Jagd im Bramwald: Ein „Horrido“ als letzte Ehre

Jagdhornsignal: Das Foto zeigt Jäger beim so genannten „Verblasen der Strecke“, vierter von links ist der Präsident des Deutschen Jagdverbandes, Hartwig Fischer (Göttingen). Für jedes Stück Wild gibt es ein entsprechendes Jagdsignal. Fotos: Eismann

IMBSEN/BURSFELDE. Über 300 Jäger mit 160 Hunden beteiligten sich am Samstag bei Niedersachsens größter Gesellschaftsjagd im Bramwald.

Markierung: Mit einem Knopf im Ohr werden die erlegten Tiere für die Trichinenschau markiert. Erst wenn sichergestellt ist, dass sie frei von Parasiten sind, wird das Fleisch zum Verzehr freigegeben.

Jetzt herrscht wieder Ruhe im Wald. Udo Schmidt wischt noch einmal mit einem Lappen über den Lauf seines Gewehrs und verschließt es wieder sicher im Stahlschrank. Drei Stunden lang hat der Jäger am Samstag auf seinem Hochsitz gefroren, während auf 3500 Quadratmetern um ihn herum Treiber mit insgesamt 160 Hunden das Wild zur größten Gesellschaftsjagd Niedersachsens aufscheuchten - in den Revierförstereien Bursfelde, Ellershausen und im hessischen Oedelsheim, in Eberhausen, Güntersen und auf dem Land der Familie von Stockhausen rund um Imbsen.

Schmidt und seine Mitjäger in Eberhausen haben gerade einmal „zwei Schweinchen“ zur Strecke gebracht. Da liegen sie jetzt im Feuerschein auf Tannengrün, während die erfolgreichen Jäger sich Zweige an die Hüte stecken, ihre Hunde belohnen und den Wildschweinen schließlich mit „Horrido“-Rufen die letzte Ehre erweisen. Aber viel mehr Beute hat Udo Schmidt auch nicht erwartet, nicht so kurz nach einem Sturm.

Sammelstelle im Wald

Auf der Sammelstelle mitten im Wald, zwischen Würstchengrill und selbstgebauter Regenhütte aus Plastikplanen, haben die Jäger trotzdem viel zu erzählen. Und Udo Schmidt will von jedem genau wissen: „Was ist bei dir gewesen?“ Was seine Mitjäger gesehen haben ist für ihn Hinweis darauf, wieviele Tiere welcher Art in seinem Revier leben und welche er lieber nicht jagen sollte. Und wenn ein Eberhäuser Hund ein Schwein gestellt hat, das dann nebenan in Güntersen fiel: Genau darum haben die Jäger der Region ihre Treibjagden ja zusammengelegt. Statt dass die Tiere den ganzen Herbst über von Revier zu Revier gescheucht würden, sind schon nach drei Stunden nur noch die Nachsuchtrupps unterwegs - auf den Spuren jener Tiere, die nicht dort liegengeblieben sind, wo der Schuss sie traf.

„Jedes angeschossene Tier muss gefunden werden.“

Auf den Ländereien der Familie von Stockhausen in Imbsen etwa, wenige Kilometer weiter, dauert die Suche bis fast 16 Uhr.

Dann das große „Gottseidank“ im Hof des Gutshauses. Hier legen die Imbser Jäger traditionell ihre Strecke - und wer die schmutzigen Stiefel auszieht, für den gibt es drinnen aus feinem grüngemustertem Porzellan sogar heißen Tee. Gefunden werden muss jedes angeschossene Tier, erklärt Jörg Sebode, einer der drei Jagdpächter der Familie: „Es könnte sonst sein, dass es noch lebt und sich quält.“ Genau deshalb müsse auch jeder Jäger das Schießen „brutal üben“.

Einfach nur der Anblick der toten Tierkörper dagegen macht hier keinem zu schaffen. Schließlich liegen sie auf der „Strecke“, um Ehrfurcht vor der Kreatur zu zeigen. Dazu gehört auch, dass die Tiere auf ihrer rechten Seite liegen und die Männer mit den Jagdhörnern vor ihrem Kopf stehen, während sie die Tonfolgen für „Reh“ und „Wildschwein“ in die Abenddämmerung tröten, bis einer der Hunde anfängt mitzujaulen.

„Da werden die Jäger komisch“, kann selbst Jörg Sebode nicht bestreiten. Aber dieser traditionelle Abschluss der Jagd zeigt eben auch auf einen Blick, wie gut sich die Jäger an die Absprachen vom Morgen gehalten haben: keine dicken Bachen, keine Keiler mit scharfen Hauern oder Rehböcke, deren Gehörn Trophäen ergeben könnte.

Insgesamt haben die mehr als 300 Jäger aus der Region an diesem Wochenende trotzdem 140 Wildschweine und 30 Rehe zur Strecke gebracht. Jetzt dauert es bis zur nächsten großräumigen Bewegungsjagd wieder ein ganzes Jahr.

Von Eva Eismann

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