„Wir brauchen Planungssicherheit“

Hotel- und Gaststättenbetreiber protestierten zum vorerst letzten Mal in Hann. Münden

+
Zum vorerst letzten Mal beteiligten sich gestern Ga stronomen und Hoteliers an der Aktion „Leere Stühle“. 

Trotz der angekündigten Wiederöffnung der Hotel- und Gaststättenbetriebe setzt die Branche ihre Corona-Proteste fort. Unter dem Motto „Wir geben den Löffel ab“ beteiligten sich am 8. Mai Gastronomen, Hoteliers und Event-Veranstalter aus Münden auf dem Rathausvorplatz erneut an der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“.

Für jeden Mitarbeiter, der in der Gastronomie in Münden tätig ist, wurde ein Löffel in eine Kiste geworfen. Die deutschlandweit gesammelten Löffel werden dann am 15. Mai an Vertreter der Bundesregierung am Bundeskanzleramt in Berlin übergeben.

Mit der Aktion fordern die Gastronomen und Hoteliers einen Rettungsschirm mit finanziellen Zuschüssen von Bund und Land. „Wir kommen aus einer umsatzschwachen Zeit“, so Restaurantbetreiber Antonio Iannibelli und Initiator der Aktion in Münden.

Für die Gastronomie ist der Mai der umsatzstärkste Monat, der nun wegzubrechen droht. Von den zugesagten Soforthilfen ist bei den wenigsten Gastronomen etwas angekommen. „Und schlimm ist, dass wir in der Öffentlichkeit angesprochen werden, mit der Soforthilfe einen Treffer gelandet zu haben“, bedauert Café-Betreiberin Christiane Langlotz.

„Natürlich freuen wir uns alle riesig, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagte Antonio Iannibelli. „Wir alle stellen die Corona-Pandemie nicht infrage“.

Doch die Einschränkungen stellen eine Rentabilität der Gastronomie infrage. „Viele Betriebe wissen nicht, wie sie die Umsetzung der Auflagen personell, finanziell und organisatorisch bewerkstelligen sollen“, so Iannibelli. Denn 50 Prozent Gäste bei 100 Prozent Kosten könne nicht gut gehen. Außerdem kommen noch finanzielle Aufwendungen für die erforderlichen Umgestaltungsmaßnahmen dazu. Dann lasse sich überhaupt nicht einschätzen, wie viele Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück geholt und wie viel an Lebensmitteln eingekauft werden muss.

Mit Schildern machten die Teilnehmer auf ihr Anliegen aufmerksam.

„Ich kann es verstehen, wenn jemand sagt, ich lasse zu, was mit Sicherheit nicht aus Arroganz passiert“, betonte Iannibelli.

Doch dann kommt die Angst vor den Vorwürfen, man habe es nicht nötig zu öffnen, man habe anscheinend genug verdient.

Auch für die Gäste sei das eine Umstellung, unter den strengen Bedingungen zu speisen, wo doch Essen gehen auch ein Stück Lebensqualität bieten soll. Und da ist nicht einzuschätzen, wie die Gäste entscheiden.

In der Branche herrscht merklich pure Existenzangst, die Betriebe wissen nicht, wie sie ohne eine wirtschaftliche Innen- und Außengastronomie überleben sollen. „Und es geht ja nicht nur um uns, sondern auch um unsere Mitarbeiter“, sagt dazu Restaurantbetreiber Guido Einecke. Kurzarbeit, Wegfall von Zulagen und Trinkgeldern, das bringe finanzielle Probleme mit sich. „Wir wollen ja alle gerne weitermachen, aber wir brauchen eine Basis und Planungssicherheit“, macht Restaurantbetreiber Antonio Angelilli deutlich. „Denn wir sind ja alle mit Leib und Seele Gastronomen“, ergänzt Christiane Langlotz.

Nicht nur ein Rettungsschirm, sondern auch die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Dauer und keine Erhebung des Tourismusbeitrages wurden von den Gastronomen gefordert.

Die Einschränkungen für Gastronomen

Die Vorgaben: 

  • Es dürfen nur die Hälfte der Plätze vergeben werden. 
  • Die Gäste müssen vorher reservieren. 
  • Die Gäste müssen Kontaktdaten hinterlassen, damit im Fall der Fälle eine mögliche Infektionskette nachverfolgt werden kann. 
  • Selbstbedienung und Buffets sind untersagt. 
  • Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten, auch in der Küche. 
  • Die Servicekräfte müssen Mund-Nasen-Masken tragen. 

Die Empfehlungen: 

  • Keine Speisenkarten zum Blättern, Einweg- oder laminierte Karten. 
  • Gästen wird empfohlen, eine Mund-Nasen-Maske tragen, die am Tisch abgenommen werden darf. 
  • Kein Salz-, Pfeffer- und Zuckerstreuer sowie Deko auf den Tischen. 
  • Tische nach jedem Gast desinfizieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.