Dr. Karl Friedrich Voss gibt Tipps zu Stress auf der Autobahn

Interview mit Verkehrspsychologen: "Immer Ruhe bewahren"

Hann. Münden. Verkehrspsychologe Dr. Karl-Friedrich Voss gibt im Interview Tipps zu Stress auf der Autobahn, der gerade in der Ferienzeit häufig beobachtet wird.

Herr Dr. Voss, in der Ferienzeit ist die Fahrt auf der Autobahn besonders anstrengend. Das spüren nicht nur die Urlauber, sondern auch die Pendler. Wie sollte man damit umgehen? 

Karl-Friedrich Voss: Immer ruhig bleiben, vorausschauend fahren und den Verkehr ständig im Auge behalten. Passen Sie sich dem Verkehrsfluss an. Zu langsam kann ebenso falsch sein, wie zu schnell.

Viele drücken richtig auf die Tube, um schnell im Urlaubsort zu sein. Was sagen Sie denen? 

Voss: Das führt zu einem Tunnelblick, wobei alles andere vernachlässigt wird. Wichtiger ist es, Pausen zu machen und sich vorher zu überlegen, welche Strecke die günstigste ist. Dazu gehört es, Baustellen und Stauwarnungen zu beachten. Auch sollte man sich keine Zeit setzen, zu der der man unbedingt ankommen muss.

Viele entscheiden sich, nachts zu fahren. Eine gute Entscheidung? 

Voss: Nein. Da sind die Autobahnen zwar leerer, aber besonders in den frühen Morgenstunden gegen vier Uhr stellt sich oft Übermüdung ein. Das ist ganz gefährlich.

Kleine Fahrfehler bei hoher Geschwindigkeit können zur Katastrophe führen. Warum sind Autofahrer bereit, hohe Risiken auf sich zu nehmen, nur um etwas schneller unterwegs zu sein?

Voss: Viele Autofahrer interpretieren die „freie Straße“ falsch. Sie glauben, wenn die Straße in einem Abschnitt frei ist, dann ist sie auch im nächsten Abschnitt frei. Dieser Glaube verzögert das Erkennen möglicher Gefahren, was zu einem Unfall führen kann. Es ist also nicht eine hohe Risikobereitschaft, die schnelle Autofahrer kennzeichnet, sondern mangelhafte Sensibilität für das mögliche eigene Fehlverhalten oder für das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer.

Gaukelt das Auto - als eine Art fahrendes Wohnzimmer - mit viel Komfort eine trügerische Sicherheit vor? 

Voss: In den modernen Autos hören wir kaum noch etwas von den Straßengeräuschen, spüren keinen Fahrtwind mehr. Das Gefühl für die Geschwindigkeit geht verloren. Die Gefahren werden nur noch vermindert wahrgenommen. Aber Auto fahren ist nun einmal eine gefährliche Angelegenheit.

Das kennt jeder. Irgendwann quengeln die Kinder, es gibt Geschrei, man wird gereizt, besonders wenn dann auch noch der Verkehr zäh fließt und ein Stau droht. Was tun? 

Voss: Dann ist es Zeit eine Pause zu machen oder einen Fahrerwechsel. Wir nehmen akustische Signale - wie Geschrei - deutlich stärker wahr als die visuellen Bilder des Straßenverkehrs. Das beeinträchtigt die Aufmerksamkeit für die Straße und ist gefährlich. Für Kinder sollten Spiele vorbereitet sein und immer etwas zu trinken und zu essen dabei sein.

Und dann gibt es noch die Situationen, wo man durch Drängler provoziert wird oder gar einen Vogel gezeigt bekommt. 

Voss: Behalten Sie die Ruhe und lassen Sie sich nicht verunsichern. Es hilft gar nichts, sich über andere aufzuregen. Das belastet nur zusätzlich und kann schnell außer Kontrolle geraten. In dringenden Fällen merken Sie sich das Kennzeichen und rufen Sie später die Polizei an. Die nimmt Nötigung durchaus ernst.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.