Als Udo Jürgens nach Hann. Münden kam

Broschüre der Musik-Szene Hann. Münden: Die Veranatslter präsentieren im Jahr 1977 Udo Jürgens am 9. Mai, auf dem Wasserübungsplatz. Repro: Schäfer

Hann. Münden. Udo Jürgens, eigentlich Udo Jürgen Bockelmann, der am 21. Dezember im Alter von 80 Jahren starb, gastierte am 9. Mai 1977 in Münden im Rahmen seiner Europa-Tournee „Udo Live 77".

Ja, man staunt. Damals schon auf dem Zenit stehend, machte er Station in Münden! Über die Hintergründe gibt die eigens für das Konzert herausgegebene Broschüre der „Musik-Szene Hann. Münden“ Auskunft.

Hinter der „Musik-Szene Hann. Münden“ fanden sich der Mündener Kulturring und die Mündener Pioniere zusammen. Sie stellten fest, dass man zwischen Göttingen und Kassel kulturell im „Abseits“ stehe. Angehörige der Bundeswehr und Polizeischule stellten ein Zehntel der Bevölkerung und den 4500 Jugendlichen, die in Münden zur Schule gingen, müsse man kulturell etwas bieten.

Die „Les Humphries Singers“ und die deutsche Country-Band „Truck-Stop“ und andere Interpreten seien erfolgreich nach Hann. Münden geholt worden. So sei dieser Schritt folgerichtig, einen Weltstar wie Udo Jürgens mit Chor und Orchester nach Münden zu holen und das außerdem zu Eintrittspreisen, die zu 60 Prozent niedriger sind, als in den benachbarten Großstädten.

Mit der Hoffnung auf eine gute Resonanz, läge es an der Mündener Bevölkerung selbst, ob wir nach jahrelangen Durststrecken wieder ein kultureller Mittelpunkt werden könnten.

Der Schlagerstar ganz nah: Die Mündener Allgemeine brachte am 11. Mai 1977 diese Fotos, aufgenommen von Bernd Ahrens. Repro: Schäfer

Zwei Wochen lang arbeiteten 40 Soldaten des Pionierbataillons 2 an der Erstellung einer Festhalle zwischen den Hallen auf dem Wasserübungsplatz.

Über 4000 bestuhlte Plätze fasste diese Halle. Und was tat der Star an diesem Tag seiner Anreise? Er wurde im Offizierskasino empfangen und genoss eine Fahrt im Brückenlegepanzer, anschießend gab es einen Ritt auf den Wellen der Weser im Sturmboot.

Gegen 17 Uhr wurde die Festhalle geöffnet. Sie füllte sich mit rund 3000 Gästen. Fast pünktlich um 20 Uhr betrat Udo Jürgens die Bühne und spielte bekannte und weniger bekannte Lieder. Von „Merci Cherie“ bis zum „Griechischen Wein“, von „Anuschka“ bis „Lieb Vaterland“ brachte er vieles auf die Bühne. Den Abschluss des offiziellen Programms bildete der seinerzeitige Superhit „Gefeuert“.

Was bleibt in Münden zurück? Eine Erinnerung an einen großen Künstler. Eine Erinnerung an eine lebendige Stadt mit Bundeswehr und Landespolizeischule, aber auch eine Erkenntnis, dass es zu weiteren größeren Würfen dieser Art lange Zeit nicht mehr kam.

Hann. Münden ist doch keine all zu leicht zu bespielende Bühne, denn die Rechnung ging für den Veranstalter nicht voll auf!

Udo Jürgens schaffte es, ganze Generationen mit seiner Musik zu begeistern, ohne je peinlich oder aufdringlich zu wirken. Mit feiner Ironie als Spiegelbild unserer Gesellschaft, aber auch mal einen Gassenhauer wie „Griechischer Wein“, sein Repertoire war breit aufgestellt. Angesichts der vielen Nachrufe auch an dieser Stelle „vielen Dank für die Blumen, vielen Dank für die Musik!“

Von Stefan Schäfer

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