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Geburtstag der Mündener Reformatorin Herzogin Elisabeth

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Von: Petra Siebert

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Eine Duftprobe ihrer Rosenseife gewährte die Herzogin den Gästen.
Eine Duftprobe ihrer Rosenseife gewährte die Herzogin den Gästen. © Petra Siebert

Die Stadtführergilde und die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hann. Münden, Melissa Castillo, haben zum 512. Geburtstag der Herzogin Elisabeth zu einem besonderen Stadtrundgang eingeladen. 

Hann. Münden – Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen gab sich die Ehre und lud am Sonntag zur Feier ihres 512. Geburtstags ein. Nicht etwa der höfische Adel, sondern die Bürgerinnen und Bürger ihrer geliebten Residenzstadt Münden, waren geladen. Es war keine Feier im üblichen Sinn, die Fürstin selbst, in diese Rolle schlüpfte Sabine Lohmann von der Stadtführergilde, führte die Gäste eine Stunde lang zu historischen Stätten ihres Wirkens und erzählte so manche unbekannte Geschichte aus ihrem Leben.

Hann. Münden: Große Frau der frühen Neuzeit liebte die Dreiflüssestadt

Zu dieser Veranstaltung hatte die Stadtführergilde gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Melissa Castillo, eingeladen. In ihrer Begrüßung erwähnte Castillo die Frauenorte Niedersachsen, eine Initiative des Landesfrauenrates Niedersachsen, die Leben und Wirken bedeutender historischer Frauenpersönlichkeiten lebendig werden lässt und in der breiten Öffentlichkeit bekannt macht. Einer der 47 Orte ist Hann. Münden mit der Herzogin Elisabeth. Immer um das Geburtstagsdatum (24. August 1510) der Herzogin findet eine geschichtliche Veranstaltung dazu statt.

Bürgermeister Tobias Dannenberg begleitete Herzogin Elisabeth bei dem Rundgang. In einer Ansprache dankte er der Stadtführergilde für das Engagement, das einen Mehrwert für die Stadt bedeute.

Sabine Lohmann begrüßte die Gäste mit dem Beginn des Erinnerungsgedichtes von Elisabeth einst geschrieben: „Elisabeth ward ich genannt, durch Glück und Unglück wohl bekannt. Das löbliche Brandenburgische Haus, das ist mein Ursprung, da bin ich raus.“

Zunächst erhielt der Bürgermeister einen „Auftragswunsch“ für die Frauenort Veranstaltung Herzogin Elisabeth im nächsten Jahr. In Form einer Liste mit Wappen und Unterschrift der Herzogin, versehen und einer kleinen Wegzehrung für den Ritt zur Frankfurter Messe. Denn dort möchte, laut Wunsch der Herzogin, Bürgermeister Dannenberg exotische Gewürze und andere besondere Spezereien für sie und ihren Hof einkaufen, ganz so wie es ein Vorgänger von ihm vor langer Zeit vortrefflich ausgeführte habe (Artikel rechts).

Stadtrundgang zum Geburtstag der Herzogin Elisabeth

An den wichtigsten Wirkungsstätten der Herzogin erhielten die Gäste bei ihrem Rundgang durch die Stadt zahlreiche Informationen zum Leben Elisabeths als Regentin, Reformatorin, Mutter, Ehefrau, Witwe und Schriftstellerin. Mit Sachverstand und Einfühlungsvermögen hat Sabine Lohmann den Rundgang gestaltet. Zwischendurch stieß Stadtmusikantin Bettina Kallausch mit Klängen aus der Gemshornflöte zu der Gesellschaft.

Fortschrittlich für die Zeit, in der die Herzogin lebte, war die Bildung für Mädchen. So hat Elisabeth beispielsweise für die Einrichtung einer „Maidtlein“-Schule gesorgt mit dem Ziel, „damit auch die Mädchen das Schreiben und Lesen lerne, zu Gottes Lob und Ehr“. Die Besucher erfuhren zudem, dass Elisabeth für Rosenseife schwärmte und mit Martin Luther Leckereien austauschte, wie Schafskäse aus Münden gegen einen Maulbeerbaum.

Kreistanz, Musik und eine Rede

Interessant war auch die kunsthistorische Führung im „Gemach zum weißen Ross“ im Welfenschloss, mit anschließendem kleinem Renaissancetanz in Form eines Kreistanzes, genannt Rondo, nach zeitgenössischer Musik. Am Ende wurden die Herzogin und ihre Gäste von der Kammerfrau Agnes (Marie Anne Langefeld) im Foyer des Rittersaals mit einer kleinen Rede und Getränk empfangen. „Über fünf Jahrhunderte sind ins Land gezogen und es ist uns eine Genugtuung und Freude, dass ihr noch immer ihres Ehrentags gedenkt. In diesem Jahr ist dieser Tag zudem ein sehr besonderer Tag, feiern wir doch nicht nur den 512. Geburtstag unserer edlen Regentin, sondern auch 480 Jahre Reformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen“, so die Kammerfrau Agnes. (Petra Siebert)

Auftrag an den Bürgermeister

Im Jahre des Herrn Anno 1536 kaufte der Bürgermeister der Stadt Münden mit Namen Menke auf der Frankfurter Messe folgendes für Herzogin Elisabeth ein: fünf Zentner Reis, einen halben Zentner feinen Zucker im blauen Papier, einen halben Zentner normalen Zucker, exotische Gewürze wie folgt: 20 Pfund Ingwer, Zimtsafran, Pfeffer, Nelken, Muskatnuss, Kümmel, Zimtrinde, Paradiskörner (vereinen Aromen von Pfeffer, Ingwer, Kardamom, Zimt), kleine und große Rosinen, Mandeln, ungarische Zwetschen, Kapern, Zibeben (Art Rosinen), Gallian (Heilpflanze). „Uffs trefflichste ist er unserem Wunsche nachgekommen“, schrieb Herzogin Elisabeth.

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