Todesfahrt nach drei Bier

Urteil nach tödlichem Unfall unter Alkohol: „Ein absoluter Grenzfall“

Hann. Münden: Amtsgericht fällt Urteil gegen Autofahrer nach tödlichem Unfall
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Das Amtsgericht Hann. Münden hat das Urteil gegen einen Autofahrer nach einem tödlichen Unfall gefällt.

Ein 31-Jähriger hat bei Hann. Münden einen Radfahrer überfahren, dieser starb an den Verletzungen. Das Amtsgericht fällte nun sein Urteil. 

  • Zu einem überraschenden Urteil kommt es in einem Prozess Hann. Münden.
  • Der Angeklagte verursachte einen tödlichen Unfall.
  • Er war unter Alkoholeinfluss Auto gefahren.

Hann. Münden – Weil ein 31-jähriger Autofahrer unter Alkoholeinfluss einen tödlichen Unfall verursacht hat, hat das Amtsgericht Hann. Münden ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Strafrichter befand ihn der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs für schuldig.

Urteil auf Bewährung nach tödlichem Unfall bei Hann. Münden

Die Bewährungszeit, in der sich der Mann nichts zuschulden kommen lassen darf, legte der Richter auf vier Jahre fest, zudem verpflichtete er den Angeklagten zu einer Reihe von Auflagen.

So ist es dem 31-Jährigen in der Bewährungszeit untersagt, Alkohol- und andere Rauschmittel zu sich zu nehmen, er muss sich regelmäßig bei seinem Bewährungshelfer melden und mit unangemeldeten Suchtmittelkontrollen rechnen. Weiter verpflichtet das Urteil den gelernten Maschinen- und Anlagenführer, der heute in einem Logistikunternehmen arbeitet, 5000 Euro in monatlichen Raten von je 200 Euro an die Stiftung Opferhilfe Niedersachsen zu zahlen.

Nach Unfall bei Hann. Münden - Angeklagter verliert den Führerschein 

Zudem verliert er seinen Führerschein und kann frühestens in zwei Jahren einen neuen beantragen. Er sei charakterlich nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, so der Richter. Er habe sich bewusst dazu entschieden, Alkohol zu trinken, obwohl er wusste, dass er noch fahren würde.

Der Angeklagte hatte gestanden, vor Antritt der Fahrt drei kleine Bier getrunken zu haben. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte er laut Sachverständigenanalyse einen Blutalkoholwert von 0,67 Promille gehabt. Der Alkohol und die durch ihn bedingte Beeinträchtigung des Sehvermögens sei ursächlich für den Unfall gewesen, bei dem ein 72-jähriger Radfahrer starb.

Urteil im Prozess gefallen - Angeklagter war geständig und zeigte Reue 

Die Entscheidung, die Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen und nicht zu vollstrecken, sei ihm nicht leichtgefallen, sagte der Strafrichter in Amtsgericht in Hann. Münden. Aber es habe auch einiges zugunsten des Angeklagten gesprochen: So sei er voll geständig gewesen und habe vor Gericht auch Reue gezeigt. Zudem sei er strafrechtlich nicht vorbelastet und habe sich bisher auch im Straßenverkehr an die Regeln gehalten. Es sei nicht zu erwarten, dass er künftig noch einmal eine Straftat begehen werde.

Zu berücksichtigen gewesen sei auch, dass er durch den Unfall und seine Rolle darin selbst psychisch beeinträchtigt sei. Der Angeklagte hatte ausgeführt, dass er bis heute unter der Tat leide, Ess- und Schlafstörungen habe und psychologischen Rat gesucht habe.

Radfahrer starb nach Unfall bei Hann. Münden 

Mit der rechtlichen Bewertung, den 31-jährigen Autofahrer, der bei Varlosen unter dem Einfluss von Alkohol einen tödlichen Unfall verursacht hat, noch zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung zu verurteilen, stand der Strafrichter am Amtsgericht Hann. Münden nicht allein: Der Staatsanwalt sah das genauso. Auch wenn er aber dabei „Bauchschmerzen“ habe, wie er sagte. Er forderte für den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs ebenfalls eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. 

Als Bewährungszeit hielt er drei Jahre für angemessen. Zu den „spürbaren Auflagen“, die der Angeklagten bekommen sollte, gehörte neben dem Entzug des Führerscheins mit zweijähriger Sperrfrist für den Neuantrag, die Zahlung von 6000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung in Niedersachsen. Das Geld sollte innerhalb der Bewährungszeit zu Raten von 250 Euro gezahlt werden.

Er habe lange darüber nachgedacht, ob eine Bewährung noch infrage komme. Schließlich habe der Angeklagte getrunken, obwohl er wusste, dass er noch Auto fahren würde und das nicht nur eine kurze Strecke, sondern eine längere, auf der er mit Tempo 100 auch auf Landstraßen unterwegs sein würde. Damit habe er einen Unfall in Kauf genommen. 

Drei kleine Bier vor dem Unfall bei Hann. Münden

Auch der Staatsanwalt berücksichtigte aber die Reue, das Geständnis und, dass der Angeklagte selbst unter seiner Tat leide, als strafmildernde Aspekte. Er gehe davon aus, dass der Angeklagte eine solche Tat nicht noch einmal begehen würde, so der Staatsanwalt am Amtsgericht in Hann. Münden. Zu berücksichtigen sei auch gewesen, dass der 31-Jährige nicht massiv alkoholisiert gewesen war. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte er nach den Berechnungen einer medizinischen Sachverständigen einen Blutalkoholwert von 0,67 Promille gehabt.

Der Angeklagte hatte gestanden vor dem Unfall drei kleine Bier getrunken zu haben. Bei seinen Überlegungen, so der Staatsanwalt, habe er sich auch gefragt, wie eine Bewährung in der Bevölkerung aufgenommen werden könnte und ob dadurch der Eindruck entstehen könnte, dass man auch bei schlimmsten Folgen noch davon kommen könne. 

Urteil nach tödlichem Unfall bei Hann. Münden als absoluter Grenzfall 

Es gehe aber hier um einen absoluten Grenzfall. Ähnlich sah es auch der Strafrichter in seiner Urteilsbegründung. Es sei um einen ganz speziellen Fall gegangen. Es wäre falsch, den Eindruck zu gewinnen, bei der ersten Trunkenheitsfahrt gäbe es Bewährung, auch wenn die Folgen der Tod eines Menschen seien. Dem sei nicht so. 

Im Strafgesetzbuch ist die fahrlässige Tötung unter Paragraf 222 geregelt. Dort heißt es: „Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Der Verteidiger des Angeklagten plädierte für eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und eine Geldauflage. Sein Mandant bereue die Tat, habe ein volles Geständnis abgelegt und trinke seit jenem Tag keinen Alkohol mehr.

Von Ekkehard Maaß

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