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Im Raum Hann. Münden werden die Schlehen reif

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Von: Michael Caspar

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Das alte Wort Schlehe bedeutet ursprünglich „bläulich“: Die bitter-herben und sehr sauren Früchte lassen sich jetzt pflücken. ARCHI
Das alte Wort Schlehe bedeutet ursprünglich „bläulich“: Die bitter-herben und sehr sauren Früchte lassen sich jetzt pflücken. © MARION NICKIG/NH

Die Früchte des Schlehdorns lassen sich vielfältig verarbeiten.

Hann. Münden – Zu Saft, Gelee oder Likör lassen sich die blauen Früchte des Schlehdorns verarbeiten, die derzeit reif werden.

„Roh gegessen, ziehen einem die bittereren, herben und sauren Schlehen den Mund zusammen“, berichtet Försterin Susanne Gohde, die in Hann. Münden den Betrieb Stadtwald leitet. Vor der Verarbeitung sind die Früchte für einen Tag ins Gefrierfach zu geben. Erst danach sind sie genießbar. „Wer wie beim Grünkohl bis zum ersten Frost wartet, muss sich die Schlehen mit den Vögeln teilen – etwa Meisen oder Grasmücken“, führt die Försterin aus.

Die dichten Schlehdornhecken bieten Singvögeln eine Zuflucht. Viele Arten bauen dort ihre Nester. „Ich habe vor 60 Jahren als Junge für meine Mutter Schlehen gesammelt“, erinnert sich Dirk Wedekind aus Hemeln. Die Mutter stellte Schlehensaft her. Dazu werden die Früchte mit kochendem Wasser übergossen. Nach 24 Stunden wird der Saft abgegossen, aufgekocht und erneut über die Früchte gegeben. Je häufiger das erfolgt, umso intensiver wird der Geschmack.

„Das Getränk, das reich an Vitamin C, Gerb- und Bitterstoffen ist, regt die Verdauung an und stärkt das Immunsystem“, weiß Forstwissenschaftler Philipp Gruß vom Naturpark Münden. Wedekinds Mutter kochte den Saft mit Gelierzucker auf. Damit der Gelee besser schmeckte, gab sie noch den Saft anderer Früchte dazu.

Mit den weißen, nektarreichen und nach Mandeln duftenden Blüten, die der Strauch im März und April trägt, kann man Quark oder Joghurt süßen, sagt Dirk Wedekind. „Noch besser geht das allerdings mit Holunderblüten“, ergänzt seine Frau, Marika Wedekind, die dem Landfrauenverein Oberweser vorsitzt.

Ein Rezept für einen „wunderbaren Schlehenlikör“ kennt Marianne Beuermann, die den Museumshof in Scheden leitet. „Ich setze 300 Gramm Schlehen zusammen mit 275 Gramm braunem Kandis, einer Vanilleschote und einem Schnapsglas Rum mit einer Flasche Klaren auf“, berichtet Beuermann. Nach zwei Monaten lässt sie alles durch einen Filter laufen und füllt das Schlehenfeuer in Flaschen ab. „Schlehdorn ist keine Kulturpflanze“, erläutert Försterin Gohde. Der Strauch wächst auf mageren, steinigen Böden, etwa an Wald- und Wegesrändern oder an Hängen. Er bevorzugt sonnige Standorte. Die Pflanze bildet lange Wurzeln, die Sprösslinge austreiben.

„Der Strauch überwuchert orchideenreiche Kalkmagerrasen, wenn die Wiesen nicht regelmäßig mit Ziegen beweidet werden“, betont Walter Peters vom Naturschutzbund (Nabu) Dransfeld. Er führt mit seiner Herde solche Maßnahmen zur Landschaftspflege durch.

Die Dornen sind so hart, dass sie sich durch die Schuhsohlen oder auch Autoreifen bohren können. „Verletzungen sind sehr unangenehm, weil die Dornen tief eindringen, abbrechen und dann Entzündungen nach sich ziehen“, warnt Gruß vom Naturpark. Im Mittelalter seien Siedlungen oft mit Schlehen- oder Weißdornhecke gesichert worden, der sogenannten Landwehr.

„Das dichte Gestrüpp dient Wildschweinen, Füchsen und Rehen als Rückzugsgebiet“, weiß Wildnispädagoge Andreas Zarrieß, der zusammen mit Stanley Datzmann auf dem Hohen Hagen eine Wildnisschule betreibt.

Die Tiere schaffen sich Gänge, durch die man auf allen vieren hindurchkriechen kann. Das empfiehlt sich allerdings aufgrund der Verletzungsgefahr und möglicher Angriffe durch aufgescheuchte Wildtiere nicht. (Michael Caspar)

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