, so Hoppe. „Es gilt immer: Nicht reinspringen“, sagt er und zeigt auf das Ufer bei Reinhardshagen. „Am Ufer sind oft große Wacker“, fügt er hinzu und meinte damit große Steine. Auch sollte man lieber mit festem Schuhwerk ins Wasser gehen, da es immer wieder vorkomme, das Müll und Glasflaschen im Wasser landen. Eine Infektion an einer Schnittwunde habe man sich schnell geholt, das sei „kein Spaß“.

Verboten ist das Schwimmen 100 Meter ober- und unterhalb von Brücken, heißt es von der Wasserschutzpolizei. Auch 100 Meter ober- und unterhalb von Wehren und Schleusen gilt ein Badeverbot. „An den Wehren bildet sich eine Wasserwalze“, so Hoppe. Aus dieser könne ein „normaler Schwimmer“, der keine Spezialausbildung beispielsweise durch das Militär genossen hat, nicht entkommen.

Abstand ist auch vor Schiffen geboten, da diese, vor allem in der Weser, nur in ihrer Fahrrinne fahren können und somit wenig Spielraum zum Ausweichen haben. „Von Arbeiten im Wasser, beispielsweise wenn ausgebaggert wird, sollen sich Schwimmer fernhalten“, so Dieter Hoppe.

Die Schleuse am Tanzwerder in Hann. Münden. Durch diese fährt immer das Fahrgastschiff Weserstein.
An der Schleuse sieht das Wasser ruhig aus. Doch der Schein trügt. Es können sich gefährliche Strömungen bilden, die Schwimmer ertrinken lassen. Daher gilt: Baden verboten. © Jens Döll

Notfall: In hohen Bogen ans Ufer treiben lassen

Wenn im Wasser ein Notfall auftritt, rät Hoppe, sollte man sich von der Strömung in einem hohen Bogen an das Ufer treiben lassen. „Niemals gegen die Strömung ankämpfen“, fügt er hinzu. Wenn man eine Person in Seenot entdeckt, immer zuerst den Notruf anrufen, so der DLRG-Vorsitzende, bevor man selbst zu Tat schreitet. Hoppe kritisiert, dass es keine Rettungsringe an wichtigen Punkten mehr gebe. Als möglichen Standort für solche Rettungsmittel nennt er beispielsweise die Einstiegsstelle in die Weser in Vaake.

Obwohl die Schwimmbäder in den Hochphasen der Coronakrise nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden konnten, habe dies nicht dazu geführt, dass viel mehr Menschen in den Flüssen baden. „Es gibt immer mal vereinzelte Schwimmer in der Werra, Weser und Fulda“, berichtet Hoppe. Früher sei dies anders gewesen, danach habe die Wasserverschmutzung den Badespaß lange ausgebremst. Mittlerweile seien die drei Flüsse wieder „relativ sauber“.

Statt Schwimmer seien meistens Paddler, Kanuten und andere Wassersportler auf den Flüssen aktiv. „Ich empfehle jedem, eine Rettungsweste zu kaufen, diese sind auch nicht teuer“, so Hoppe.

Besonders Acht soll man auf Kinder geben. Durch die Pandemie können viele Kinder nicht schwimmen. „Das ist ein großes Problem“, so Hoppe. Zwar gibt es Schwimmkurse, doch sind die Wartelisten meistens lang, die Kapazitäten zu gering.

„Uns fehlt der Nachwuchs“, sagt Hoppe, der Ortsverein der DLRG habe 50 Mitglieder. In den vergangenen Jahren hab es nur wenige Einsätze in der Wasserrettung im Bereich Hann. Münden und Reinhardshagen gegeben.

Strömungen können lebensbedrohlich sein

Im Jahr 2021 sind deutschlandweit mindestens 299 Menschen ertrunken. Das berichtete der DLRG in seiner Statistik im März dieses Jahres. „Damit haben wir für das Jahr 2021 den niedrigsten Stand seit 2000 verzeichnet, als wir anfingen, die Zahlen systematisch zu erheben“, sagte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt.

2021 ertranken 20 Prozent weniger Menschen als 2020. Überraschend sei das, so wird die Präsidentin zitiert, da man durch die Pandemie mit mehr Toten gerechnet hatte. In vielen Schwimmbädern beispielsweise war nur eingeschränkter Betrieb möglich, man habe damit gerechnet, dass Menschen auf Flüsse und Seen ausweichen. 255 der erfassten tödlichen Unglücke – das sind rund 85 Prozent – ereigneten sich 2021 in Binnengewässern. Mit 131 Todesfällen waren in Seen und Teichen die meisten Opfer zu beklagen (2020: 175). In Flüssen verloren 95 (130) Menschen ihr Leben, in Bächen und Gräben 13 (16) sowie in Kanälen 16 (14). Vogt: „Das größte Risiko zu ertrinken, besteht weiterhin in Seen und Flüssen“.

„Das Baden in Flüssen ist grundsätzlich um ein Vielfaches gefährlicher als man allgemein annimmt. Insbesondere unbekannte Strömungen, Gefahren durch Buhnen und Steine sowie möglicher Schiffsverkehr sind hier zu benennen“, heißt es von Andreas Paetsch der DLRG Ortsgruppe Dransfeld/Adelebsen. Beim Familiencamp an der Weser im Juni habe man Schwimmeinheiten angeboten, um Eltern und Kinder zu sensibilisieren. (Jens Döll)

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