Lesen war Herzensangelegenheit

Hann. Mündener Buchhändlerin Hella Winnemuth ist tot

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So kannte man sie: Hella Winnemuth inmitten von Büchern in ihrem Buchladen. Das Bild entstand zu ihrem 50. Berufsjubiläum im vergangenen Jahr. 

Gerade hat sie noch in der Jury des Heimat-Schreibwettbewerbs mitdiskutiert und nun ist sie nicht mehr da: Hella Winnemuth, über 40 Jahre Buchhändlerin in Hann. Münden, ist gestorben.

Ins Fenster der Buchhandlung in der Mündener Altstadt, Burgstraße/Ecke Rosenstraße, haben ihre Mitarbeiterinnen ein Foto von ihr gestellt. Sie machen in ihrem Sinne weiter heißt es daneben auf einem Schild.

Der kleine Laden ist längst Legende: Es gibt dort fast alles, und sei der Titel, den man sucht, auch noch so ausgefallen. Dann verschwand Hella Winnemuth hinter der geheimnisvollen Tür im Geschäft – und kehrte häufig Minuten später mit dem Gewünschten zurück. Sie hatte immer einen guten Lesetipp auf Lager, egal, ob für Erwachsene, Jugendliche oder Kinder. 

Kein Wunder, hat sie doch selbst jede Woche ein Buch gelesen, wie sie zu ihrem 50. Berufsjubiläum verriet. Das feierte sie im vergangenen Jahr im April. Da war sie 67 Jahre und verschwendete keinen Gedanken an Ruhestand. Zehn Jahre hatte sie in der Buchhandlung May in Hann. Münden gearbeitet, einschließlich Ausbildung, dann in Göttingen, bis sie 1988 ihr eigenes Geschäft in der Dreiflüssestadt eröffnete. 

Blick zurück: Hella Winnemuth eröffnete Anfang April 1988 ihre Buchhandlung in Hann. Münden Rosenstraße/Ecke Burgstraße.

Lesen war ihr eine Herzensangelegenheit. Ihre Lese-Leidenschaft versuchte sie stets, auch an Kinder weiterzugeben. Sie unterstützte Kindergärten und machte bei vielen Lese-Aktionen mit. Sie organisierte Autorenlesungen und bestückte ungezählte Büchertische. Wann immer es ums Lesen ging oder Literatur zu einem bestimmten Thema benötigt wurde, war Hella Winnemuth mit von der Partie, egal, ob abends oder am Wochenende, ganz gleich, ob zum Frauentag, zum Herzogin-Geburtstag, zur jüngeren deutschen Geschichte oder zum Welttag des Buches. 

Die gebürtige Bührenerin war in ihrem Heimatort im Schützenverein aktiv, und sie hat 1993 den Verein Erinnerung und Mahnung in Hann. Münden mitgegründet, arbeitete viele Jahre im Vorstand mit, unter anderem als Schriftführerin und als stellvertretende Vorsitzende. Sie hatte immer das passende Gedicht, die richtige Textpassage, den geeigneten Autoren parat, wenn es darum ging, sich gegen Fremdenhass und Gewalt zu positionieren.

"Hella Winnemuth gehörte zur Stadt"

„Das ist ein unglaublicher Verlust“, sagt Julia Bytom, Vorsitzende des Vereins, und meint damit nicht nur Erinnerung und Mahnung. Die Buchhändlerin Hella Winnemuth in ihrem Laden war einfach ein Stück Hann. Münden, sagt Bytom. Brunhilde Ulbricht, Vorsitzende des Mündener Kulturrings, formuliert es ganz ähnlich: Hella Winnemuth habe einfach zur Stadt gehört. Persönlich und für die Stadt sei ihr Tod tragisch. Für den Mündener Kulturring war Hella Winnemuth eine starke Kooperationspartnerin. 

Ihre Kunden wussten Hella Winnemuths freundliche Art zu schätzen: Dafür kürten sie sie zweimal zum HNA-Kundenstar. Diese positive Rückmeldung hat die Buchhändlerin so gefreut, dass sie diese sogar im gerade erschienen Buch „Hann. Münden. Lebenswege einer Stadt“ erwähnt. Schüler der Berufsbildenden Schulen Hann. Münden haben darin Auszüge aus den Biografien von Menschen in Münden gesammelt. Darunter auch Hella Winnemuth. 

Und damit ist die Frau, die Bücher so sehr liebte, dass sie auch nach 50 Jahren noch vom „schönsten Beruf der Welt“ sprach, selbst Teil eines Buches geworden.  

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