Wer ist der Beifahrer im Hanomag?

Hans-Dieter Scholz recherchiert zur Geschichte seines Vaters in Hann. Münden

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Das Foto aus dem Jahr 1935 zeigt Hans Scholz (links) am Steuer eines Kleinwagens in Hann. Münden. Der Wagen sieht aus wie ein Hanomag 2/10 PS, gebaut von der Hannoverschen Maschinenbau AG (Hanomag), und ist vermutlich auch einer. Unklar ist, wer an einer Seite sitzt.

Wer kennt das nicht. Beim Blättern in alten Fotoalben der Familie finden sich auch immer wieder Bilder, die mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben.

So erging es auch Hans-Dieter Scholz (77) aus Hann. Münden, der heute in Wellerode im Landkreis Kassel lebt.

Bei Recherchen zum Leben seines 2001 gestorbenen Vaters Hans Scholz ist er auf ein Foto gestoßen, das seinen Vater 1935 im Alter von 23 Jahren am Steuer eines Kleinwagens in Hann. Münden zeigt. Hans-Dieter Scholz erinnert sich, dass sein Vater ihm als Junge einmal erzählt hat, dass er sich mithilfe eines Bausatzes ein Auto gebastelt habe. Durchaus möglich, so Hans-Dieter Scholz, sein Vater sei gelernter Schlosser gewesen und habe ein großes Interesse an Technik gehabt. Bereits als Lehrling sei er ohne Führerschein den Lkw der Firma C. F. Schröder in Neumünden gefahren.

Zudem hätten seinem Vater die finanziellen Mittel gefehlt, sich mal einfach so einen Wagen zu kaufen. Bei dem Auto auf dem Foto handelt es sich vermutlich um einen Hanomag 2/10 PS aus dem Hause der Hannoverschen Maschinenbau AG (Hanomag).

Es war der erste deutsche Kleinwagen, der am Fließband gebaut wurde. Von 1925 bis 1928 wurden fast 16 000 Exemplare produziert.

Zwischen 2000 bis 2500 Reichsmark habe der Wagen gekostet, so Hans-Dieter Scholz. Für seinen Vater vermutlich ein zu hoher Preis. Er habe damals als Zuschneider bei der Lederfabrik Wentzler gearbeitet und wohnte im Tillyschanzenweg in Hann. Münden. Allerdings, so Hans-Dieter Scholz, sei er bei seinen Recherchen auf keine Hinweise gestoßen, dass es den Wagen auch als Bausatz gab. Eine weitere Frage, die ihn beschäftigt, ist, wer der Mann an der Seite seines Vaters ist. Hat er ihm beim Bau des Wagens geholfen? Hat er ihn finanziell unterstützt? Hans-Dieter Scholz hofft, dass vielleicht ein Leser unsere Zeitung ihm einen Hinweis geben kann, um wen es sich handeln könnte.

Kommissbrot auf vier Rädern

Im Volksmund hatte der Hanomag 2/10 PS der Hannoverschen Maschinenbau AG wegen seiner rundlichen Form den Spitznamen „Kommissbrot“. Für den 1923 von drei jungen Konstrukteuren entwickelten und später von Hanomag in Serie bis 1928 in verschiedenen Varianten gebauten Kleinwagen hatte Volkes Stimme zudem noch folgenden Spruch bereit: „Ein Kilo Blech, ein Kilo Lack – und fertig ist der Hanomag!“ Von manchen belächelt hatte der kleine Flitzer doch auch einiges zu bieten. So erreichte der Zweisitzer eine damals beachtliche Spitzengeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde, und es gab sogar eine 90 km/h schnelle Rennausführung. Die Autos waren auf dem Nürburgring ebenso unterwegs wie beim Herkules-Bergrennen in Kassel. Wer einen Wagen im Original sehen will, hat im Oldtimer-Museum PS-Speicher in Einbeck dazu Gelegenheit. Mehr Informationen zum Museum sowie Öffnungszeiten und Eintrittspreise gibt es im Internet unter der Adresse ps-speicher.de

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