Corona in Niedersachsen

Hann. Münden: Verstöße gegen Ausgangssperre im Kreis Göttingen

Daniel Bratschek und Thomas Schmidt Kontrollieren die Ausgangssperre
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Kontrollieren die Ausgangssperre in Hann. Münden: Daniel Bratschek und Thomas Schmidt

Stadtordnungsdienst Göttingen und Polizei haben am späten Samstagabend die Ausgangssperre in Hann. Münden kontrolliert. Sie stellten mehrere Verstöße fest. Ein Reporter der HNA durfte sie begleiten.

+++Aktualisiert am 9.5.2021, 16.30 Uhr+++

Hann. Münden – Am späten Samstagabend haben der Stadtordnungsdienst Göttingen und die Polizei fünf Verstöße gegen die Ausgangssperre in Hann. Münden festgestellt. 16 Personen waren im Zeitraum zwischen 22 und 0.30 Uhr kontrolliert worden. Das teilte Daniel Bratschek vom Stadtordnungsdienst mit. Die Zahl der festgestellten Verstöße übersteige damit die der Tage zuvor. Es sei aber noch unklar, ob dies am Wochenende liege, erklärte Bratschek. „Uns fehlen noch die Erfahrungswerte.“ Diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen haben, erwarte nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Die Ordnungshüter stellten jedoch fest, dass die Zahl der Verletzungen der Kontaktbeschränkungen seit dem Beginn der Ausgangssperre zurückgegangen sei: „Es ist ruhiger geworden in der Stadt“, sagen Bratschek und sein Kollege Thomas Schmidt. Mit derzeit vier Kräften kontrolliert der Stadtordnungsdienst die Ausgangssperre, dazu kommt die Polizei, die vor allem den fließenden Verkehr in der Stadt überprüft. Kontrolliert werde von der Polizei die ganze Nacht über, bis zum Ende der Ausgangssperre um 5 Uhr morgens.

Vor dem Inkraftreten der Ausgangssperre am Donnerstag seien häufig Verstöße gemeldet worden, es kam zu privaten Feiern in Wohnungen und zu Treffen in der Öffentlichkeit, etwa auf dem Tanzwerder oder in der Innenstadt. Diese Treffen und Feiern waren vom Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen als Grund für die nächtliche Ausgangssperre bis zum 12. Mai angeführt worden. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen. „Wir hoffen durch die hohe Kontrolldichte und die Präsenz in der Stadt diese Treffen zu unterbinden und damit die Zahlen herunterzubringen“, erklärte Bratschek.

Am Sonntag war noch nicht absehbar, ob und inwieweit die Ausgangssperre bereits tatsächlich zu einer Verringerung der Infektionszahlen beigetragen hat. So sank zwar die Inzidenz von über 300 am Freitag auf 262,2 am Samstag, trotzdem galten noch 124 Menschen am Samstag als aktuell infiziert.

HNA-Reportage: Kontrolle der Ausgangssperre in Hann. Münden

Wir haben Daniel Bratschek und Thomas Schmidt vom Göttinger Stadtordnungsdienst bei ihrer Kontrollfahrt durch das nächtliche Hann. Münden begleitet und dabei einiges über kreative Ausreden, Spaziergänge und Wege zur Arbeit erfahren:

Auf dem Tanzwerder ist es stockdunkel. Die letzten Camper löschen ihr Licht. Nur das Rauschen der Flüsse ist zu hören, als Daniel Bratschek vom Stadtordnungsdienst Göttingen und Thomas Schmidt die Fahrt in Richtung Altstadt beginnen.

Bei den Kontrollen der Ausgangssperre im Stadtgebiet von Hann. Münden geriet auch dieser Passant (Mitte) in Erklärungsnot.

Es dauert nicht lange und ein Mensch huscht auf dem Marktplatz in den Scheinwerferkegel. Sie stoppen. „Guten Abend. Stadtordnungsdienst. Ihre Papiere bitte. Warum sind Sie unterwegs?“, fragt Daniel Bratschek den Mann. Nach wenigen Minuten stellt sich heraus: Er hat keine Papiere bei sich, zuvor einen Freund besucht, dessen Handynummer er aber nicht kenne. Die beiden Kontrolleure nehmen die Personalien auf. Die Autotür fällt ins Schloss.

Ausgangssperre in Hann. Münden soll private Treffen und Feiern verhindern

Es geht weiter. „Genau diese Treffen soll die Ausgangssperre verhindern“, sagt Daniel Bratschek. Der Mann habe sich in Widersprüche verstrickt. „Wir haben schon die kreativsten Ausreden gehört. Aber mit ein wenig Nachfragen finden wir schnell heraus, ob Erklärungen glaubwürdig sind.“ Man sei sich der Problembereiche in Hann. Münden bewusst, sagt Bratschek. Details wolle er aber nicht nennen. „Wir fahren die neuralgischen Punkte ab, ändern dabei unsere Routen“, erklärt der Einsatzleiter.

Das Funkgerät krächzt. Die Polizei hat eine Frau angehalten. Sie hat wohl vergessen, ihr Nageleisen auszuschalten. Die Polizisten lassen sie weiterziehen. Mehrmals noch begegnen uns in dieser Nacht Polizeiautos. Die Kontrolldichte ist hoch, ob das an der Mitfahrt der Presse liegt oder jeden Abend so ist, lässt sich nicht klären.

Der Ton gegenüber den Ordnungshütern sei in der Coronakrise rauer geworden: „Es gibt mehr Beleidigungen, Bedrohungen und Beschimpfungen als früher. Wir merken: Die Menschen sind coronamüde“, sagt Bratschek. Mittlerweile werde weniger belehrt: „Wir sind angehalten, streng zu ahnden.“

Wege zur Arbeit sind während Ausgangssperre erlaubt

Im Halbdunkel der Langen Straße erscheint die Silhouette eines Mannes. Das Kontrollprozedere beginnt von Neuem. Carmine Crescente von Carmines Pizza erklärt, dass er auf dem Heimweg von seinem Restaurant sei. Die Mitarbeiter habe er bereits früher nach Hause geschickt. „Ich finde es gut, dass wir die Ausgangssperre haben. Ich habe beobachtet, dass sich einige nicht an die Auflagen gehalten haben und aus der Reihe tanzen“, sagt er. Ob er festgestellt habe, dass größere Gruppen Pizza bestellt hätten? Das könne er so nicht sagen, erklärt er. „Vielleicht zum Einfrieren“, scherzen die beiden Kontrolleure. „Einen schönen Abend noch, aus beruflichen Gründen, dürfen Sie unterwegs sein.“

Daniel Bratschek und Thomas Schmidt sind während der Ausgangssperre unterwegs im nächtlichen Hann. Münden.

Weiter rollt der Kastenwagen. Ein junger Mann verschwindet in einer Hausecke, er trägt eine schwarze Kapuze. In die Ecke gestellt habe er sich, da dort das Handylicht besser sei. Bratschek und Schmidt sind verdutzt. Auch dieser Mann berichtet von einem Freund, den er besucht habe. Ein Auto mit mehreren Insassen nähert sich. „Ich darf ihn nicht anhalten, aber böse angucken schon.“ Für den fließenden Verkehr sei die Polizei zuständig, so Bratschek. „Wir haben weitere Personen festgestellt“, krächzt es aus dem Funkgerät.

Wir nähern uns den Wallanlagen. Ein junger Mann läuft auf uns zu. Die beiden Kontrolleure stoppen ihn. Schnell stellt sich heraus: Hier ist wieder jemand aus beruflichen Gründen unterwegs. „Mein Chef hat mich in den Laden geschickt, um zu sehen, ob die Alarmanlage scharfgeschaltet ist“, erzählt der 20-Jährige. Er zeigt Verständnis für die Einschränkungen: „Das hat seinen Grund und ist durchdacht, auch wenn die Freiheit nicht zu lange beschränkt werden sollte“, sagt er.

Ordnungsdienst und Polizei sind durch Coronpandemie belastet

Besonders intensiv richten Bratschek und Schmidt ihr Auge auf die Schulhöfe von Werra-Realschule und Grotefend-Gymnasium – nichts zu sehen. Zurück in der Langen Straße. Die Warnleuchte blinkt. Ein Mann in Turnschuhen wird angehalten. Er habe sich mit seiner Freundin gestritten, gehe nun spazieren, um sich abzureagieren. „Sie wissen, dass Sie das nicht dürfen“, ermahnt Bratschek. Nicklas, der Mann mit den Turnschuhen, zeigt sich einsichtig. Er fragt, ob er als Jogger gewertet werden könne. Joggen sei schließlich erlaubt. Die Kontrolleure drücken ein Auge zu. „Wir müssen die Verhältnismäßigkeit wahren“, erklärt Bratschek. Nochmals krächzt das Funkgerät: Die Polizei berichtet von einer Feier. Die Verdächtigen seien getürmt. Einzig Alkoholflaschen belegten das Vergehen.

Langsam fahren wir zurück. „Die aktuelle Situation ist für uns hart, besonders für den, der Familie hat“, sagt Daniel Bratschek. Seit Längerem arbeite das Ordnungsamt im Schichtdienst. Eine Belastung. „Besonders zermürbend sind die ständigen Neuregelungen der Politik, an die wir uns immer wieder anpassen müssen“, klagt er. Trotzdem sei er zuversichtlich, dass die Ausgangssperre wirken werde und die Zahlen sinken. „Dann haben wir erreicht, was wir wollen“, sagt Bratschek und verschwindet in der Nacht.

+++Erstmeldung vom 9.5.2021, 1.00 Uhr +++

Hann. Münden - Bei einer gemeinsamen Kontrolle des Stadtordnungsdienstes Göttingen und der Polizei in Hann. Münden sind am Samstagabend zwischen 22 Uhr und 0.30 Uhr fünf Verstöße gegen die Ausgangssperre festgestellt worden. Insgesamt wurden 16 Menschen kontrolliert.

Mehr Verstöße gegen die Ausgangssperre als sonst in Hann. Münden (Kreis Göttingen)

„Das sind mehr Verstöße als am Abend zuvor“, sagt Daniel Bratschek vom Stadtordnungsdienst Göttingen. Ob das am Wochenende liege, könne er noch nicht sagen, dazu fehlten noch die Erfahrungswerte, erklärte Bratschek noch in der Nacht.

Ausgangssperre in Hann. Münden gilt seit Donnerstag

Seit Donnerstag, 6. Mai, gilt eine Ausgangssperre in Hann. Münden. Zuvor hatte es einen deutlichen Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus gegeben. Das Gesundheitsamt hatte zudem 61 Anzeigen gegen Verstöße Kontaktbeschränkungen registriert. Diese illegalen Feiern wurden als Grund für die Ausgangssperre genannt.

Unterwegs mit dem Stadtordnungsdienst Göttingen in Hann. Münden

Wir haben den Stadtordnungsdienst Göttingen am Samstag bei der Kontrolle in der Altstadt von Hann. Münden begleitet. Was wir dabei an kreativen Ausreden gehört haben, folgt im großen Nachbericht.

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