Drei Rosen zu Johanni

Hann. Mündens Freimaurer feiern ihr höchstes Fest

Logenhaus Hann. Münden: Freimaurer Stefan Seuring-Steller, Thorben Düvel und Dirk Pelz (von links).
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Zirkel und Winkelmaß schmücken das Logenhaus: Freimaurer Stefan Seuring-Steller, Thorben Düvel und Dirk Pelz (von links) an der Bremer Schlagd Hann. Münden.

Unter Corona-Bedingungen feiert die Hann. Mündener Freimaurerloge Pythagoras zu den drei Strömen am 20. Juni ihr höchstes Fest – den Namenstag von Johannes dem Täufer.

„Johannes ist der Schutzpatron der Bauleute“, erläutert Thorben Düvel, der als Meister vom Stuhl der Loge vorsitzt. „Wir Freimaurer stehen in der Tradition der mittelalterlichen Bauhütten, die in Europa die gotischen Kathedralen errichtet haben“, führt Düvel aus. So hat die Bruderschaft von ihren Altvorderen die – nun nicht mehr christlich, sondern symbolisch verstandene – Verehrung des Heiligen übernommen.

„Der Bußprediger Johannes verkündete den Anbruch einer neuen Zeit, als Patron der Freimaurer steht er in meinen Augen für den Beginn eines neuen, aufgeklärten Zeitalters“, erklärt Stefan Seuring-Steller. Die Freimaurer, die ihre Bauhütten Johannislogen nennen, verstehen auch die alten Handwerksgeräte im übertragenen Sinne, berichtet Düvel. Sie dienen ihnen als Symbole der Selbsterkenntnis. Der Zirkel könnte zum Beispiel für die planende Ordnung im eigenen Leben stehen oder das Winkelmaß als Aufruf zur Rechtschaffenheit. Glaubenssätze kennt die Freimaurerei nicht.

„Eine wichtige Rolle spielt bei uns die Pflege des rituellen Brauchtums“, betont der Logenvorsitzende Düvel. Beim Johannisfest ziehen die Brüder festlich gekleidet in ihren Tempel, einen speziellen Zeremonienraum im Logenhaus an der Bremer Schlagd. „Dort gibt es ein Wechselgespräch zwischen drei Personen“, verrät der Freimaurer. Von Zeit zu Zeit erklingt ein Musikstück vom Band. Einer der Anwesenden hält eine Ansprache. Der Meister von Stuhl überreicht jedem Teilnehmer drei Rosen mit den besten Wünschen für das nun beginnende Maurerjahr. Im Anschluss kommen die Brüder in großer Runde zu einem Drei-Gänge-Menü zusammen.

Neuzugänge wissen nicht viel über die Freimaurer

Über die Inhalte ihrer Rituale sprechen die Freimaurer gegenüber Außenstehenden nur in Andeutungen. Selbst, wer nach einem Jahr des gegenseitigen Kennenlernens in eine Loge als Lehrling aufgenommen wird, weiß nicht genau, worauf er sich einlässt. Düvel selbst hat sich für die Entscheidung zwei Jahre lang Zeit genommen. Am Ende entschloss er sich dazu, weil ihn ältere Mitglieder beeindruckten: „Sie strahlten Ruhe aus und schienen mit sich und ihrer Umwelt im Reinen zu sein.“

Professor Seuring-Steller, der an der Universität Kassel Betriebswirtschaftlehre unterrichtet, gefällt, dass er mal nicht der Chef ist. Er kann ungezwungen mit Handwerkern, Unternehmern, Ärzten und Rechtsanwälten verkehren, die an sich selbst arbeiten wollen. „Wir begleiten uns gegenseitig durchs Leben“, sagt er. Pelz, der sich selbst für einen „neugierigen Menschen“ hält, gefällt der offene, liberale Geist, der in der Loge herrscht.

Mehr Infos zu den Hann. Mündener Freimaurern unter pzdds.de

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