Viele Nostalgiemomente in kuriosem Museum

Jeder Besucher erlebt Dr. Wolfs Wunderkammer in Hann. Münden anders

Was sich wohl hinter der Schranktür befindet? Dr. Daniel Wolf tritt gerade aus dem Gang zur Sonderausstellung zu vergessenen Kreaturen heraus. Die Mund-Nasen-Maske hat Wolf nur kurzzeitig für unser Bild abgenommen.
+
Was sich wohl hinter der Schranktür befindet? Dr. Daniel Wolf tritt gerade aus dem Gang zur Sonderausstellung zu vergessenen Kreaturen heraus. Die Mund-Nasen-Maske hat Wolf nur kurzzeitig für unser Bild abgenommen.

Dr. Wolfs Wunderkammer, Museum für Geschichte, Kunst und Kurioses, besinnt sich auf die Sammelsurien vergangener Tage zurück. Kurioses, Nostalgisches und schlichtweg Altes – alles was eine Geschichte erzählt – sammelt Dr. Daniel Wolf und bringt es in seiner Wunderkammer unter.

Hann. Münden – Durch einen kleinen Gang, der mit aufgeklebten CDs wie eine Zeitmaschine wirkt, geht es hinein in die Wunderkammer. Wolf geht vor und zieht den Vorgang zur Seite.

Die Augen zucken von einem Objekt zum nächsten. Worte bleiben jedoch erst mal aus. Selbst unter der Maske erkennt man, dass Wolf schmunzelt. Er kennt diese Reaktion der Besucher, die sich „von der eigenen Neugier leiten lassen sollen“. Erklärtexte wie in anderen Museen sucht man dort vergebens. „Ich bin der Erklärtext“, sagt Wolf.

Er folgt den Blicken seiner Besucher. Er hat ein Gespür, welche Objekte eine Person begeistern, wenn sie durch den Vorhang in die Wunderkammer treten. Ist es der Schädel eines Ochsen? Ist es ein altes Nutella-Glas? Oder das Raumschiff Enterprise, bekannt aus der Filmreihe Star Trek, das von der Decke in der Mitte des Raumes baumelt?

„Jeder achtet auf andere Stücke. Und so ist auch jede Führung für mich etwas Neues“, sagt Wolf. Die Führung lebe auch davon, dass die Gäste ihre Geschichten erzählen, die sie mit einzelnen Ausstellungsstücken verbinden.

Der Blick fällt auf einen Tierschädel mit einem großen Horn. Ein Einhorn? „Natürlich kein Echtes“, sagt Wolf. Doch früher sei häufig versucht worden, dieses Fabelwesen nachzubilden. „Dem Horn wurden heilende Kräfte nachgesagt, wenn man es zermahlen hat“, so Wolf. „Jeder Sammler wollte früher so ein Horn haben. Seefahrer brachten Hörner von verschiedenen Tieren mit, um sie an die Sammler zu verkaufen.“ So sei die Illusion aufrecht erhalten worden.

Keine Illusion ist das Gefühl, dass die Wunderkammer hervorruft. Überall ticken alte Uhren, die in unregelmäßiger Reihenfolge läuten. Eine Reise zurück in der Zeit. Wolf als lebendiges Lexikon begleitet durch den Raum und weiß zu jedem Stück etwas zu berichten. Doch er empfiehlt auch, einfach mal auf einem der alten Sessel Platz zu nehmen, und für einen Moment Ruhe walten zu lassen. Das Ticken der Uhren beruhigt und der Raum wirkt im Sitzen viel aufgeräumter – geordneter.

Anfassen ist in der Wunderkammer erlaubt, ja sogar erwünscht wie Wolf sagt. „So kann man noch mehr Nähe zu dem mystischen Dingen aufbauen.“ Besonders mystisch wird es bei der Erkundung des Kleiderschranks, der zu einer kleinen Sonderausstellung „Vergessene Kreaturen“ führt. Hinter dem Schrank wartet auf die Besucher eine kleine Waldlandschaft mit den Fabelwesen des Waldes, darunter Moosfrauen und Waldgeister. Es fällt schwer, sich von der Fantasiewelt zu lösen.

Die Führung neigt sich dem Ende entgegen, ein letztes Mal den Blick schweifen lassen. In einer Ecke fallen Miniaturbahnschienen ins Auge, Nostalgie kommt auf. Wie von Zauberhand fährt eine Minitrix-Dampflok mit einigen Waggons los. Eine Kindheitserinnerung für viele Besucher. „Es kommt häufiger vor, dass man beim zweiten Besuch etwas entdeckt und sich dafür begeistert, was man beim ersten Mal gar nicht wahrgenommen hat“, sagt Wolf.

Nostalgiemomente und viel neues Wissen gab es bereits beim ersten Besuch. Der Zweite wird ganz anders verlaufen, auch für Wolf. Die Führungen finden momentan unter Corona-Bedingungen mit maximal drei Personen statt. (William Abu El-Qumssan)

Buchungen und weitere Infos: dr-wolfs-wunderkammer.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.