Verwaltung soll prüfen

Hann. Münden: Wasserkraft wird nur geringes Potenzial eingeräumt – Kritik von Fischern

Die Fuldaschleuse in Bonaforth (Hann. Münden) im Sommer.
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Die Schleuse bei Bonaforth sorgt für Diskussionen.

Der Rat Hann. Münden hat einen Antrag zu umweltfreundlicher Energie zugestimmt. An Wasserkraftwerken entbrennt nun Streit.

Hann. Münden – Der Rat der Stadt Hann. Münden hat einen Antrag des Bürgerforums Hann. Münden zum Thema „umweltfreundliche Energiegewinnung in Hann. Münden“ einstimmig beschlossen.

Die Verwaltung wir darin aufgefordert, „alle Möglichkeiten zur umweltfreundlichen Energiegewinnung in Hann. Münden zusätzlich zu den bestehenden Anlagen zu prüfen“. Der Umweltausschuss hatte zuvor empfohlen, dem Antrag zuzustimmen.

Wasserkraftwerke hätten wenig Potenzial

Hartmut Teichmann (Grüne) erklärte in der Ratssitzung, der Antrag sei zu begrüßen, ihm fehlten jedoch konkretere Angaben. Insbesondere das Thema Energieeinsparung halte er ebenfalls für wichtig. Mit Blick auf einen weiteren Ausbau der Wasserkraft stellte Teichmann fest, dass diese eher wenig Potenzial habe.

So sei fraglich, ob künftig wegen weiterer Dürren infolge des voranschreitenden Klimawandels noch genügend Wasser vorhanden sei. Bedenken, die wegen des Fischschutzes geäußert worden seien, halte er jedoch für eher unbegründet: Neue Wasserkraftwerke würden nur noch mit Rechen oder Fischtreppen genehmigt.

„Jedes neue Wasserkraftwerk wird nur mit dem höchsten Fischschutz genehmigt“, betonte auch Lena Kürschner (Grüne). Gegen Fischschutz sperre sich zudem auch kein Wasserkraftwerksbetreiber.

Grüne: Balkonkraftwerke sind sinnvoll

Hartmut Teichmann hob nochmals die Vorzüge sogenannter Balkonkraftwerke hervor: Diese reduzierten die eigene Stromrechnung, obwohl sie mit 600 Watt nicht den ganzen Bedarf des Hauses decken könnten. Zudem seien sie praktisch, da sie auch von Mietern genutzt werden und bei einem Umzug mitgenommen werden könnten, so Teichmann. Ein weiterer Vorteil sei, dass Balkonkraftwerke keine Stromtrassen benötigten, dass sie dezentral Energie erzeugten.

Er appelliere daher an Stromversorger wie die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM) Hürden, wie die Verwendung besonderer Stecker, zu beseitigen. Der Landtagsabgeordnete und Ratsherr Gerd Hujahn erklärte, dass das Land an einem neuen Landesraumordnungsprogramm (LROP) arbeite. Eine Änderung des Windenergieerlasses sehe er noch in diesem Halbjahr. Auch Windenergie auf Kalamitätenflächen im Wald sei in der Diskussion. Wenn das Landesraumordnungsprogramm geändert werde, werde auch das Regionale Raumordnungsprogramm in einigen Punkten angepasst werden, ist Hujahn überzeugt.

Fischfreunde gegen den Ausbau

Die Diskussionen im Umweltausschuss der Stadt Hann. Münden zum Thema „Erneuerbare Energien“ betrachte der Verein der Fischfreunde mit großer Sorge, teilt Aik Boymann vom Verein der Fischfreunde zu den drei Strömen Hann. Münden mit.

In dieser Diskussion werde über einen Ausbau der Wasserkraft an der Bonaforther Schleuse nachgedacht, obwohl schon die bestehenden Wasserkraftwerke an den Flüssen Fulda, Werra und Weser bis heute keine funktionierenden Fischtreppen vorwiesen. Für Wanderfische seien dies Hindernisse, die sehr oft das tödliche Ende ihrer Reise zu den Laichplätzen bedeuteten.

Denn nur die wenigsten Fische fänden in den schon bestehenden Anlagen die Notausgänge der Fischtreppen, weil sie vom Leitstrom direkt in die Turbinen gedrückt würden.

Leid der Fische werde verdrängt

Das Leid der Fische, die millionenfach in den Turbinen Quetschungen, Flosseneinrisse oder gar tödliche Amputationen erleiden, werde leider nicht wahrgenommen und der vermeintlich umweltfreundliche Strom werde unter Missachtung von Tierschutz und Tierwohl erzeugt.

Folglich spreche sich der Verein der Fischfreunde deutlich gegen den Bau einer weiteren Wasserkraftanlage im Bereich der Bonaforther Schleuse aus.

Wenige Kilometer flussaufwärts bestehe bereits die Anlage Wahnhausen und auch in dieser Anlage fänden jährlich unzählige Fische den Tod. Zwar zahlten die Wasserkraftbetreiber deshalb für den Wiederbesatz von Jungfischen Entschädigungsgelder, dennoch bleibe das Problem des Tierleides in den unzureichend ausgerüsteten Wasserkraftanlagen bestehen und würde sogar billigend in Kauf genommen, anstatt ihm durch bauliche Verbesserungen der Fischtreppen entgegenzutreten.

Der Verein der Fischfreunde zu den drei Strömen fordere daher nachdrücklich, dass zunächst die vorhandenen Wasserkraftanlagen im Sinne des Tierwohls durch funktionierende Wanderwege (Fischtreppen) nachgerüstet würden, bevor überhaupt an den Bau neuer Anlagen gedacht werde. (Thomas Schlenz)

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