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Hobbyfunker in Hann. Münden: Sie halten den Kontakt aufrecht

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Von: Michael Caspar

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Begeisterte Amateurfunker in Hann. Münden: Gert Surup und Klaus Jung (von links).
Begeisterte Amateurfunker in Hann. Münden: Gert Surup und Klaus Jung (von links). © Michael Caspar

Funker Gert Surup leitet den Mündener Ortsverein des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Früher hatte der Verein 30 Mitglieder, nun sind es nur noch drei. Auf den Spuren eines spannenden, aber leider aussterbenden Hobbys.

Hann. Münden – „Bei Erdbeben, Überschwemmungen oder im Krieg sind wir die letzten, die den Kontakt zur Außenwelt noch halten können“, sagt der Volkmarshäuser Amateurfunker Gert Surup (73).

„Fällt der Strom für ein paar Stunden aus, funktionieren die Sendestationen nicht mehr und die Mobilfunknetze brechen zusammen“, weiß Surup, der den Ortsverein Hann. Münden des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) leitet. Funkamateure sind dagegen auf keine Sendemasten angewiesen. Solange sie ihre Geräte mit Strom versorgen können, etwa über eine Autobatterie oder eine Solarzelle auf dem Dach, können sie sich über Kurzwelle verständlich machen – bei gutem Wetter weltweit.

Hann. Münden: Via Funk Kontakt in die ganze Welt

Surup kann seine Kontakte zu Funkamateuren aus allen Teilen der Welt mit Karten belegen. Ganze Schubladen voll mit solchen QSL-Karten besitzt er. QSL ist die Abkürzung für „Ich bestätige den Empfang“. Mehr als 2,5 Millionen Funkamateure gibt es rund um den Globus. 63 000 Personen sind es in Deutschland, von denen gut die Hälfte beim DARC organisiert ist. Auch mit Russen und Ukrainern tauschte Surup bereits Nachrichten aus, ebenso mit Funkamateuren in den USA und Brasilien, Namibia, Japan oder Australien.

„Neben QSL gibt es viele weitere, international festgelegte Kürzel, etwa zur Begrüßung oder zum Abschied“, erläutert Surup. Die Abkürzungen sind mit der 1837 erfundenen Morsetelegrafie aufgekommen, bei der Buchstaben und Zahlen mit Folgen von kurzen und langen Tonsignalen wiedergegeben werden. Mit den Kürzeln lässt sich auch ohne Fremdsprachenkenntnisse ein einfaches Gespräch führen. Bei längeren Gesprächen bedienen sich Amateurfunker meistens des Englischen.

Autoritäre Staaten versuchen Hobbyfunken zu unterbinden

Weil sie weltweit Kontakt aufnehmen können, unterliegen sie in autoritären Staaten einer besonderen Kontrolle. „In der DDR erhielten nur die 150-Prozentigen eine Funklizenz“, sagt Surup. In der Bundesrepublik müssen Amateurfunker eine Sachkundeprüfung ablegen. „Schwerer zu kontrollieren, ist das Hören von Radiosendern auf Kurzwelle“, so Surup. Autoritäre Staaten können sie, anders als die Internetkommunikation, kaum unterbinden. Auf Kurzwelle lassen sich daher Informationen verbreiten, die einer Regierung unlieb sind. Die Deutsche Welle nutzte bis 2006 die große Kurzwellen-Sendestation im schwäbischen Wertachtal, die 2014 einem Solarpark weichen musste. „Mit dieser Anlage ließen sich heute Informationen über den Krieg in der Ukraine in ganz Russland verbreiten“, meint Surup.

1896 erste Verbindung über Kurzwelle

Unter Kurzwelle versteht man elektromagnetische Wellen mit einer Wellenlänge zwischen zehn und 100 Metern. Die Wellen werden von der Ionosphäre, die in 60 Kilometer Höhe beginnt, zurück zum Erdboden reflektiert und wieder hinauf. So verbreitet sich das Signal – im Gegensatz zu Wellen anderer Frequenzbereiche – um den gesamten Erdball. Die erste drahtlose Kurzwellen-Verbindung demonstrierte der Russe Alexander Stepanowitsch Popow 1896.

Die erste Kurzwellen-Sprachübertragung gelang dann 1900 dem Kanadier Reginald Fessenden.

Der Volkmarshäuser kam als Schüler über den Kurzwellenrundfunk zu den Funkamateuren. 1968 erwarb er seine Lizenz. 30 Amateure gab es damals in Hann. Münden. Heute sind es nur noch drei Aktive. „Die jungen Leute nutzen heute lieber Social-Media-Kanäle“, bedauert Surup. Zu den Aktiven in Hann. Münden zählt Klaus Jung (78), der in den 1970er-Jahren während seines Ingenieurstudiums auf die Kurzwelle aufmerksam wurde und 1990 zusammen mit seinem Sohn eine Lizenz erwarb. (Michael Caspar)

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