Tiere sind meistens nachts unterwegs 

Kröten wandern wieder: Hilfe für 2500 Amphibien täglich

Alle Hände voll zu tun: Gerd Kaufmann, Thomas Köhler, Gerhard Henne und Jürgen Linne (von links) helfen seit Jahren, die Kröten vor dem Überfahren zu retten. In Eimern (Foto rechts) werden die Amphibien über die Straße getragen. Fotos: Siebert

Gimte/Bursfelde. Die Krötenwanderung ist voll im Gange. Mitarbeiter des Naturparks Münden und ehrenamtliche Naturliebhaber helfen den Amphibien in den Bereichen Ballertasche und Bursfelde, die viel befahrene Straße zu überqueren.

Naturparkmitarbeiter haben bereits vor vier Wochen die Krötenzäune errichtet und in Abständen von 20 Metern insgesamt 54 Eimer eingegraben. Noch drei Wochen wird die Krötenwanderung, die zu den faszinierendsten, aber auch seltsamsten Phänomenen der Natur gehört, dauern.

Überwintert haben die Kröten, Frösche und Molche in den Wäldern. Um die Laichgebiete zu erreichen, müssen sie die Straße überqueren. Da sie unbedingt in das Gewässer wollen, in dem sie geschlüpft sind, versuchen sie, an dem Zaun vorbei zu kommen. Doch auf dem Weg zum Zaunende landen die meisten Amphibien in den Eimern.

„So 1500 Tiere sammeln wir in der Hauptzeit täglich an der Ballertasche ein“, berichte Jürgen Linne, der seit 20 Jahren die Aktion dort ehrenamtlich leitet. „In Bursfelde sind es täglich rund 1000 Amphibien“, ergänzt Gerd Kaufmann, Arbeitsanleiter im Naturpark Münden und für Bursfelde zuständig. In der Woche sind es fünf Männer die jeden Morgen Kröten sammeln. An den Wochenenden nehmen Jürgen Linne und Gerd Kaufmann ihre Ehefrauen mit, um die Tiere sicher über die Straße zu bringen.

Die Geschwindigkeit der wandernden Kröten beträgt rund 600 Meter täglich, wobei die Tiere meistens nachts unterwegs sind. Allein 15 Minuten benötigen sie für die Straßenüberquerung. Insgesamt legen sie bei der Wanderung bis zu fünf Kilometern zurück. Die zierlicheren männlichen Kröten lassen sich dabei meist huckepack von den Weibchen tragen. Manchmal schleppt eine Krötendame sogar mehrere Männchen.

Die Amphibien werden in den Gruppen Bergmolche, Teichmolche, Erdkröten, Braunfrösche und Grünfrösche gezählt. So kann auch genau gesagt werden, dass es jährlich 8000 Amphibien sind, die sicher in die Laichgebiete gebracht werden, „Wir retten damit 80 Prozent der Tiere vor dem Tod“ erwähnt Linne. „Würden wir die kritischen Stellen nicht sichern, dann würden nur 20 Prozent überleben“.

Jürgen Linne ist seit 20 Jahren dabei und ist schon ein wenig stolz, dass in der Zeit 160.000 Amphibien geholfen wurde. „Unser Gebiet ist im Sammeln im Landkreis Göttingen auch Spitzenreiter“ betont Kaufmann.

Die engagierten Krötenschützer würden sich freuen, wenn sich Autofahrer an die vorgegebene Geschwindigkeit von 50 Kilometern nachts und 70 Kilometer tagsüber halten würden - nicht nur zum Schutz der Kröten, sondern auch der Helfer.

Es werden ganz dringend Helfer für die kommenden Jahre gesucht. Wer Interesse hat, sich für die Amphibien zu engagieren kann sich unter 05541/ 90 96 755 oder per Mail an naturparkmuenden@t-online.de informieren. (zpy)

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