Heilige Solling-Pferde, Macht und Minne

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Neues Buch: Autorin Eleonore Dehnerdt präsentiert „Und Barbarossa weinte“ über Beatrix von Burgund (Manuela Kinzel Verlag) – hier übrigens auf dem Gelände, wo früher in Hann. Münden der Königshof war.

Das neue Buch der Hann. Mündener Autorin Eleonore Dehnerdt handelt von Beatrix von Burgund und hat gleich mehrere regionale Bezüge.

Hann. Münden. Kaiser Barbarossa - ja, den Namen hat man schon mal gehört. Aber wie hieß eigentlich seine Frau? Die Geschichte der Männer an der Macht ist meistens gut dokumentiert und wird in jedem Schulbuch weitergegeben. Über die Frauen, die an der Seite dieser Männer nicht selten mitregierten und die Geschicke der Untertanen mitlenkten, weiß man indes oft wenig.

Die in Hann. Münden lebende Autorin Eleonore Dehnerdt ist mit ihrem soeben erschienenen Buch „Und Barbarossa weinte - In Memoriam Kaiserin Beatrix von Burgund“ erneut angetreten, eine dieser Lücken zu füllen. Das Buch handelt von der zweiten Ehefrau Friedrich Barbarossas. Geschrieben hat Dehnerdt es wieder als Romanbiografie. Diesmal bedient sie sich eines Minnesängers als Erzähler.

Tatsächlich ist von einem „Baudolino“ ein Gedicht über Beatrix überliefert. Dem ansonsten im Dunkel der Geschichte verschwundenen Dichter gibt die Autorin eine Gestalt und einen Lebensweg, der ihn eng mit dem königlichen, dann kaiserlichen Paar verbindet. So hat er Einblick in Staatsgeschäfte wie Privatleben und liefert den roten Faden, an dem entlang sich die Handlung entwickelt.

Doch vor der Romanhandlung stand eine lange Recherche: Museen besuchen und Museumsbände studieren, Reisewege anhand alter Karten nachvollziehen. Dr. Verena Türck, Schülerin des Historikers Dr. Stefan Weinfurter, versorgte die Autorin mit vielen Fakten aus der aktuellen Forschung. Dr. Weinfurter steuerte Dokumente und Minnelieder bei. Schließlich hatte die Autorin eine Unmenge an Daten und Fakten, „die müssen in Szene gesetzt werden, das muss man dann erfinden“, sagt sie über das Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit in ihrem Buch.

So sei belegt, dass Beatrix von Burgund Kontakt zu Hildegard von Bingen hatte und die beiden Frauen einander auch trafen. Aber wie lief eine solche Begegnung ab? Über was sprachen sie und wie?

Es sei einfach fantastisch, was man bei der Recherche über das Leben einer Frau wie Beatrix alles entdecke, sagt Dehnerdt. Elf Jahre war Beatrix bei ihrer Hochzeit alt - nicht unüblich in Herrscherkreisen im Mittelalter, wo Ehen Politik waren. Aber was hieß das für das Mädchen? Es eröffneten sich Blickwinkel, die es erlaubten, geschichtlich und gesellschaftlich ganz neue Fäden zu ziehen, beschreibt es die Autorin - ohne dass Machtkämpfe, Krieg und Politik deswegen zu kurz kommen.

Die Staufer seien in ihrer alten Heimat allgegenwärtig, sagt die gebürtige Urbacherin. In einem Jugendbuch - erschienen übrigens in der Reihe „Göttinger Jugend-Bände“ des W. Fischer Verlags - begegnete ihr Barbarossa zum ersten Mal. Ihr Buch über Beatrix von Burgund sei eine Liebeserklärung an die Heimat ihrer Kindheit. Und: „Ich ziehe den Hut vor dem, was Beatrix geleistet hat.“

Regionale Bezüge: Heinrich der Löwe, der möglicherweise Münden gegründet hat, wurde von Barbarossa in die Verbannung geschickt. Der Welfe war zu unverschämt gewesen, wollte er Barbarossa doch nur unterstützen, wenn dieser ihm Goslar mit seinen Silberminen überließ. Die Schätze brauchte der Kaiser aber selbst.

Reinald von Dassel , der erste eiserne Kanzler, war Berater des Kaisers.

Die heiligen weißen Pferde, die im Buch eine Rolle spielen, wurden im Solling gezüchtet. Die Kirche band die heidnischen Orakeltiere teilweise ein, etliche sind um Kirchen herum bestattet, St. Martin und St. Georg reiten darauf. Heinrich der Löwe ließ die Pferde jedoch abschlachten.

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