Wiederbelegungsfrist verhindert Touren

Hohe Nachfrage nach E-Bikes bei Mündener Händlern 

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Ein Rad muss zum Fahrer passen: Deshalb wird der Fahrer im Familienunternehmen Schelp und Fischer vermessen, hier mit Jan Malte (10), Heiko und Katrin Fischer (von links). Auf dem Rad sitzt Mitarbeiter Karsten Mooz. 

Das Geschäft in Hann. Mündens Radfahrgeschäften boomt.

„Gefühlt haben wir schon so viele Räder verkauft wie sonst bis zum Hochsommer. Vor allem E-Bikes sind gefragt – wie wild“, sagt das Ehepaar Katrin und Heike Fischer. Die beiden betreiben an der Veckerhäger Straße 30 in der Drei-Flüsse-Stadt das Geschäft Schelp & Fischer OHG für Fahrrad- und Gartentechnik. 

Mit ihrer Einschätzung sind sie nicht allein. Auch das weitere Mündener Fahrradgeschäft „Rad-ikal“ im Vogelsangweg 13 meldet eine große Nachfrage nach E-Bikes. „Alle Altersschichten fragen danach. Neulich wollten Eltern sogar ihrem Zwölfjährigen ein E-Bike kaufen“, sagt Thorsten Drebing. Er selbst sagt, er fahre lieber weiter ohne elektrische Unterstützung. 

Der Run auf die Zweiräder mit einem Preis, der im vierstelligen Bereich angesiedelt ist, ist keine Mündener Besonderheit, etwa weil hier der Fulda- und Werra-Fernradweg zum beliebtesten Radwanderweg Deutschlands, dem Weser-Radweg, verschmelzen. Der Zweirad-Boom in Corona-Zeiten ist überall im Land festzustellen. Der Verband des Deutschen Zweiradhandels (VDZ) verbreitet, bei vielen seiner Mitglieder „brennt aktuell die Hütte“, die Betriebe würden von Nachfragen überrannt. 

Dabei hatte es noch Anfang April schlecht ausgesehen: Händler hätten coronabedingt Umsatzeinbußen von 30 bis 60 Prozent gemeldet. Doch das ist jetzt vorbei. Die Kunden kommen und kaufen, natürlich unter Beachtung der Corona-Regeln mit Mund-Nasen-Schutz, außerdem stehen Desinfektionsmittel bereit und auf Abstand wird penibel geachtet. 

Für den Boom, insbesondere beim E-Bike, gibt es nach den Erfahrungen von Katrin Fischer vor allem zwei Gründe: Eine Reihe von Kunden hat den klassischen Sommerurlaub wegen der Coronakrise abgeschrieben und setzt jetzt aufs Rad. Zweiter Grund ist die Integration des E-Bikes in den Alltag. „Die Leute wollen mit dem Rad sowohl zur Arbeit fahren, als auch sportlich damit unterwegs sein.“ 

Denn eines wird von den klassischen „analogen“ Radfahrer gerne vergessen – ohne Kurbeln geht es auch beim E-Bike nicht. Allerdings müssen sie nicht so viel Kraft-Ausdauer aufbringen wie herkömmlich. Das wirkt sich insbesondere an den vielen Anstiegen in der Region positiv aus. Die E-Biker kommen oben längst nicht so ausgelaugt an wie die Radler ohne Unterstützung.

So schnell sind Pedelecs

Das Pedelec (Pedal Electric Cycle), oder landläufig E-Bike, unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen. Der Unterstützungsgrad kann in mehreren Stufen eingestellt werden. Die Reichweite beträgt je nach Unterstützungsgrad und Gelände zwischen 50 und bis zu 100 Kilometer. Hochwertige Bikes sind inzwischen auch mit zwei Akkus bestückt.

Fahrradläden warten auf Touristen

Während der Verkauf von E-Bikes läuft, ist das Vermietungsgeschäft bei dem Mündener Fahrradhändler Schelp durch Corona zurzeit tot.

„Die Touristen sind noch nicht wieder in ausreichender Zahl hier“, sagt Katrin Fischer, Chefin des Mündener Geschäfts, das bereits seit 71 Jahren besteht und das sie zusammen mit ihrem Mann Heiko führt. Er ist der Enkel des Gründers.

Die Vermietungen könnten bald wieder ansteigen, wenn die Deutschen in diesem Jahr verstärkt im Inland urlauben, wie es viele erwarten. Dabei kann beispielsweise der zurzeit beliebteste Radweg Deutschlands als Urlaubsziel angepeilt werden, der 520 Kilometer lange Weserradweg von Hann. Münden nach Cuxhaven.

Wiederbelegungsfrist ist ein Problem

Größtes Hindernis ist dabei zurzeit die Wiederbelegungsfrist von Hotelzimmern in Höhe von sieben Tagen. „Kein Radtourist bleibt sieben Tage, die Regel ist eine Übernachtung“, sagte die Geschäftsführerin des Vereins Weserbergland Tourismus, Petra Wegener. „Dabei haben wir einen Boom an Anfragen. Sehr viele interessieren sich für den Weserradweg. Für unsere Beherbergungsbetriebe ist die Wiederbelegungsfrist dramatisch.“

In normalen Jahren nutzen rund 250 000 Radler den beliebten Weg. „50 000 machen größere Abschnitte oder die ganze Strecke bis zur Nordsee“, sagt Petra Wegener. Diese Zahlen beruhten auf Zählstellen.

Auch Hann. Mündens Touristiker möchten sich gerne ein Stück von dem Kuchen abschneiden. „Die Pauschalen sind alle gecancelt, die Wiederbelegungsfrist macht es ausgesprochen schwierig“, stöhnt Matthias Biroth, zuständig für Tourismus und Stadtmarketing bei der Gesellschaft Erlebnisregion Hann. Münden.

Er hofft, genauso wie seine Kollegin vom Weserbergland Tourismus, dass die niedersächsische Landesregierung im Zuge weiterer Corona-Lockerungen diese Wiederbelegungsfrist möglichst bald aufhebt. Im Gespräch ist, dass am morgigen Freitag, 22. Mai, in Hannover eine neue Verordnung veröffentlicht werden soll, mit der die Wiederbelegungsfrist von Montag, 25. Mai, gekippt werden soll, berichtete jetzt der NDR.

Ratschläge für Fahrradfahrer

Gut haben es da die Radtouristen, die mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobilen unterwegs sind. Sie haben ganz andere Bewegungsmöglichkeiten. Doch auch für sie gelten die Ratschläge der beiden Mündener Fahrradhändler Schelp und Rad-ikal. Ein Rad darf nicht zu groß und zu klein sein, damit das Radfahren ein Genuss und keine Qual mit schmerzenden Knien, verspannten Schultern und einem wundgescheuerten Gesäß wird. Katrin Fischer: „Das Fahrrad muss dem Kunden passen.“

Dafür bieten die Händler Vermessungen an. Mit ihnen werden Rahmengrößen und andere Parameter für den richtigen Sitz bestimmt. Und wenn das neue „Schätzchen“ fertig ist, dann heißt es erst einmal üben: vorsichtig bremsen, anfahren und kurven. Die meisten E-Bikes wiegen schließlich zwischen 20 und 25 Kilogramm und sind trotzdem schneller als die alten Stahlrösser.

Und unbedingt zur eigenen Sicherheit einen Helm tragen. Damit die Radtour ein Vergnügen bleibt.

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