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Ein Vorrat für den Winter: Eichelhäher sammelt derzeit fleißig Eicheln und Nüsse in der Region Hann. Münden

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Von: Michael Caspar

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Der Eichelhäher ist im Oktober bis zu zehn Stunden am Tag unterwegs, um Vorräte für den Winter anzulegen.
Der Eichelhäher ist im Oktober bis zu zehn Stunden am Tag unterwegs, um Vorräte für den Winter anzulegen. © Klaus Heinzmann

Es ist ein scheuer Vogel, der lange als Gefahr für andere Vögel verschrien war. Doch er hilft dem Wald und warnt andere Tiere vor Gefahren. Der Eichelhäher.

Altkreis – Gut zu tun hat dieser Tage der scheue Eichelhäher, der in den lichten Laub- und Mischwäldern des Altkreises Münden weit verbreitet ist. „Der bunte Rabenvogel legt derzeit seine Wintervorräte an“, berichtet Forstwissenschaftler Philipp Gruß vom Naturpark Münden.

Hann. Münden: Eichelhäher sammt bis zu 5000 Nüsse

Bis zu zehn Stunden am Tag ist der Vogel im Oktober unterwegs, fliegt dabei Strecken von mehr als fünf Kilometern. So trägt im Laufe des Herbstes bis zu 5000 Eicheln und Nüsse zusammen. Er versteckt sie am Boden in Löchern, Spalten oder an Baumstümpfen. „Die Orte merkt sich das Tier, in dem es sich an Bäumen, Felsen oder anderen auffälligen Landmarken orientiert“, weiß Hans-Heinrich Dörrie vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen. So findet der Vogel die Verstecke auch im Schnee wieder.

Einzelne Vorräte bleiben indes den Winter über unberührt. So keimen im Frühjahr Eicheln an Stellen, wo weit und breit keine Eiche steht. Durch solche sogenannten Hähersaaten hat sich die Eiche nach der letzten Eiszeit wieder nördlich der Alpen ausgebreitet. „Manche Waldbesitzer nutzen das für ihre Zwecke“, verrät Peter Sebesse vom Forstrat Dransfeld. Er hat selbst schon Kisten mit Eicheln auf Baumstümpfen abgestellt und den Eichelhäher den Samen im Wald verteilen lassen.

„Von der Wachsamkeit des Eichelhähers profitieren schwächere Waldbewohner“

Der aufmerksame und intelligente Vogel weiß solche Arbeitserleichterungen zu schätzen. „Es kommt vor, dass das Tier Eichhörnchen beim Anlegen von Wintervorräten beobachtet“, berichtet Ornithologe Dörrie. Der Häher wartet, bis die Nager verschwunden sind, plündert ihre unterirdischen Vorratskammern und versteckt die Beute an anderen Orten.

„Von der Wachsamkeit des Eichelhähers profitieren schwächere Waldbewohner“, weiß Dörrie. Das Tier stößt nämlich Warnlaute aus, wenn es Raubvögel wie Bussard oder Habicht sieht. Es schlägt auch an, wenn sich ein Marder, Fuchs oder Mensch nähert. Beutetiere können sich dann in Sicherheit bringen – zum Leidwesen der Jäger. Der Eichelhäher ist allerdings selbst ein Raubtier. Neben Insekten frisst er während der warmen Jahreszeit auch kleine Reptilien und Säugetiere. So zählte ihn Alfred Brehms „Illustrirtes Thierleben“ vor 150 Jahren zu „den abscheulichsten Nestzerstörern“ heimischer Wälder, weiß der Mündener Biologe und Künstler Florian Schäfer (Forgotten Creature). Damals stellten Jäger dem „Schädling“ nach, schmückten ihre Hüte mit den schönen Federn, rotteten den Vogel in einigen Regionen Deutschlands fast aus.

Bestände im Raum Hann. Münden haben sich seit 1920 wieder erholt

Tatsächlich macht sich der Rabenvogel über Eier und Jungvögel etwa des Zaunkönigs oder der Grasmücke her. „Die Schäden sind aber im Vergleich zu dem, was der Mensch anrichtet, gering“, erklärt Forstrat Sebesse. Spätestens seit den 1920er-Jahren haben sich die Bestände wieder erholt. (Michael Caspar)

Um ganz andere Tiere kümmert sich ein Verein aus Varmissen (Dransfeld). Sie holen Straßenhunde nach Deutschland.

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