"Ein anspruchsvolles Handwerk"

Rufen wie ein Hirsch: Zwei Jäger aus der Region sind bei Wettbewerb dabei

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Hirschrufer aus Staufenberg: Karl-Eugen Schäfer. 

Wie locke ich einen Hirsch an? Darum ging es bei einem Wettbewerb der aktuellen Jagdmesse. Mit dabei: Zwei Teilnehmer aus unserer Region. 

Er ist eine hochgewachsene Erscheinung und hat eine gewaltige Stimme –aber nur zwei Beine. Thomas Soltwedel (54) ist Deutschlands bester Hirschrufer 2019, frisch gekürt auf Europas größter Jagdmesse in Dortmund. Der Mann aus Mecklenburg-Vorpommern hat am besten abgeschnitten unter 16 Wettbewerbern in drei Runden voller skurriler Klänge und imponierender Laute, die manchmal ein bisschen unanständig klingen.

Schließt man die Augen und lauscht den oft täuschend echten Rufen, sieht man die mächtigen Tiere förmlich vor sich auf der Suche nach einer Hirschkuh durch den Wald streifen.

Das Publikum scheint fasziniert von der Darbietung. Auch in einige ungläubige und amüsierte Gesichter blickt man. Doch auch der Laie kann Unterschiede in den Rufen hören. Manche imitierten Tiere wirken kräftig, manche gestresst oder etwas müde. 15 Männer und eine Frau sind mit ihren speziellen Hörnern und rohrförmigen Instrumenten angetreten. 

Auch aus Südniedersachsen waren zwei dabei, Karl-Eugen Schäfer aus Staufenberg, er belegte den letzten Platz, und Andreas Töpfer aus Hann. Münden. Töpfer – seit 1999 dabei – war schon dreimal Deutscher Meister, diesmal wurde er Fünfter.

Aus Hann. Münden: Andreas Töpfer. Foto: Thissen/DPA

 

Der Hirschruf ist ein „anspruchsvolles jagdliches Handwerk“ mit langer Tradition, sagt ein Sprecher des Veranstalters, dem Jagdmagazin „Wild und Hund“. Zwischen Schrotgewehren, Trophäen-Wandschmuck, Fernrohren, Trachtenmode und Büchsenpatronen auf der Messe „Jagd & Hund“ verwandelt sich die Bühne akustisch in einen wahren Brunftplatz.

Ein Blick auf die Disziplinen: Zuerst gilt es, „die Stimme des alten, suchenden Hirsches“ nachzuahmen. Dann ist der „Platzhirsch beim Kahlwildrudel“ dran. Die dritte Aufgabe besteht aus einem „Rufduell zweier gleich starker Hirsche auf dem Höhepunkt der Brunft“. Etwas Sehnsucht – nach Weibchen – sollte in der Stimme liegen, wird auf der Bühne erläutert.

Die Beurteilung ist nicht einfach. Hirschruf ist nicht gleich Hirschruf. In der fünfköpfigen Jury sitzen daher der Bundeschef der Deutschen Berufsjäger, Bernd Bahr und ein Förster.

Das Ganze ist nicht als Klamauk gedacht: In der Rotwild-Brunftzeit im September und Oktober soll dem Platzhirsch mit dem Ruf ein Nebenbuhler vorgetäuscht werden, damit er aus der Deckung kommt. Hört der Hirsch menschliche Klänge aus dem Ruf heraus, wittert er Verrat. Klappt der Trick, kann der Jäger ihn erlegen, wenn das Tier den Abschussrichtlinien entspricht.   

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