Waldsterben am Kattenbühl

Hann. Münden: Bäume sterben durch Käfer und Trockenheit

Marco Brandau, Revierförster, steht im Wald am Kattenbühl in Hann. Münden.
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Revierförster Marco Brandau warnt vor großem Baumsterben. „Es ist eine Katastrophe“.

Die Fichte stirbt. Und das überall in der Region. Die Trockenheit der vergangenen Monate und Massen von Borkenkäfern, die es auf diese Baumart abgesehen haben, sind der Grund, warum die Bäume krank werden und absterben. Und das nicht nur in den Wäldern, sondern auch in der Stadt.

Hann. Münden - „Der Käfer ist so aggressiv, dass er jetzt auch Einzelfichten in den Gärten und Parks angreift“, sagt Förster Marco Brandau (46), Leiter des Revierförsterei Kattenbühl des Forstamtes Münden der Niedersächsischen Landesforsten. Zu seinem Revier gehört auch der Forstbotanische Garten am Rande der Mündener Altstadt. Zwölf Fichten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren hat er dort fällen lassen müssen.

Baumsterben großes Thema in der Region Hann. Münden

Denn auch dort gilt: Das befallene Holz muss aus dem Forst heraus, weil es eine Brutstätte für die Larven der Buchdrucker und Kupferstecher ist, die beiden Borkenkäferarten, die die Fichte befallen. Nach der Eiablage dauert es etwa sechs Wochen, bis eine neue Generation ausschwärmt.

Gesunde Bäume wehren sich, indem sie die Bohrlöcher verharzen. Aber wenn sie unter Wassermangel leiden, funktioniert dieser Schutzmechanismus nicht mehr. Es sind inzwischen nicht nur geschwächte und ältere Bäume, die von dem Käfer befallen werden, sondern auch vitale. Im Forstbotanischen Garten gibt es jetzt nur noch eine Fichte, 40 Jahre ist sie alt. Ob sie den Sommer übersteht, kann niemand sagen. Noch sei sie nicht befallen, sagt Brandau.

Zehntausende Fichten hat Brandau in seinem Revier verloren

Rund 80 000 Fichten hat der Förster in seinem Revier verloren. Es sind vor allem die jüngeren, unter 30-jährigen Bäume, die bisher standgehalten haben. Etwa 20 000 Fichten gebe es noch seinem Revier.  „Und die stehen nicht in reiner Monokultur“, stellt der Förster klar. Solche Flächen gebe es in seinem Revier gar nicht. Seit über 30 Jahren arbeiteten die Landesforsten daran, Mischwälder mit Laub- und Nadelbäumen entstehen zu lassen. Monokulturen seien in einigen Gegenden nach dem Krieg entstanden. Damals musste Holz in großen Mengen als Reparationsleistungen für die Siegermächte geschlagen werden. Für die Wiederaufforstung bot sich die Fichte als ideales Bauholz an.

Der Borkenkäfer: Seine Larven wachsen unter der Rinde heran. Unser Bild zeigt eine gefällte Fichte im Forstbotanischen Garten in Hann. Münden.

Dass es beim Fichtenmassensterben nicht um ein Problem von Monokulturen geht, wo Schädlinge sich rasch verbreiten können, ist genau das, was Förster Brandau beunruhigt. Es sterben auch einzelne Bäume mitten zwischen Buchen, Birken und Eichen.

Trockenheit macht den Buchen zu schaffen

Zudem mache die Trockenheit auch immer mehr Buchen zu schaffen, sagt Brandau. Gerade alte Bäume seien betroffen. So stirbt auch eine mächtige Buche oberhalb von Volkmarshausen. Sie ist mindestens 200 Jahre alt und hat einen Stammdurchmesser von etwa 1,40 Meter. „Da können einem schon die Tränen kommen.“ Der Wald sei schwer geschädigt, er erlebe die größten Veränderungen seit 200 Jahren. „Die Vielfalt geht verloren. Das ist eine Katastrophe.“ Und er habe den Eindruck, das sei vielen Menschen noch gar nicht bewusst. Denn der Waldbesucher sehe immer noch einen grünen Wald. Vor allem auch deshalb, weil die meisten abgestorbenen Fichten möglichst schnell herausgeholt worden seien, um den Käfer wirksam zu bekämpfen, was aber letztlich nicht mit dem gewünschten Erfolg gelungen sei.

Inzwischen haben aber längst die Wiederaufforstungen begonnen, vor allem mit Laubbäumen, von denen die Förster ausgehen, dass sie dem Klimawandel mit Trockenheit und vermehrt extremen Stürmen besser gewachsen sind.

Brandau zeigt eine 2,5 Hektar große Fläche im Bramwald oberhalb von Bühren. Zwischen den Stümpfen von Fichten und Buchen stehen in langen Reihen dreijährige Stieleichen: der neue Wald. Jetzt muss er aber noch den Sommer überstehen.

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