Corona in Niedersachsen

Kreis Göttingen: Hann. Münden wird Corona-Modellkommune -Das steht in der Bewerbung

Betreibt Kontaktnachverfolgung bisher noch analog im Notizblock: Katharina Junge Mode Inhaberin Katharina Junge.
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Betreibt Kontaktnachverfolgung bisher noch analog im Notizblock: Katharina Junge Mode Inhaberin Katharina Junge.

Hann. Münden wird Modellkommune. Das überrascht viele in der Stadt. Bürgermeister Wegener teilte nun mit, was in der Bewerbung steht.

Hann. Münden – Als eine der Modellkommunen in Niedersachsen für Öffnungsstrategien in der Coronapandemie ist die Stadt Hann. Münden am Osterwochenende ausgewählt worden.

Landrat Reuther: Von Entscheidung für Münden überrascht

Über diese Entscheidung zeigt sich Landrat Bernhard Reuter in einer schriftlichen Stellungnahme des Landkreises „überrascht“. „Aber der Prozess war transparent und nachvollziehbar, der Landkreistag als kommunaler Spitzenverband war informiert und eingebunden.“ Er vertraue auf die Auswahl, die Stadt Hann. Münden habe „offensichtlich“ mit ihrem Konzept überzeugt.

„Für sie ist das eine Chance und zugleich eine große Verantwortung. Deshalb ist weniger ein Glückwunsch angebracht, als die Zusage von Unterstützung. Und die bekommt Hann. Münden auch – von Landkreis, Krisenstab und Gesundheitsamt.“ Mündens Bürgermeister Harald Wegener erklärte, die Entscheidung für eine Bewerbung habe kurzfristig getroffen werden müssen. Ab Montag, 29. März, sei eine Bewerbung möglich gewesen.

Luca-App soll Mittel zum Zweck sein

„Wir mussten das Benehmen des Gesundheitsamtes in Göttingen, also dessen Stellungnahme für das Konzept, bereits am Dienstag eingeholt haben.“ Ansonsten hätte die Stadt nicht berücksichtigt werden können, erklärte er. „Es geht doch darum, ernsthafte Perspektiven aufzuzeigen und nicht nur darüber zu sprechen“, so Wegener. Ob dies zum Projektstart mit den dann aktuellen Infektionszahlen überhaupt möglich sei, müsse man sehen. Es gehe nun darum, organisatorische Fragen für das Projekt zu klären. Dazu werde es Gespräche mit den einzelnen Betroffenen wie beispielsweise der Mündener Gilde geben.

Als Kontaktverfolgungsapp laufe bislang alles auf die Luca-App hinaus. Für die Nachverfolgung sei letztlich aber der Landkreis zuständig. Das Projekt werde wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, auch, um Ergebnisse auf andere Kommunen im Land übertragen zu können. Er hoffe, dass sich das Land auch an der Finanzierung der Begleitung und Auswertung beteilige.

Hann. Münden: Das steht in der Bewerbung

Drei Seiten umfasst das Konzept der Stadt für die Bewerbung zur Modellkommune, das unserer Zeitung vorliegt. Beim Testen verweist Bürgermeister Harald Wegener auf ein breites Spektrum an Kapazitäten: „Neben einer Vielzahl von Fach- und Allgemeinärzten gibt es die Möglichkeit für Schnelltests in den lokalen Apotheken und im neuen Schnelltest-Zentrum Hann. Münden, welches sich direkt im Bahnhofsgebäude befindet“, heißt es im Konzept.

Die steigende Auslastung des Testzentrums bestätige das vorausschauende Handeln der Akteure vor Ort und sei ein entscheidender Baustein in der Bewerbung als Modell-Kommune, so Wegener. Das Testzentrum befinde sich am Rande des Projektgebietes in der Altstadt. Bahntouristen könnten direkt dort aussteigen und hätten bereits auf dem Weg in die Innenstadt das Testergebnis. Das gelte auch für Touristen, die mit dem Auto, Bus oder Wohnmobil anreisten.

Zusammengefasst biete sich Hann. Münden als Modellstadt an

Zusammengefasst biete sich Hann. Münden als Modellstadt an, da die Stadt zentral gelegen sei und ein breites Spektrum an Versuchsmöglichkeiten biete. Sowohl Tagesgäste aus der Region, als auch überregionale Gäste könnten in kleinteilig strukturierten, inhabergeführten Geschäften, in der Kultur und Gastronomie zu einer guten Datenerhebung führen.

Zudem habe man im vergangenen Jahr Erfahrungen mit Hygienekonzepten gesammelt, heißt es weiter. Kostenlose Tests würden gut angenommen. Das zeige, „dass die Einwohner bereit sind für einen derartigen Modellversuch“.

Öffnungen in Hann. Münden: Das sagen die Einzelhändler

Für die Mündener Einzelhändler kam die Nachricht teils überraschend, dass die Stadt zur Modellkommune in Niedersachsen ernannt wurde. Sie fordern nun ein Konzept von der Verwaltung.

Andreas Sadowsky von der Mündener Gilde sieht die Auswahl der Stadt für eine Modellkommune als Chance für den Einzelhandel. Überrascht habe ihn die Bewerbung der Stadt für das Projekt nicht. Es habe seitens der Gilde im Vorfeld Gespräche mit der Verwaltung gegeben. Es sei aber aktuell noch nicht klar kommuniziert worden, was das Modell für den einzelnen Händler oder Gastronom konkret bedeute.

Zum Beispiel sei noch nicht genau bekannt, wie der Ablauf mit den Schnelltests funktionieren soll. Deswegen wünsche er sich von der Verwaltung eine gute Organisation und eine verständliche und klare Informationspolitik, sowohl für die Kunden als auch für die Händler: „Nur mit klaren Informationen können wir die Menschen zum Mitmachen motivieren“, so Andreas Sadowsky.

Die Gilde in Hann. Münden unterstützt das Projekt

Eine Kontaktverfolgung auch ohne eigenes Smartphone halte er grundsätzlich für möglich: „Wir machen das bereits beim Thema Click and Meet.“ Die Gilde unterstütze das Projekt Modellkommune: „Vielleicht können wir dadurch Teil einer Lösung und auch ein positives Beispiel für andere Kommunen werden.“

Guido Einecke, erster Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Kreisverband Münden, war im Voraus nicht über die Bewerbung informiert, wie er auf Nachfrage berichtet. Er warte nun das Konzept der Verwaltung ab. Die im Projekt vorgesehene Öffnung der Außengastronomie in Verbindung mit Schnelltests sieht er bei den derzeitig winterlichen Temperaturen kritisch. Vor allem, da er die Außenplätze seines Ratsbrauhauses zwei Mal wöchentlich für den Markt schließen müsse. Ein Hygienekonzept für die Innennutzung des Restaurants würde er begrüßen.

Hann. Mündens Rolle als Modellkommune sieht die Inhaberin des Friseursalons Kurz oder Lang, Daniela Gießler-Süß, kritisch. „Kommen Leute dann noch in die Stadt?“, fragt sie sich. Man müsse abwarten, wie die eingerichteten Zonen aussehen sollen, wo sie anfangen und enden. Damit meint sie die Bedingung für die Vergabe, dass die Modellkommunen ihre Strategie in bestimmten Zonen ausprobieren dürfen Zudem bleibt auch die Frage offen, wer die Tests bezahlen solle.

Mehr Kommunikation im Vorfeld erwünscht

Jessica Riddell vom Spielwarenladen Hendrich sieht das Projekt Modellkommune nicht als problematisch an: „Für die Geschäfte ist es nicht schlecht, wenn wieder mehr los ist“, sagt sie. Für den Spielwarenladen würde sich nichts ändern, da zum Sortiment auch ein großer Teil Baby-Ausstattung gehört. „Geschäfte, bei denen annähernd die Hälfte der Produkte für Babys sind, durften bereits vor dem restlichen Einzelhandel wieder öffnen“, so Riddell. Daher seien auch keine Termine für den Einkauf nötig.

Katharina Junge vom Modegeschäft „Katharina Junge Mode“ hätte sich eine Kommunikation der Stadt im Vorfeld gewünscht. „Wie immer geht es natürlich darum, dass wir planen und uns vorbereiten können“, sagt Junge. Bisher habe sie noch keine Ahnung, was sich für sie und ihr Modegeschäft nun damit ändert.

Ältere Kunden werden abgeschreckt?

Die Nutzung einer Smartphone-App zur Kontaktnachverfolgung ihrer Kunden findet Katharina Junge gut und unbedenklich. In sozialen Medien gebe man täglich seine persönlichen Daten preis. Allerdings könnte die Notwendigkeit der App ältere Kunden abschrecken, die mit Nutzung eines Smartphones nicht sehr vertraut sind. (Thomas Schlenz/William Abu El-Qumssan/Kim Henneking/Jens Döll)

Gesundheitsamt gab Stellungnahme ab

Das Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen hat zur Bewerbung der Stadt Hann. Münden als Modellprojekt das sogenannte Benehmen hergestellt. In einem Schreiben an Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener wies die Behörde am 31. März darauf hin, dass die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis bei 114,4 liege und die auf die Stadt Hann. Münden heruntergebrochene Inzidenz bei 177,6. „Dies resultiert aus diversen Ausbruchsgeschehen“, hieß es.

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