Er kennt 400 Fachwerkhäuser

Hann. Mündens Denkmalpfleger Burkhard Klapp geht in den Ruhestand

Denkmalpfleger Burkhard Klapp steht vor dem Fachwerkhaus Burgstraße 23 in Hann. Münden
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Burkhard Klapp vor dem Haus Burgstraße 23.

„Ich gehe mit riesengroßer Freude in den Ruhestand, ich habe all meine Arbeiten gerne gemacht und alle Aufgaben erledigt“, sagt Burkhard Klapp, von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Hann. Münden und vom Fachdienst Denkmalschutz und Stadtbildpflege. Am heutigen Mittwoch ist sein letzter Arbeitstag.

Wunderschön, umfangreich, abwechslungsreich und lebendig, so beschreibt er seine Arbeit. Am 1. Juli 1990 trat er seine Stelle bei der Unteren Denkmalschutzbehörde an. Dem Klischee, ein Denkmalpfleger bringe nur Ärger und Kosten, wirkte er mit Aufklärung über Rechte und Pflichten sowie Ratschlägen finanzieller Unterstützung und Fördermitteln entgegen. „Bauliche Veränderungen sollten schon denkmalverträglich sein“ sagt Klapp dazu. Behördliches hat er gut verständlich erläutert, um den Bau- und Sanierungsprozess zu erleichtern.

Er kam immer dann ins Spiel, wenn etwas im Argen lag oder wenn eine Bautätigkeit oder Sanierung anstand. Doch es waren überwiegend positive Erfahrungen mit Hauseigentümern in der Altstadt. „Ich bin gerne auf die Baustellen gegangen und auf die Menschen zugegangen“; betont der Fachmann. Er habe da viele gute Gespräche geführt. „Aber man muss auch zuhören können und auf das eingehen, was vom Bauherrn geplant ist.“

Bürgermeister Harald Wegener ergänzt, dass es einige Hauskäufer gebe, die recht blauäugig an die Sanierung gehen würden, doch die meisten seien sich ihrer Pflichten bewusst und erkundigten sich, was machbar sei.

Burkhard Klapp erlebte Umbauten für die Expo 2000

„Legt man die Altstadthäuser auf eine Waagschale, dann schlägt diese mit fertig sanierten Häusern nach oben aus“, erklärt der Denkmalschützer. Von den rund 500 Gebäuden in der Altstadt kennt er bei 400 die örtlichen Gegebenheiten, 100 Gebäude hat er in seiner Funktion noch nie betreten. Große Schwierigkeiten gibt es bei den Haas-Häusern, die 1995 gekauft wurden. „Es tut weh, zu erfahren, wie jemand mit denkmalgeschützten Gebäuden umgeht“, sagt Burkhard Klapp.

Doch die positiven Erfahrungen haben überwogen, wie neben den Maßnahmen im privaten Feld unter anderem die Freilegung des Kronen- und des Hampeturms. Auch im Bereich Archäologie hat er in den 30 Jahren einiges aus ehemaligen Kloaken mit ans Tageslicht gebracht, beispielsweise bei der Umgestaltung der Plätze. Da wiesen Glasfunde auf eine Glashütte hin. Eine weitere Herausforderung war der Umbau der einst evangelisch methodistischen Kirche in der Sydekumstraße zur Moschee. Spannend fand er die Umbauten zur Expo 2000, denn die Künstler waren für die Baufachleute der Stadt nicht kalkulierbar. Die Denkmalkunstfestivals, den jährlichen Tag des offenen Denkmals haben viel Organisation erfordert, doch es hat immer Spaß gemacht. Ein Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn bei der Stadt sei die Bürgergenossenschaft, die er als Architekt im Aufsichtsrat ein wenig als seine Bürgergenossenschaft betrachte.

Er hat es auch immer verstanden, die Arbeit anderer zu würdigen. So beispielsweise die des Denkmalaktivisten Bernd Demand: „Ich weiß nicht, was alles nicht passiert wäre, wenn Bernd Demand nicht nach Hann. Münden gekommen wäre“, resümiert Burkhard Klapp.

Denkmalpfleger Burkhard Klapp bleibt aktiv im Fachwerk-Fünfeck

Nach seinem Studium hat Burkhard Klapp zehn Jahre in einem Architekturbüro in Kassel gearbeitet. Das Maritim-Hotel in Darmstadt, Industriegebäude, Krankenhäuser und Wohnkomplexe gehörten zu seinen Aufgaben. Bereits während seines Studiums entwickelte er ein Faible für Baubiologie (Lehmbau) und beschäftigte sich intensiv mit ökologischem Bauen in Fachwerkhäusern.

In die 30-jährige Tätigkeit in Münden hat er viel Herzblut eingebracht. Mit Bürgermeister Harald Wegener gab es eine gute Zusammenarbeit, allerdings waren die Auffassungen oft sehr unterschiedlich. Wegener bescheinigte ihm während eines Gespräches mit den engsten Kollegen Nicole Prediger und Kerstin Kreßner, dass Klapp stets Fingerspitzengefühl beim Umgang mit Hauseigentümern und Objekten gezeigt habe. Außerdem habe er immer mit Weitsicht gehandelt.

Seine neu gewonnene Freizeit wird Burkhard Klapp der Familie widmen, viel Fahrrad fahren und gemeinsam mit seiner Frau in Hann. Münden wohnen bleiben. Das Fachwerkfünfeck wird er weiter leiten. Er schätze die Zusammenarbeit und den Austausch der Städte untereinander.

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