Wirtschaft 

Automobilzulieferer  WMU in Hann. Münden trotzt Corona-Krise

In der Produktion: WMU-Mitarbeiter Nicy John an einer 2000-Tonnen-Presse bei der Qualitätskontrolle. WMU produziert vor allem Karosserie- und Achsenteile. 
+
In der Produktion: WMU-Mitarbeiter Nicy John an einer 2000-Tonnen-Presse bei der Qualitätskontrolle. WMU produziert vor allem Karosserie- und Achsenteile. 

Die Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Auch dem Automobilzulieferer WMU in Hann. Münden sind Aufträge weggebrochen. Im Werk gelten strenge Hygieneregeln. 

Hann. Münden – WMU gehört zu den größten Arbeitgebern in Hann. Münden und befindet sich wie viele Autozulieferer derzeit in Kurzarbeit. Der Weser Metall Umformtechnik GmbH (WMU) sind im Zuge der Corona-Einschränkungen viele Aufträge weggebrochen.

WMU in Hann. Münden: Es wird mit Verlusten gerechnet 

„Wir rechnen mit einem Umsatzverlust von 35 bis 40 Prozent“, sagt Geschäftsführer Jörg Wittling. „Es werden zu wenig Autos verkauft.“ Und WMU sei zu 99 Prozent von der Autoindustrie abhängig. „Wir sind ein richtiger Automobilzulieferer“, betont Avni Mehmeti, Personalchef des Unternehmens. Es sind vor allem Karosserie- und Achsenteile, die WMU fertigt. Derzeit könne nur auf Sicht gefahren, von Woche zu Woche geplant werden.

Rund 450 Mitarbeiter hat das Unternehmen, davon rund 30 Auszubildende. Seit Mitte März sind alle, bis auf die Azubis, in Kurzarbeit. Die Last soll auf alle Schultern verteilt werden. Bis Ende des Jahres sei die Kurzarbeit geplant, sagt Wittling.

Jörg Wittling, Geschäftsführer von WMU in Hann. Münden. 

Hann. Münden: WMU blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft 

Trotz der Krise blickt Wittling ebenso wie sein Personalchef Mehmeti optimistisch in die Zukunft. „Wir wissen, dass viele Kollegen Existenzangst haben,“ sagt Mehmeti, aber es seien keine Entlassungen geplant. „Wir wollen unsere gesamte Belegschaft halten, um am Aufschwung im kommenden Jahr teilnehmen zu können.“ Auch alle Azubis, die in diesem Jahr auslernen, sollen übernommen werden.

WMU, eine Tochter der koreanischen Unternehmensgruppe Sungwoo Hitech, investiert auch in diesem Jahr in neue Technik. Ende des Jahres soll eine neue 1600-Tonnen-Presse in Betrieb genommen werden. Investitionskosten: rund 6,5 Millionen Euro. Dafür wird derzeit eine veraltete Anlagenstraße mit fünf Pressen abgebaut.

Pandemie-Plan soll vor Corona-Infektion bei WMU in Hann. Münden schützen 

Anfang des Jahrs hat WMU zudem eine neue Halle für die Werkzeugproduktion in Betrieb genommen. Investitionskosten hier: rund eine Million Euro.

Um die Belegschaft vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, hat das Unternehmen Mitte März einen Pandemie-Plan eingeführt, um die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts umzusetzen.

So seien, um die Abstandsregeln einhalten zu können, auch alle Räume vermessen worden, erläutert Wittling. Jetzt hängt an den Türen ein Hinweis, wie viele Personen sich darin gleichzeitig aufhalten können. Auch in den Produktionshallen wird strikt auf Abstände geachtet. Auf dem Boden sind entsprechende Markierungen angebracht.

Corona-Fall bei WMU in Hann. Münden 

Alle Mitarbeiter seien zudem geschult worden, wie sie sich zu verhalten haben und welche Hygienemaßnahmen einzuhalten sind, alle hätten auch einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Firmen-Logo erhalten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sei das Gewerbeaufsichtsamt über das selbst erstellte Maßnahmenpaket informiert worden, auch weil es keine behördlichen Anweisungen gebe. Das Amt haben der Firma bestätigt, dass das Konzept schlüssig und gut durchdacht sei, sagt Wittling.

Die wirkliche Bewährungsprobe aber läuft gerade. Am Freitagnachmittag vor einer Woche erhielt das Unternehmen vom Gesundheitsamt in Kassel den Hinweis, dass ein Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden sei. Daraufhin sei sicherheitshalber die Nachtschicht abgesagt worden und die betroffenen Personen, die mit dem Mitarbeiter Kontakt gehabt haben könnten, informiert worden, zuhause zu bleiben und ihren Arzt anzurufen, sagt Wittling. Inzwischen hätten auch weitere Tests stattgefunden. Es seien aber keine weiteren Personen positiv getestet worden.

Mundschutzpflicht im WMU-Werk in Hann. Münden 

Bis zum Ablauf der 14-Tage-Frist gilt im gesamten Unternehmen jetzt generell die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Bisher war dies nur vorgeschrieben, wo die Gefahr bestand, den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zu unterschreiten. 

Von Ekkehard Maaß 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.