Herzrasen und Atemnot

"Ich traue ihm alles zu": 22-Jähriger wegen Nachstellung seiner Exfreundin vor Gericht

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Bedrohung und Sachbeschädigung: Ein 22-Jähriger steht in Hann. Münden vor Gericht.

Hann.Münden. Chronische Magenbeschwerden, Herzrasen, Atemnot – an diesen Symptomen leidet eine 21-Jährige nach eigener Aussage, weil ihr Exfreund ihr seit fast eineinhalb Jahren nachstellt.

Der Angeklagte steht vor dem Mündener Amtsgericht, weil er seiner damaligen Freundin seit der Trennung im Juni 2017 wiederholt aufgelauert und sie bedroht und beleidigt haben soll. Das bestreitet der 22-Jährige jedoch bislang.

Des Weiteren wird ihm mehrfache Sachbeschädigung am Auto seiner Exfreundin vorgeworfen. Vor Gericht gab er zu, das Fahrzeug am 17. August 2018 beschädigt zu haben, indem er die Reifen aufgestochen und die Außenspiegel abgetreten habe. Das beweisen auch Aufnahmen einer Überwachungskamera. Diese hatte die Geschädigte auf Empfehlung der Polizei angebracht. Der Angeklagte wird beschuldigt, Beleidigungen in die Motorhaube geritzt zu haben, was er wiederum abstreitet, ebenso wie die Sachbeschädigung zu anderen Zeitpunkten.

Die Geschädigte, die inzwischen bei ihrem neuen Partner lebt, gab im Gerichtssaal unter Tränen an, sie lebe seit der Trennung von ihrem Exfreund in ständiger Angst vor ihm und traue sich kaum noch alleine aus dem Haus. Auch per Chatnachrichten bedrohe er sie. „Er hat mir geschrieben, er würde mir alle Knochen brechen, weil ich ihm sein Herz gebrochen habe“, berichtete die 21-Jährige. Sie habe wegen der Vorfälle bereits überlegt, die Stadt zu verlassen: „Ich traue ihm alles zu.“

Wegen der wiederholten Nachstellung gab es bereits eine einstweilige Verfügung gegen den Beschuldigten. Das Annäherungsverbot galt vorläufig bis Februar 2018, war aber auf Antrag der Geschädigten verlängert worden und galt auch in der Tatnacht vom 17. August 2018. Der Angeklagte behauptete vor Gericht, den Beschluss der Verbotsverlängerung nicht erhalten zu haben, da er im Februar und in den darauffolgenden Monaten nachweislich keinen festen Wohnsitz angemeldet hatte. Die Vorsitzende Richterin Dr. Christine Kunst äußerte Zweifel an dieser Aussage. Sie könne sich nicht vorstellen, dass das Gericht nicht weiterhin versucht hätte, ihn darüber zu informieren: „Das wäre schon sehr merkwürdig.“ Der Fall wird nun geprüft.

Der Angeklagte trat während der Verhandlung derart aggressiv auf, dass die Richterin ihn mehrfach ermahnen musste, sich zu beruhigen und die Zeugenaussagen nicht zu unterbrechen. Immer wieder überraschte er das Gericht mit seinen kurz angebundenen Antworten. Auf die Frage der Richterin, warum er das Auto beschädigt habe, antwortete er mit unbewegter Miene: „Ich habe an der Tür geklingelt und sie hat nicht aufgemacht.“

In der kommenden Woche sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Dann soll auch eine Ärztin zu den körperlichen und seelischen Beschwerden der 21-Jährigen angehört werden.

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