Interview mit Landrat Reuter: „Begegnungszentrum ist eine Chance“

Krankenhaus Hann. Münden: Die Klinik wird nach Fertigstellung des Klinikum Hann. Münden Vogelsang leerstehen. Der Landkreis will die Immobilie an der Burkardtstraße in Neumünden einschließlich des Schwesternwohnheims (im Hintergrund) erwerben und für die Unterbringung von Flüchtlingen sowie für die Schaffung eines Begegnungszentrums für Integration, Bildung und Qualifikation umbauen. Luftbild: Archiv/nh

Hann. Münden/Göttingen. Der Kreistag hat Landrat Bernhard Reuter vorige Woche beauftragt, ein Gebot abzugeben für den Kauf des Krankenhauses Hann. Münden.

Der Landkreis will in dem Gebäude Flüchtlinge unterbringen und ein Begegnungszentrum zur Integration, Bildung und Qualifikation schaffen. Darüber und über weitere Aspekte zum Thema Flüchtlinge und zur Haushaltssituation sprach HNA-Redakteur Helmut Krischmann mit Landrat Reuter.

Herr Reuter, Sie haben vom Kreistag den Auftrag erhalten, das Krankenhaus Hann. Münden zu kaufen. Mit wem werden Sie verhandeln? 

Bernhard Reuter: Wir richten unser Angebot an den Insolvenzverwalter. Er ist bevollmächtigt zu verhandeln und zieht bei bestimmten Entscheidungen den Gläubigerausschuss hinzu.

Flüchtlingsunterkunft und Begegnungszentrum sind im Krankenhaus geplant, wenn es zum Verkauf kommt. Was bedeutet das? 

Reuter: Wir haben einen Fachkräftemangel, der sich aufgrund der demografischen Entwicklung zuspitzen wird. Deshalb müssen wir großes Interesse haben, Flüchtlinge, die dauerhaft hier bleiben dürfen und wollen, sehr schnell zu integrieren. Nicht alle Flüchtlinge bringen dafür gute Voraussetzungen mit. In Syrien gilt beispielsweise eine Schulpflicht von sechs Jahren, manche haben keine weitere Ausbildung. Daher ist es die vordringliche Aufgabe, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen können und beruflich qualifiziert werden. Das wird nicht leicht werden.

Wir müssen aus Fehlern der Vergangenheit beim Umgang mit Gastarbeitern lernen und Integration vom ersten Tag an leisten. Klar ist, Flüchtlinge müssen sich an unsere Spielregeln halten, aber wir müssen den Menschen aus anderen Kulturkreisen auch die Gelegenheit geben, diese Spielregeln kennenzulernen.

Wie wird Integration in der geplanten Unterkunft umgesetzt? 

Reuter: Die Idee ist, Unterbringung und Integration zusammenzudenken. Wir brauchen dafür Lehrer, Sozialarbeiter und anderes Fachpersonal. Diese könnten beispielsweise Flüchtlinge anleiten, beim nötigen Umbau des Krankenhauses mitzuhelfen. Wir wollen aber mit dem Kauf auch Vorsorge für den Standort treffen, denn eines Tages werden die Flüchtlinge, die hier bleiben, möglicherweise in andere Städte ziehen oder die Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wird, wieder in ihre Heimatländern zurückkehren. Dann wird es das Krankenhausgebäude noch geben. Für Münden wäre dann das Begegnungszentrum eine große Chance. Viel schlimmer wäre der Leerstand des Gebäudes.

Bis zu 250 Flüchtlinge auf einen Fleck. Erwarten Sie Unruhe in der Nachbarschaft? 

Reuter: Nein. Natürlich muss das Umfeld mit betrachten werden. In Friedland hatte sich die Situation im Sommer krisenhaft zugespitzt mit mehr als 3500 Flüchtlingen in einem 1200-Einwohner-Ort. Jetzt mit weniger als 2000 Flüchtlingen hat sich das gebessert. In Hann. Münden gibt es aber andere Voraussetzungen. Ein Zentrum für bis zu 250 Flüchtlinge ist keine Massenunterkunft und mein Eindruck ist, dass die allermeisten Menschen die Flüchtlinge willkommen heißen. Wir sind im Landkreis Göttingen in einer komfortablen Lage verglichen mit anderen Städten: In Bremen ist jede zweite Turnhalle dem Schulsport entzogen, weil sie als Flüchtlingsunterkunft gebraucht werden. Diese Situation konnten wir hier vermeiden, das ist weiterhin das Ziel.

Das komplette Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Mündener Allgemeinen. 

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