Bücher aus der Region

Interview: „Der kleine Farnkobold“ von Jorina Clara Havet

Die Lotenbachklamm, ein Seitenarm der Wutachschlucht, im Schwarzwald
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Der Schwarzwald inspirierte Jorina Clara Havet bereits als Kind. Farnbewachsene Schluchten, hier die Lotenbachklamm, ein Seitenarm der Wutachschlucht, sind in ihrem Buch „Der kleine Farnkobold“ Spielort für fantastische Kindergeschichten.

In der Serie „Bücher aus der Region“ stellen wir Autoren und ihre Werke vor, die einen Bezug zu Südniedersachsen haben. Das Kinderbuch „Der kleine Farnkobold“ von Jorina Clara Havet erzählt die Geschichte eines Kobolds im Schwarzwald, der auf große Reise geht.

In seiner Heimatschlucht ist er ein Außenseiter, weil er nicht so aussieht, wie die anderen Kobolde. Sein Weg führt ihn in die weite Welt, wo er andere Geschöpfe kennenlernt und Freundschaften schließt.

Frau Havet, wie ist „Der kleine Farnkobold“ entstanden?

Ich bin schon als Kind mit meinen Eltern oft in den Schwarzwald gefahren. Da gibt es so verwunschene Wälder und Berge, dass ich beim Durchgehen immer die Vorstellung von Fabelwesen hatte, die da wohnen. So ist die Welt entstanden, lange bevor ich eine Geschichte geschrieben habe, die in dieser Welt spielt. Die erste Version habe ich vor zehn Jahren verfasst. Es ist eine ganz typische Heldenreise: Der Farnkobold hat Probleme, wo er ist, bricht auf und findet aus seinem Weg zu sich selbst und zu mehr Weisheit.

Zu Beginn der Geschichte wird der Kobold ausgeschlossen...

Ja das beschreibt die Angst und das Misstrauen der anderen vor dem Andersartigsein. Die blauen Augen des Kobolds sind das Symbol für das Andere. Es gibt ja immer wieder Kinder in der Schule, die nicht richtig reinpassen in das System und die damit Schwierigkeiten haben. Es geht darum, in diesem Andersartigsein, etwas besonderes zu sehen, was es ja eigentlich ist.

Ist das Ihre Botschaft für die jungen Leser?

Ich möchte vermitteln, dass es gut ist, wie man ist, auch wenn man vielleicht anders ist. Dass es eine andere Welt gibt als die, die man unmittelbar um sich herum hat. Und dass es auch gut sein kann, sich zu öffnen. Der Hauptcharakter findet Freunde, die gar keine Farnkobolde sind, sondern ein Wurzelsepp und ein Moosgnoom. Und er findet sie an Orten, an denen er gar nicht damit gerechnet hat. Denn die Moosgnoome sind eigentlich verfeindet mit den Farnkobolden. Hier steckt eine Botschaft von Offenheit der Welt gegenüber dahinter, ein vorurteilsfreies Miteinander. Und ich möchte Kindern Achtung vor der Natur vermitteln. Wenn man davon ausgeht, dass im Wald irgendwo Farnkobolde leben könnten, dann geht man nicht hin und reißt den Farn aus.

Sie haben eine Tochter, wie war sie in das Projekt eingebunden?

Meine Tochter ist immer meine erste Testleserin. Ich habe sie lesen lassen und da hat sie manchmal gesagt „Da verstehe ich etwas nicht“ oder „An der Stelle komme ich ins Stolpern“. Das habe ich dann natürlich berücksichtigt. Es hat mir auch Motivation gegeben, weil sie weiterlesen wollte.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich habe schon in der Grundschule gerne geschrieben – im Unterricht, damit habe ich die Lehrer wahnsinnig gemacht. Im Studium bin ich zum Live-Rollenspiel gekommen und habe dafür Welten entworfen, über dreihundert Charaktere entwickelt. In der Coronazeit kann ich diese großen Veranstaltungen nicht mehr machen, da bin ich zum Schreiben zurück. Dann habe ich das Self-Publishing entdeckt. Mit dieser Möglichkeit kam dann der Schwung, es fertigzustellen.

Wie kann man sich den Prozess vorstellen?

Erst mal sieht es wahrscheinlich so aus, als würde ich nichts tun, weil ich in die Luft starre und sich in meinem Kopf die Welten und Charaktere bewegen. Ich gehe nach dem Prinzip, Welt- und Charakterdesign geht vor dem Plot. Erst wenn Weltdesign und Charakterdesign stimmig sind, fangen die Charaktere an zu handeln. Manchmal passiert es dann, dass die Charaktere was ganz anderes machen, als sie sollten, weil sie ein starkes Eigenleben entwickeln.

Sie schreiben auch ein Jugendbuch. Können Sie dazu schon etwas sagen?

Es geht um drei Mädchen, die vom Wald in Schutzfeen verwandelt werden. Sie lernen dann, dass es um sie herum Druiden gibt und finden heraus, dass sie Wasser bewegen und Feuer erzeugen können. Und dann gibt es natürlich auch eine Bedrohung von Dunkelwesen, die sie vertreiben wollen. Im Inneren geht es um Verantwortung – übernehmen oder von sich weisen. Ich bin auf der Suche nach einer Agentur dafür.

Service: Der Roman kann bei der Buchhandlung Winnemuth bestellt werden (Tel. 0 55 41/87 68).

Kennen Sie weitere Autoren oder Bücher aus der Region? Schreiben Sie uns an hann.muenden@hna.de oder rufen sie uns an unter Tel. 0 55 41/ 98 39 15.

Zur Autorin: Jorina Clara Havet

Clara Hilsberg (35) ist in Hann. Münden aufgewachsen und lebt dort. Sie hat Jura studiert und ist alleinerziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ihr erstes Buch „Der kleine Farnkobold“ hat sie unter dem Alias „Jorina Clara Havet“ selbst veröffentlicht. Weitere Bücher sind in Arbeit.

Rezension zu „Der kleine Farnkobold“

„Der kleine Farnkobold ein – Schwarzwaldmärchen für Kinder und Erwachsene“, so stellt die Autorin ihr Buch auf den ersten Seiten vor. Sie widmet es ihrer Familie für die vielen schönen Reisen an den magischen Ort, den sie als Kind kennenlernte. Diese Magie spürt auch ein erwachsener Leser und wird ab Seite 1 in den Bann einer unterhaltsamen und rührenden Geschichte gezogen, die über 164 Seiten schnell zu lesen ist.

Kindgerecht ist die einfache Wortwahl, große Schriftgröße und grafische Gestaltung des Buches. Am Ende stehen freie Seiten zur Verfügung, um die fantastischen Charaktere nach eigener Vorstellung zu malen.

Da sind zum einen die Farnkobolde, zu denen auch der Hauptcharakter gehört. Sie verbringen ihren Tag damit, zu giggeln und Eichhörnchen beim Klettern anzufeuern. Vernünftige Farnkobolde klettern nach dem Frühstück aus Farnsalat auf einen Baum oder in die Höhle, so heißt es. Denn am Morgen lassen sich die Knirbelwirsche von den Hängen purzeln und brauchen den ganzen Tag, um hochzuklettern.

Diese Welt verlässt der kleine Farnkobold, denn wegen seiner außergewöhnlich blauen Augen, wird er von den anderen ausgeschlossen. Auf seiner abenteuerlichen Reise in die unbekannte Ferne, durch Orte, die Schwarzwaldreisenden bekannt sein dürften, trifft er allerhand fantastische Wesen, die die Menschen nicht sehen können. So findet er Freunde, wo er keine erwartet hat, und räumt Vorurteile aus dem Weg – eine Lehre, die sich an alle Altersklassen richtet.

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