Waldschäden

Initiative beschäftigt sich mit Klimawandel im Harz: Touristen reagieren verstört

Extreme Waldschäden: Unzählige Fichten sind im Nationalpark Harz nahe Schierke abgestorben.
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Extreme Waldschäden: Unzählige Fichten sind im Nationalpark Harz nahe Schierke abgestorben.

Sturm und Dürre: Die Folgen des Klimawandels sind auch im Harz deutlich sichtbar. Der Harzer Tourismusverband schlägt Alarm.

Die Auswirkungen und Herausforderungen des Klimawandels sind in weiten Teilen des Harzes, auch im Landkreis Göttingen, deutlich sichtbar. Wie eng Sturm und Dürre mit dem Tourismus verbunden sind und was getan werden kann und muss, das war jetzt beim Harzer Tourismustag mit Teilnehmern aus der gesamten Region Thema.

„In den letzten beiden Jahren musste der Harz schmerzlich erfahren, dass man den Auswirkungen des Klimawandels – den extremen Wettersituationen mit Stürmen, Hitzewellen oder Dürreperioden – nur bedingt etwas entgegenzusetzen hat“, teilt Christin Wohlgemuth, Pressesprecherin des Harzer Tourismusverbands mit. 

Die aktuelle Waldsituation mache nicht nur den verantwortlichen Forstwirten und Waldbesitzern große Sorgen. „Einheimische wie auch Touristen reagieren verstört auf den Anblick von Totholz und Kahlschlägen“, betont Wohlgemuth.

Harzer Tourismusverband hat eine neue Initiative ins Leben gerufen

Der Harzer Tourismusverband um Geschäftsführerin Carola Schmidt hat deshalb die Initiative „Der Wald ruft“ ins Leben gerufen. Aufgabe dieser Initiative ist es unter anderem, Aufklärungsarbeit zu leisten. An klassischen Touristenpunkten wie der Bundesstraße 4 oder entlang der Brockenbahn seien die Schäden besonders sichtbar, da im Nationalparkgebiet Totholz nicht entfernt werde. 

Die Gäste machen sich ihre Gedanken und konfrontieren die Touristiker mit einem Meinungsbild. „Vom interessierten Waldbeobachter, der in dem Prozess eine Chance für die neu entstehende Wildnis sieht, bis hin zum verständnislosen Kritiker, der den Verantwortlichen Inkompetenz und Tatenlosigkeit vorwirft, ist alles dabei“, sagte Schmidt in ihrem Vortrag.

Die Aufklärungsarbeit, unter anderem über den Wettlauf mit der Zeit gegen die Borkenkäfer, finde mit speziellem Informationsmaterial in Form von Printprodukten, ebenso mit Informationen im Internet und über die Tourismusakteure statt. In den Infomaterialien wird erklärt, warum Totholz für bis zu 30 Prozent der im

Wald lebenden Arten von essenzieller Bedeutung ist und wie die Natur „die neue Wildnis baut“. 

Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband.

Die Sommerdürre und die deutlicher sichtbar werdenden Waldschäden haben laut Mitteilung des Harzer Tourismusverbands keine Auswirkungen auf die Tourismusentwicklung. Sie ist weiter stabil im Aufwärtstrend. Der Gesamtharz verzeichnete laut Mitteilung bis einschließlich August einen Zuwachs bei den Übernachtungszahlen von 4,9 Prozent. 

Konkret sind es 4,3 Prozent mehr Übernachtungen in Niedersachsen und 6,7 Prozent mehr Übernachtungen in Sachsen-Anhalt. Der bisher im thüringischen Südharz verbuchte geringfügige Rückgang von 0,8 Prozent könne mit Blick auf die gut gebuchten Herbstmonate aufgeholt werden. Die Zahlen aus der für den Harz wichtigen Herbst- und Wandersaison liegen aktuell noch nicht vor. 

Finanzieller und personeller Aufwand sind laut Harzer Tourismusverband hoch

Hier geht der Tourismusverband aber davon aus, dass sich der positive Aufwärtstrend bestätigt. „Damit kann die Gesamtdestination voraussichtlich das sechste Jahr in Folge das Vorjahresniveau im Bereich der statistisch erfassten Übernachtungen überbieten“, teilt Pressesprecherin Christin Wohlgemuth mit. 

Besonders positiv hervorgehoben wurde, dass im Harz bereits seit 30 Jahren länderübergreifend zusammengearbeitet werde. Verglichen mit anderen Regionen habe man hier 1989/90 Weitblick bewiesen und zwischenzeitlich bereits Hürden überwunden. 

„Den aktuellen Herausforderungen adäquat zu begegnen, bedeutet einen enormen finanziellen aber vor allem personellen Einsatz, zumeist unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen“, sagt Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband mit Blick auf die Folgen der Dürre im Harz. 

Hier wolle man um das Verständnis der Touristen werben. Geld für dieses Projekt gibt es vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt. Informationen zum „Wald im Wandel zur Wildnis“ hat die Nationalpark Harz-Verwaltung auf ihrer Internetseite samt Videos bereitgestellt. Sie sind unter nationalpark-harz.de zu finden.

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